Flüster-Flieger aus Aachen

Flüster-Flieger aus Aachen

Mit dem Silent Air Taxi des Start-ups e.Sat will eine Gruppe Aachener Professoren das Fliegen auf der Kurzstrecke umweltfreundlicher und erschwinglicher machen.

Fliegen | Von Lothar Kuhn |

Streetscooter und E.Go sollen den Straßenverkehr elektrifizieren, ein Kurzstreckenflieger soll dasselbe künftig in der Luft versuchen - und immer stecken Aachener Professoren dahinter. Stets dabei Günther Schuh, Direktor des Werkzeugmaschinenlabor an der RWTH Aachen. Er hat jetzt mit Kollegen seiner Uni und von der Fachhochschule Aachen das Konzept des Silent Air Taxi vorgestellt und für den Bau des Fliegers die e.SAT GmbH gegründet.

Das Kleinflugzeug soll mit vier Passagieren und einem Pilot an Bord bis zu 1000 Kilometer weit fliegen können. Und das zum Preis eines 1.-Klasse-Tickets der Bahn. Weil die Maschine nur kurze Start- und Landebahnen von maximal 400 Meter Länge benötigt, kann sie fast jeden Ort in Deutschland schnell erreichen. Immerhin leben 80 Prozent der Deutschen im Umkreis von 25 Kilometern eines (oft kleinen) Verkehrsflughafens.

Damit diese Kurzstreckenflüge nicht zu sehr zu Lasten der Umwelt gehen, setzt der Professoren-Trupp auf einen Hybridantrieb, der Verbrennungs- und Elektromotor mit einer Batterie kombiniert. Das soll den Ausstoß an Abgasen und vor allem die Lärmbelastung reduzieren. Das Flug-Taxi werde, versprechen die Hochschulforscher, beim Start schon in 100 Meter Abstand nicht mehr zu hören sein. Dazu trägt auch das ungewöhnliche Tragflächenkonzept namens Boxwing-Flügel bei, die an einen Doppeldecker erinnern. Es sorge für "überlegene aerodynamische Effizienz, Kompaktheit und Kompaktheit" schwärmt Frank Janser, Professor für Strömungsmechanik an der Fachhochschule Aachen. Zusammen mit Peter Jeschke, Leiter des Instituts für Strahlantriebe und Turbomaschinen der RWTH Aachen, und Schuh ist er Geschäftsführer e.Sat. Die drei Profs wollen den 300 Kilometer pro Stunde schnellen Flieger 2022 erstmals abheben lassen, die Muster-Zulassung durch die Behörden soll dann 2024 erfolgen.

Die Aachener treffen auf massive Konkurrenz

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen und die umliegenden Kommunen fördern das Projekt massiv. So bauen sie den Flugplatz Aachen-Merzbrück für 12,7 Millionen Euro zum Forschungsflugplatz mit neuer Start- und Landebahn und angeschlossenem Gewerbegebiet aus. Es beteiligt sich aber auch die Industrie. So arbeitet der Münchner Triebswerkshersteller MTU Aero Engines am Hybrid-Antrieb mit und hält Anteile an der e.Sat Powertrain GmbH, einer Tochtergesellschaft der e.Sat.

Schuh begnügt sich übrigens dieses Mal mit dem Posten des Finanz - und Produktionschef, CEOs sind gemeinsam Jeschke und Janser. Er will seine Erfahrungen bei der Produktion des Elektro-Stadtauto E.Go Life und des Kleintransporters Streetscooter auf den Flugzeugbau übertragen und so helfen, die Herstellkosten im Griff zu behalten.

Ob es tatsächlich eine Marktlücke für den Hybrid-Flieger der Aachener Professoren gibt, wird sich zeigen. Die Konkurrenz ist jedenfalls groß: Der Luftfahrtriese Airbus arbeitet ebenfalls an hybriden und reinelektrischen Antrieben. Der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce hat ein einsitziges Elektro-Flugzeug entwickelt, die deutschen Start-ups Lilium und Volocopter haben bereits ihre Maschinen abheben lassen.

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