"Feinstaubfresser" sorgt für sauberere Autos

"Feinstaubfresser" sorgt für sauberere Autos

Mit einem neuen Feinstaubfilter will eine Ludwigsburger Firma schädliche Partikel reduzieren. Die ersten Systeme sind bei der DHL im Einsatz.

Emissionen | Von Angela Schmid

Für Autofahrer wird die Luft in Stuttgart immer dünner. Die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide werden ständig überschritten. Werte um 80 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft sind an den Messstationen der Innenstadt fast normal. Erlaubt sind täglich aber eigentlich höchstens 50 Mikrogramm.

Etwa 47.000 Menschen in Deutschland sterben nach Schätzungen der WHO jährlich infolge der Luftverschmutzung. Ändert sich an Deutschlands dreckigsten Straßenkreuzungen nichts, drohen Fahrverbote. Um gegen die Verschmutzung anzukämpfen, hat die Firma "Mann+Hummel" einen neues Feinstaub-Filtersystem entwickelt: den Feinstaubfresser.

Das Familienunternehmen ist in rund 30 Ländern vertreten und setzt jährlich vier Milliarden Euro um - ein klassischer "Hidden Champion". Ohne die Firma aus Ludwigsburg würden aber die meisten Auto nicht lange durchhalten. Seit 76 Jahren stellen die Schwaben Filter her.

Bisher, um damit den Benzin- oder Dieselmotor zu schützen. Jetzt wollen sie die Schadstoffe, die ein Auto produziert, reduzieren. "Immer mehr Menschen an unseren Standorten von Ludwigsburg über Bangalore bis Schanghai leiden an den Folgen der Luftverschmutzung und wer, wenn nicht wir als Filtrationsexperten, sollte das Thema anpacken", sagt Alfred Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Der Feinstaub-Teufel steckt in der Bremse

Seit Sommer 2017 fährt ein VW-Passat mit einem Feinstaubfresser auf dem Dach durch die baden-württembergische Landeshauptstadt. Er macht genau das, was der Name sagt: Er eliminiert Feinstaub. Die ersten Testergebnisse waren für Projektleiter Jan-Eric Raschke zufriedenstellend. Aber nicht gut genug. "Die Filtrationsleistung war zu niedrig, um signifikant eingreifen zu können", erklärt er.

Der Feinstaub-Teufel steckt in der Bremse. Die Abgase machen nur knapp 20 Prozent des Feinstaubs aus, den ein Auto insgesamt produziert. Ein zweiter Filter direkt an der Bremse platziert, soll das Problem lösen.  Zumal über 90 Prozent des Bremsstaubs  feine Partikel sind, die sich negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirken. Dieser feinste Staub enthält einen gesundheitsschädlichen Cocktail aus Metallen. 

Neben dem Bremsstaubpartikelfilter wurde auch der Feinstaubfilter vom Dach direkt unter das Auto neben dem Auspuff platziert. Genau dort, wo sich die höchste Feinstaubkonzentration befindet, funktioniert er wie ein Staubsauger am Heck. Er zieht die Luft an, die durch ein mehrlagiges Gewebe geleitet wird und nur saubere Luft wieder herauslässt.

Ein Regensensor deaktiviert das System, da Regen die Schadstoffkonzentration ohnehin reduziert und der Filter dann nur unnötig Energie verbrauchen würde. Auch im Stand wird das System heruntergefahren, um die Ventilatorgeräusche zu reduzieren. 2500 Kubikmeter Luft pro Stunde reinigt der Feinstaubfilter, der alle 20.000 Kilometer ausgewechselt werden muss. Das geht laut Hersteller ganz unkompliziert im Restmüll, der Filter enthalte keine Chemikalien.

DHL setzt die ersten Feinstaubfresser ein

Die ersten unter dem Auto platzierten Feinstaubfresser kommen beim StreetScooter von Deutsche Post DHL Group zum Einsatz. Aus dem Auspuff kommen bei dem Elektroauto zwar keine Schadstoffe. Das Problem mit dem Reifen-, Brems- und Straßenabrieb bleibt aber auch beim Batterie-Antrieb bestehen. Die Elektrifizierung bringt daher vor allem etwas zur Reduzierung von Stickoxiden und CO2– bei Feinstaub nützt die Batterie nur wenig. Der Feinstaubfresser soll helfen.

Das System macht den StreetScooter zum weltweit ersten emissionsneutralen Fahrzeug. Über 5000 der Elektro- Lieferfahrzeuge hat DHL im Einsatz. Mit dem Feinstaubpartikelfilter aus Ludwigsburg sind jetzt fünf ausgestattet worden. Weitere fünf kommen Anfang 2018 hinzu. Ein Jahr läuft das Projekt. Dann wird über einen serienmäßigen Einsatz entschieden. "Das System kann auch für  Busse und Trucks hochskaliert werden", erklärt Raschke das Potenzial.

Bis dahin wird nicht nur gefiltert, sondern auch beobachtet: Sensoren erfassen Informationen über die Filtrationsleistung, die gereinigte Luftmenge, die Feinstaubkonzentration sowie Wetterdaten. Es entsteht eine Landkarte der Luftverschmutzung. Die Daten werden in einer Cloud zusammengeführt, durch eine Webschnittstelle dargestellt und von den Filtrationsexperten ausgewertet.

Auch für Stickoxide adaptierbar

Getestet wird auch ein stationärer Feinstaubfresser, der vor der Firmenzentrale in Ludwigsburg steht. "Der könnte zum Beispiel an Bushaltestellen oder U-Bahnhöfen stehen und die Umgebungsluft reinigen", sagt Raschke.

Mit der Technologie könnte potenziell nicht nur Feinstaub, sondern auch Stickoxide gefiltert werden. Das sei aber umfangreicher, so Raschke. "Wir wollen lieber mit einem ersten Schritt anfangen und den Feinstaubfresser zügig auf den Markt bringen." Überlegungen gebe es aber.

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