Fazua: E-Bike-Motor zum Anklippen

Fazua: E-Bike-Motor zum Anklippen

Mal Pedelec, mal klassisches Fahrrad: Das Start-up Fazua hat einen flexiblen E-Antrieb gebaut, mit dem man sich jeden Tag spontan entscheiden kann.

E-Bikes | Von Susanne Frank

Als Werkstudent bei einem Motorenhersteller erkannte Johannes Biechele vor einigen Jahren: Für Mountain-Bikes gab es kein leichtes, schlankes und dazu noch ästhetisches Konzept eines E-Antriebs. "Das war alles klobig und sah furchtbar aus", erinnert sich der Münchener. Er setzte sich hin und tüftelte mit Kommilitonen der Hochschule München an einer Lösung. Heute verkauft ihr Start-up Fazua einen einzigartigen E-Antrieb. Wer ihn nutzt, hat eigentlich zwei Bikes: Eines mit und eines ohne Elektromotor.

Der Clou am "Evation" genannten System ist nämlich: Der gesamte elektrische Antrieb lässt sich abnehmen. Die nur 3,3 Kilogramm schwere Einheit ist am Unterrohr angebracht und kann mit wenigen Handgriffen demontiert werden. Im täglichen Stadtverkehr ist der Biker also ohne E-Motor mit reiner Muskelkraft unterwegs. Bei längeren Strecken oder sportlichen Touren wird das Velo dann elektrisch unterstützt und damit zum Pedelec.

Damit der Antrieb so einfach entnommen werden kann, musste er besonders leicht und kompakt ausfallen. "Diese Entwicklung war nicht trivial", sagt Biechele. Sein Unternehmen hält einige Patente und sieht für sich auf dem boomenden Markt einen guten Vorsprung. "Einige versuchen uns zu kopieren. Aber wir sind mit unserer Technologie ganz vorne." Ein Grund für das geringe Gewicht des Antriebs ist die Reichweite der Batterie. "Am Markt sind 150 Kilometer üblich. Aber wer braucht die schon?", stellten Biechele und seine Mitstreiter fest. Ihre Batterie bietet 50 bis 100 Kilometer Reichweite, sie wiegt aber auch nur 1,4 Kilogramm. Für wirklich lange Touren muss man notfalls einen Ersatzakku mitnehmen.

Teurer als Bosch-Antriebe

Fazua verkauft seinen Antrieb mittlerweile an namhafte Fahrrad-Hersteller. So bieten etwa Cube, Bianchi und Focus Modelle, in die sie den Evation-Antrieb integriert haben. Und Fazua wächst rasant: 2017 verkauften die Fazua-Gründer zehnmal so viele Antriebe wie noch ein Jahr zuvor. Der Preis für seine Erfindung liegt Biechele zufolge leicht über denen von Marktführer Bosch. "Nur bei uns gibt es aber diesen Leichtbau und eine solche Integration in den Rahmen", sagt er. Einen Designpreis gab es auch schon für die Entwicklung.

Deren Vorteile schätzt inzwischen auch eine Sportlergruppe, die bislang keinen Sinn für E-Antriebe hatte: Rennrad-Fans. "Niemand rechnete bis vor kurzem damit, dass die E-Mobilität auch dort ankommen würde", sagt Johannes Biechele. Schließlich waren die Antriebe bislang zu groß und schwer für die filigranen Rennmaschinen ambitionierter Freizeitsportler. Doch das ändert sich gerade, Fazua stellt eine hohe Nachfrage im Rennradbereich fest.

Nicht nur für Rennrad-Senioren

Einer der ersten Kunden ist die Edel-Schmiede Pinarello, die einen Carbon-Renner mit Fazua-Motorisierung entwickelt hat. Weil sich der Antrieb ab 25 Kilometern pro Stunde entkoppelt, muss der Sportler selbst bei hohem Tempo nicht gegen das Getriebe antreten. Für Rennradfahrer war das bislang ein Hauptargument gegen den E-Antrieb. Mit dem System des Münchener Start-ups wird für sie ein normales Rennrad-Gefühl möglich. Lediglich bei Anstiegen oder Gegenwind gibt es elektrische Unterstützung.

Das zielt keineswegs nur auf den älteren Sportler, der nicht mehr so kann wie früher. "Wir haben auch Kunden in den 30-er Jahren", erzählt Fazua-Chef Biechele. Sie könnten so selbst mit weniger Fitness in den Bergen radeln und sich Touren erschließen, die sonst unerreichbar wären.

Noch sind Räder mit Fazua-Antrieb ein recht teures Nischenprodukt. Biechele rechnet aber mit einer raschen Verbreitung. "Wir werden auch in günstigere Bereiche vordringen", sagt er. Künftig sieht er auch Trekking- und City-Bikes mit dem innovativen Antrieb. Die Mittel zur Expansion sind vorhanden: Gerade haben die Münchener ihre dritte Finanzierungsrunde abgeschlossen. "Bei uns steht jetzt alles auf Wachstum", sagt Biechele.

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