Fahrrad-Kino: Strampeln für den Filmabend

Fahrrad-Kino: Strampeln für den Filmabend

Wer Kurzfilme im mobilen KLAK-Kino sehen möchte, muss in die Pedale treten. Die Gäste generieren den Strom für die Vorstellung nämlich selbst.

Leben | Von Jonas Gerding |

Um in einem kleinen Kinosaal einen Film vorzuführen, braucht es konstant 500 Watt. Will man auf Steckdosen-Strom verzichten, muss man es wie Schirin Shahed machen - und seine Besucher dafür strampeln lassen. Etwa sieben Personen sind für eine komplette Vorstellung nötig. Sie treten beim Filmschauen in die Pedale von Fahrrädern. Diese bewegen sich jedoch nicht fort, sondern laden mit der die Kraft einen Akku auf, der wiederum den Projektor mit Strom versorgt.

Etwa 20 Cent hätte es gekostet, den Strom über das Netz zu bekommen. "Es ist schon erstaunlich, wie billig Strom eigentlich ist", sagt Shahed. "Wir möchten erlebbar machen, was unser Stromkonsum bedeutet und wie viel Kraft es kostet, diesen zu decken."

Deshalb organisiert die 41-Jährige derzeit eine Fahrradkino-Tour, das "KLAK". Sie und ihr Team reisen in den kommenden Monaten kreuz und quer durch Deutschland, insgesamt zu 15 Städten - darunter Essen, Rostock, München und Leipzig. Immer mit dabei: Projektor, Leinwand, Generatoren und Filme.

Förderung vom Umweltministerium

"Eine schöne Kombination, um Menschen dazu anzuregen, über Nachhaltigkeitsthemen nachzudenken", sagt Shahed, die am Unabhängigen Institut für Umweltfragen in Berlin tätig ist. Im Fokus steht der Energieverbrauch in Zeiten des Klimawandels. Gefördert wird das Projekt daher auch vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Die Tour startete am 9. Mai in der Alten Mu, einer Begegnungsstätte in Kiel. Die Besucher selbst brachten ihre Räder mit, spannten sie in die zehn bereitgestellten Generatoren ein und traten für eineinhalb Stunden in die Pedale. Sie wechselten sich ab und setzten so viel Energie um, dass auch am Ende der eineinhalbstündigen Vorstellung der Akkustand nicht unter 54 Prozent gefallen ist.

Kurzfilme über Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Die eine Hälfte der gezeigten Filme war international produziert - und die andere extra für das Projekt entwickelt. Bereits im Jahr 2017 sendeten Schüler Drehbuchvorschläge für "Klimakurzfilme" ein. Gemeinsam mit der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf setzten die Gewinner ihre Ideen um, angeleitet in Workshops. Das Thema war vorgegeben: Nachhaltigkeit und Klimaschutz, insbesondere im Bereich Mobilität, Konsum und Energie. Die Umsetzung hingegen war den Schülern überlassen. "Uns hat interessiert was Jugendliche bewegt und wie sie das Thema Konsum aus ihrer Lebenswelt heraus sehen", sagt Shahed.

Entstanden sind elf Kurzfilme. Sie handeln beispielsweise von einem Mann, der trotz des steigenden Meeresspiegels versucht, eine Sandburg zu errichten. Oder von einer Schülerin, die ohne Strom in den Abendstunden eine Hausarbeit fertig bekommen muss. Angucken kann man sich die Klimakurzfilme aber auch, ohne auf dem Fahrrad zu strampeln - sie werden nach und nach hier online veröffentlicht.

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