Elon Musk geht mit E-LKW unter die schweren Jungs

Elon Musk geht mit E-LKW unter die schweren Jungs

Teslas energetischer Superboss stellte in Los Angeles seinen vollelektrischen Lastwagen vor – einen 40-Tonner, der es in fünf Sekunden auf Tempo 100 schafft. Er will damit nicht weniger als die Nutzfahrzeugbranche aus den Angeln heben.

E-Mobilität | Hotte Bauer und Franz Rother

Gut schaut es aus – das "Biest". So nennt Elon Musk seinen neuen neuer Super-Truck, den er am Donnerstag in einer Flugzeughalle in Hawthorne vorstellte. Ein Laster wie für die Filmstudios von "Justice League" oder den nächsten Blade Runner-Streifen. Mit futuristischem Design, voll-elektrischem Antrieb, na klar. Und mit Beschleunigungswerten, die eher zu einem Sportwagen denn zu einem Nutzfahrzeug passen. Schon 2020 soll das Biest in Aktion treten. Nein, nicht auf der Leinwand, sondern ganz real auf der Straße. Wow. Das traut sich nur einer.

Als ob er nicht schon genug am Hals hätte, betritt Elon Musk mit seinem Elektrolaster ein Schlachtfeld, auf dem schon einige Superhelden auf der Strecke geblieben sind und wo das Finale bereits eingeläutet ist. Vor fünf Jahren, als Musk mit seinem Tesla Model S die Autowelt aufmischte und etablierte Hersteller von Luxuslimousinen mit erstaunlichen Verkaufszahlen in kürzester Zeit den Tränen nahe brachte, hatte er noch leichtes Spiel.

Doch inzwischen ist Sand ins Getriebe gekommen, kämpft Tesla mit den Mühen des Alltags in der Autoindustrie. Die Produktion des Tesla Model 3 will nicht in die Gänge kommen, viele Rückrufe beim Tesla X nagen an der Reputation der Marke. Hinzu kamen Probleme mit den Autopiloten beim Model S und bei Software-Updates über das Tesla-Web. Probleme über Probleme.

Ablenkungs-LKW oder nächste Stufe?

Deshalb wird gespöttelt, Elon Musk wolle mit der Vorstellung des Lasters nur von den Problemen im Pkw-Geschäft ablenken. Aber das kann bei den langen, langen Vorlaufzeiten in einer Fahrzeugproduktion nicht ernst genommen werden.

Richtig ist: Musk sorgt wieder für Gesprächsstoff – an der Börse und in der Fahrzeugbranche. Denn Tesla stößt mit dem Semi-Truck nun auch ins Super-Schwergewicht vor - in einen beinharten Wettbewerb mit vielen muskelbepackten Champions und ganz eigenen Regeln. Und während Tesla mit seinem Model S damals noch die Pkw-Branche eiskalt erwischte, sind die Wettbewerber diesmal vorgewarnt und auch schon im Training für den Fight mit dem Herausforderer aus Kalifornien.

Daimler, der aktuelle Weltmeister, strotzt vor Finanzkraft und mit seinen Erfahrungen im Bau batteriegetriebener Kleinlaster. Mit dem Vision One Truck hat der Konzern kürzlich auch einen Ausblick auf einen ersten vollelektrischen schweren Lkw gegeben, der im Jahr 2022 auf den Markt kommen soll. Toyota baut schon Elektro-Schlepper, die im Hafen von Los Angeles Container verschieben. Cummins, der große US-Hersteller von Dieselmotoren, stellte im August den Prototypen eines Lkw mit elektrischem Antrieb vor. Beim chinesischen Hersteller BYD läuft die Produktion bereits an. Und das Start-Up Nikola Motor in Salt Lake City will seinen Fuel-Cell Truck ebenfalls 2020 auf dem Markt haben. Von MAN, Scania und Volvo ganz zu schweigen: Die Vorbereitungen auf das Zeitalter der Elektromobilität sind in der Nutzfahrzeug-Branche längst voll im Gange.

Durch die Manege

Doch Elon Musk, von traditionellen Herstellern mit Anspielung auf die Zirkusbranche gern als der P.T. Barnum der Automobilbranche bespöttelt, schaffte es mit der Präsentation seiner E-Laster immerhin, das Scheinwerferlicht zumindest für ein paar Stunden auf sich zu ziehen. In einem Hangar nicht weit entfernt vom internationalen Flughafen von Los Angeles – knallvoll mit Journalisten, Fans und freudig erregten Tesla-Mitarbeitern – fuhren vergangenen Donnerstag zwei seiner neuen E-LKWs vor: Atemberaubend schöne High-Tech-Wunderwerke, für die es laut Musk keine Probleme mehr mit Reichweiten, Ladezeiten und Zuverlässigkeit geben soll. Bilder von dem Event sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Die technischen Daten des Tesla Truck blieben bei der Präsentation zwar weitgehend in einer Grauzone. Aber neben atomwaffen-sicherem Glas in Windschutzscheibe und Seitenfenstern versprach Musk immerhin eine Reichweite zwischen 600 und 800 Kilometern, Ladezeiten von etwa 30 Minuten eine Garantie von einer Million Meilen auf die Antriebseinheit. Und er garantierte außerdem, dass die Bremsbeläge ein ganzes Truckleben halten werden. Das gab‘s noch nie.

Futuristisch ist auch das Design des E-Lasters. Um den Energieverbrauch zu senken, wurde die Zugmaschine im Windkanal optimiert. Das Ergebnis ist eine Fahrerkabine ohne Ecken und Kanten – Designlegende Luigi Colani, der in 1980er Jahren schon einen Laster mit biomorphen Formen kreierte, hätte seine Freude daran. Auch das Interieur wirkt futuristisch, mit dem Fahrersitz in der Mitte und zwei riesigen Touchscreen-Displays zu beiden Seiten des Lenkrads. Das immerhin gibt es noch. Dass der Truck in nicht allzu ferner Zukunft vollautomatisch fahren soll, versteht sich von selbst. Ausgestattet mit Auto-Bremsanlage und einem Lane-Keeping-System ist der Laster bereit für den Autopilot-Einsatz, sobald der Gesetzgeber es zulässt.

Zugabe: Ein neuer Roadster

Auch die Angaben zur Leistung der Zugmaschine klingen beeindruckend. Nur fünf Sekunden soll sie aus dem Stand heraus auf 60 Meilen pro Stunde (96,5 km/h) beschleunigen.

Mit Auflieger und voll beladen mit bis zu 40 Tonnen, soll die Tachonadel die Marke von 60 Meilen erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit soll 65 Meilen (105 km/h) betragen und auch gehalten werden können, wenn sich die Straße mit fünf Prozent Steigung ins Gebirge windet. Was Spediteure mehr interessieren dürfte: Im Unterhalt soll der Tesla-Truck um ein Drittel billiger sein als ein vergleichbar großer Diesel-LKW.

Um die Laune hoch zu halten, ließ Elon Musk zum Abschluss noch die Neuauflage des Tesla Roadster aus dem Schlepper rollen. Der Nachfolger des ersten Roadsters, der 2008 auf den Markt kam, präsentierte sich als 250.000 Dollar teurer Supersportwagen mit geradezu fantastischen Fahrleistungen: In 1,9 Sekunden auf 60 Meilen pro Stunde, in 4,2 auf 100 Meilen, Höchstgeschwindigkeit über 400 km/h. Dazu eine Reichweite von 1000 Kilometern. Drei Motoren, einer an der Vorderachse, zwei hinten. Mit einer Batterieleistung von 200 Kilowatt. Auch da haben wir natürlich Bilder:

Skeptiker im Publikum wendeten noch während der Präsentation ein, dass es einfach sei, solche Zahlen in den Raum zu stellen. Ob die Werte auf dem Prüfstand und auf der Straße erreicht werden, sei allerdings eine andere Sache. Ähnliche hochmütige Äußerungen gab es allerdings auch schon vor sechs Jahren, als Musk sein Model S präsentierte.

Heute lästert in der Autoindustrie niemand mehr, ärgern sich die Bosse anderer Autohersteller vielmehr darüber, dass ihre Ingenieure kein derartiges Elektroauto auf die Räder stellen konnten. Tesla hat für die Elektromobilität den Weg freigemacht und manchen der so genannten Premiumhersteller aus dem Tiefschlaf gerissen.

Ähnliches wolle er nun mit dem Tesla-Truck bewirken, sagte Musk zum Abschluss der Show mit Bezug auf einen in den USA überaus populären Wrestling-Wettbewerb, bei dem sich Muskelprotze gegenseitig durch den Ring pfeffern: Truck und Roadster seien ein "hardcore smackdown" für alle mit Verbrennungsmotoren betriebenen Fahrzeuge. Mal sehen, wer hier wen aufs Kreuz legt.

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