E-Rennräder: Motor für Radprofis

E-Rennräder: Motor für Radprofis

Auch trainierte Radrennfahrer kommen am Berg mal ins Schwitzen. Drei neue E-Rennrad-Prototypen sollen helfen, wenn der Anstieg zu steil wird.

E-Bikes | Von Wolfgang Schäffer

Bei der großen spanischen Fahrradrundfahrt Vuelta a España im Sommer des vergangenen Jahres dominierte Chris Froome - mal wieder - das Fahrerfeld nach Belieben. Einigen Beobachtern schien der spätere Sieger allerdings zu entspannt auf dem Rad zu sitzen, so dass sie eine Theorie entwickelten: Der Radprofi fahre mit einem kleinen Motor am Rad, der ihn beinahe ohne Schweißausbrüche die Berge hochfliegen lässt. Das ist natürlich verboten und wird von den Rennkommissaren regelmäßig kontrolliert. Bei Froome wurde nie ein Motor gefunden und die Vorwürfe sind wohl eher der Missgunst als tatsächlichen Indizien entsprungen. (Dass Froome dafür durch einen Doping-Test gefallen ist, ist noch einmal ein anderes Thema.)

Falls er jedoch zukünftige Rennen auf Fahrrädern der Projekt Y-Reihe von Focus bestreitet, sollte man vielleicht nochmal genau nachschauen. Denn nach Stadt- und Reiserädern und Mountainbikes will der Fahrradhersteller jetzt auch Rennräder elektrifizieren. Focus hat gleich drei Prototypen für unterschiedliche Einsatzgebiete vorgestellt. Der E-Motor soll dabei am Berg, beim Antritt und bei der Fahrt im Gelände mit bis zu 400 Watt unterstützen.

Projekt Y steht bei Focus für eine Plattform, die sich mit der elektrischen Zukunft von Fahrrädern beschäftigt. Doch hier entstehen nicht nur Skizzen, sondern fahrbare Prototypen, um mögliche Fehler oder Probleme bei Testfahrten zu erkennen. So haben die Entwickler jetzt drei Varianten mit unterschiedlicher Ausstattung aufgebaut, um zu zeigen, welche Möglichkeiten sich bieten können.

Unterstützung an steilen Anstiegen

Alle Modelle besitzen einen Voll-Carbon-Rahmen mit integriertem Antriebssystem, eine Carbon-Gabel, Scheibenbremsen von Shimano sowie einen E-Motor von Fazua, der im Durchschnitt 250 Watt und in der Spitze bis zu 400 Watt Leistung bringt. Das Gewicht soll unter zwölf Kilogramm liegen, die Fahreigenschaften denen eines herkömmlichen Rennrads entsprechen. Einen Tretwiderstand gibt es den Angaben zufolge nicht. Der E-Motor unterstützt immer nur dann, wenn zusätzliche Leistung benötigt wird, beispielsweise bei steilen Anstiegen am Berg.

Als reine Straßenversion ist der E-Renner unter anderem mit einer Shimano Dura Ace Di2-Schaltung, 22 Gängen und DT Swiss Carbon Custom Carbon-Laufrädern ausgerüstet. Wer mit dem Rad auch mal abseits asphaltierter Wege unterwegs sein will, der kann auf die etwas robustere Variante mit Gepäcktaschen, der Shimano-Schaltung Dura Ace XTR Di2 und widerstandsfähiger Bereifung ausweichen. Das letzte Modell im Prototypen-Trio ist ein reines Geländerad. Die Schaltung ist identisch mit der robusten Variante, jedoch gibt es nur elf Gänge und ein Kettenblatt mit 42 Zähnen vorne. Auf den Carbon-Laufrädern sind Cyclocross-Reifen aufgezogen.

Noch kein Verkauf in Sicht

Noch ist nicht endgültig entschieden, wann und ob die Projekt Y-Prototypen überhaupt in Serie gehen. Derzeit will Focus mit der Vorstellung der Räder vor allem zeigen, was machbar ist. Auf der Website des Herstellers sind Fahrradbegeisterte eingeladen, die Idee zu kommentieren, darüber zu diskutieren oder Vorschläge für weitere Innovationen zu machen.

Dass aus der Idee ein Serienprodukt werden kann, zeigt das ebenfalls unter dem Namen Projekt Y angelaufene Carbon Hardtail mit einem starken E-Antrieb, großer Reichweite und einem Gewicht von 13 Kilogramm. Die wie beim oben beschriebenen Rennrad entwickelte Einheit von Fazua aus Akku (250 Wattstunden) und Motor mit einem Gesamtgewicht von etwas mehr als drei Kilogramm ist im Unterrohr integriert. Ein Getriebe überträgt die Kraft der E-Maschine auf das Kettenblatt. In der Spitze soll die Leistung 400 Watt, im Durchschnitt etwa 250 Watt betragen. An diesem Projekt war das Interesse so groß, dass die Focus-Chefetage die Produktion beschlossen hat.

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