E-Dreirad: Mobil durch die Rente

E-Dreirad: Mobil durch die Rente

Ein 78-Jähriger geht unter die Start-ups: Rolf Huebner entwickelt mit Elfit ein E-Dreirad speziell für Senioren und will diese so mobil machen.

E-Bikes | Von Susanne Frank

In der jugendlich dominierten Start-up-Szene besitzt Rolf Hueber ein fast unschlagbares Alleinstellungsmerkmal (oder auf Start-up-Deutsch: einen Unique Selling Point): Der Münchener Firmengründer zählt 78 Jahre – er ist also mehr als doppelt so alt wie die meisten seiner Kollegen. Doch Hueber bebt genau wie die jugendlichen Kollegen vor Tatendrang. Die Vision des ungewöhnlichen Unternehmers: "Es muss zu einem Umdenkprozess kommen: Weg vom Auto!" Für diesen Traum verzichtet Hueber auf ein geruhsames Rentnerleben, er will vielmehr die Elektromobilität voranbringen. Mit voller Kraft hat er sich deshalb in das Abenteuer Firmengründung gestürzt und ein elektrisches Dreirad entwickelt. Seine Zielgruppe: Zehn Millionen Menschen alleine in Deutschland.

Das Elfit-Pedelec sei für "Leute, die weniger Auto fahren wollen, sich aber auf zwei Rädern unwohl fühlen". So beschreibt Hueber taktvoll die angepeilte Kundschaft. Er könnte auch sagen: Das Elfit zielt auf Senioren, denen das Auto zu unsicher und ein Fahrrad zu wackelig geworden ist. Sie wollen zwar unbedingt weiterhin mobil sein, es fällt ihnen aber immer schwerer. In einer alternden Gesellschaft wächst diese Gruppe möglicherweise schneller als die der jungen, sportlichen Fahrrad-Fans.

Fit und mobil bis ins hohe Alter

In der Beschreibung seiner Erfindung ist der Unternehmer vorsichtig. Schließlich ist es nicht weit zu einer Assoziation, die Hueber unbedingt vermeiden will: "Das Dreirad muss herauskommen aus der Schmuddelecke. Sein Besitzer darf nicht mehr automatisch als 'behindert' gelten", sagt der 78-Jährige. Deshalb hat er ein Fahrzeug mit modernem Design und Elektromotor entwickelt. Mobilität soll auch im Alter nicht nur im Schneckentempo möglich sein. "In der Stadt kommt man mit 20 Kilometern pro Stunde kaum langsamer voran als mit einem Auto", erklärt Hueber die Vorzüge seines elektrischen Dreirads. In seiner Heimatstadt München ist das Fahrzeug als Lastenrad anerkannt und wird von der Verwaltung finanziell gefördert. "Einkäufe, Kindersitz, Rollator: Hat alles hinter dem Sitz Platz."

Den größten Vorteil erhalten seine Kunden aber in Form von Fitness, verspricht der 78-Jährige. Die sei schließlich im Alter besonders wichtig, lasse sich jedoch immer schwerer erreichen. Seine Erfindung hat er bewusst anders als die herkömmlichen Drei- und Liegeräder ausgerichtet. "Die meisten sind ergonomisch ungünstig und können nur wenig zuladen", hat er festgestellt.

30 Kilometer Reichweite

Das Wissen über einen physiologisch sinnvollen Fahrzeugaufbau bringt der Unternehmer aus drei Jahrzehnten Berufserfahrung in der Medizin- und Rehatechnik mit. Sie haben ihn angeregt, ein kippsicheres Rad mit bequemem Einstieg und einer sicheren Lenkung zu entwickeln. In der Kurve stellen sich die Hinterräder schräg, was hohen Fahrkomfort verspricht.

Das funktioniert nur, weil das Elfit ohne Kettenantrieb auskommt. Die Pedale erzeugen ausschließlich Strom, keine mechanische Vorwärtsbewegung. "So kann man auch an der Ampel weitertreten und lädt dabei die Batterie auf", sagt Hueber. Die Reichweite ist nicht eben üppig: 30 Kilometer gibt der Konstrukteur an. Für die Stadt sollte das aber genügen. Der Preis des bei Stuttgart produzierten E-Trike fällt mit 6790 Euro wiederum happig aus. Einen Tipp, wie Senioren diese Summe aufbringen könnten, hat der 78-jährige Erfinder: "Das Auto dagegen eintauschen." Jetzt steht der nächste Schritt für den innovativen Senior an. Er muss Vertriebspartner finden, die seine Erfindung unter die Leute bringen wollen.

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