E-Aktivist: Bäcker Schüren und seine Elektrotransporter

E-Aktivist: Bäcker Schüren und seine Elektrotransporter

Die Bäckerei Schüren sieht aus wie ein Kraftwerk, mit Solar-Dach, Ladesäulen vor dem Haus und großer Batterie. Denn der Bäckermeister hat als einer der ersten auf eine Elektroflotte umgestellt.

Transport | Von Franz W. Rother und Peter Vollmer |

Mühlenbachweg 9 in 40724 Hilden. Wer diese Adresse ansteuert, hat entweder Appetit auf Bio-Vollwert-Hanfbrot, Bio-Pain de Campagne oder ein saftiges Stück Pflaumenkuchen. Oder er braucht Strom, um den Akku seines E-Autos zu laden.

Längst ist die Bäckerei von Roland Schüren, 51, ein Eldorado für Feinschmecker – und der private Ladepark am Autobahnkreuz Hilden ein Wallfahrtsort für Elektromobilisten aus ganz Europa. Den Strom für die 15 Ladeplätze und die Wärme für seine Backöfen produziert Schüren selbst, mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und mit Biomasse.

Der studierte Betriebswirt und Bäckermeister ist Überzeugungstäter: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unser gesamtes Unternehmen aus eigener Kraft CO2-neutral zu betreiben." Da sein Betrieb mitten in einem Wohngebiet liegt, stellt er seinen Azubis und Gesellen Pedelecs und E-Mobile zur Verfügung, um frühmorgens leise und umweltfreundlich zur Backstube zu kommen. Selbstverständlich rollen auch die Lieferwagen elektrisch und mit Erdgas durchs Stadtgebiet.

Selbsthilfegruppe für E-Transporter

2016 begann dann ein neuer Abschnitt im Leben von Schüren: Aus dem Bäcker und E-Aktivitisten wurde der Autoentwickler und Kopf der Selbsthilfegruppe E-Transporter. Nach dem Dieselskandal und wegen überhöhter Stickoxid-Werte in der Luft überlegen immer mehr Großstädte, Dieselfahrzeuge zumindest zeitweise auszusperren. Seitdem häufen sich in Hilden die Anrufe verzweifelter Handwerker.

Schüren ging in die Offensive. Gemeinsam mit Kollegen aus ganz Deutschland entwickelte er ein detailliertes Lastenheft für einen erschwinglichen und alltagstauglichen Lieferwagen mit Elektroantrieb – und forderte 51 Autohersteller und -zulieferer zu Angeboten auf, die Fahrzeuge zu bauen. Der Zuschlag für das Bakery Vehicle 1 ging an die Post-Tochter Streetscooter aus Aachen.

Dafür, dass er seine Bäckerei von allen Seiten aus umgekrempelt hat, bekam Schüren nun den Sonderpreis des Effizienz-Preis NRW. Weil die benötigte Energie zum größten Teil vor Ort gewonnen wird und die ökologisch angebauten Getreide von regionalen Bauern kommen. Solar, Biomasse und Erdwärme liefern heute den Strom für die 1905 gegründeten Bäckerei, die Schüren in vierter Generation leitet. "Der Wirtschaftlichkeits-Booster ist die Photovoltaik-Anlage in Kombination mit Elektromobilität", sagt er.

Die Produktion des BV1 ist bereits angelaufen, in acht Varianten, zu Preisen zwischen 38.950 und 74.490 Euro. Die ersten Fahrzeuge sind bereits ausgeliefert. Schüren reibt sich die Hände: "Wir sind nicht mehr zu stoppen."

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