Diese Stadt zeigt, wie E-Mobilität funktioniert

Diese Stadt zeigt, wie E-Mobilität funktioniert

Bad Neustadt wurde vor sieben Jahren zur Modellstadt für Elektromobilität. Eine Erfolgsgeschichte.

E-Mobilität | Von Angela Schmid

"Vor sieben Jahren galt ich noch als Fantast", sagt Jörg Geier und lacht. Zur Freude hat der Leiter der "Stabsstelle Kreisentwicklung" des Landkreises Rhön-Grabfeld allen Grund. Der Mann mit der sperrigen Berufsbezeichnung hat eine der wichtigsten Metropolregionen für Elektromobilität in Deutschland mit aufgebaut.

Hier, im äußersten Norden von Bayern, wo die ADAC-Grabfeldrallye bislang das wichtigste Mobilitätsereignis war, förderte die Landesregierung 2011 die Initiative "Modellstadt für Elektromobilität Bad Neustadt" (kurz M-E-NES ). Geier hatte ein sogenanntes Technologie-Transfer-Zentrum vorgeschlagen, das zuvor illusorisch gewesen wäre. Heute beschäftigt das TTZ-EMO, ein In-Institut der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, 35 Mitarbeiter.

Es ist nicht die einzige Erfolgsgeschichte in diesem Projekt, bei dem sich Geier zunächst gegen Vorurteile durchsetzen musste. Dabei besitzt er selbst kein E-Auto, aber auch keinen klassischen Verbrenner - "ich habe noch nie ein Auto besessen", sagt er trocken. Nicht wichtig. Zumindest nicht privat – beruflich ist das natürlich anders.

400 Arbeitsplätze durch E-Mobilitäts-Initiative

Gemeinsam mit Ulrich Leber, dem Chef der Stadtwerke Bad Neustadt, setzte Geier auf den Ausbau der Elektromobilität in dem unterfränkischen Landkreis. Nicht aus Idealismus, und schon gar nicht aus Imagegründen: Die Region an der Saale ist Heimat für viele Industrieunternehmen, insbesondere aus dem Bereich der Automobilzulieferer. 400 Arbeitsplätze sind mittlerweile entstanden.

"Wir haben den Anspruch, uns als Standort weiterzuentwickeln", sagen beide. Wie das aussehen kann, zeigt das Technologietransferzentrum. Gemeinsam mit dem Automobilzulieferer Jopp Automotive entwickelte man die PowerBox, ein Smart-Grid-System für Firmen, das europaweit einzigartig ist. Dabei wird die Fahrzeugbatterie genutzt, um Strom-Verbrauchsspitzen im Unternehmen abzusenken.

"Die Modellstadt war keine rein politische Idee, wir haben uns mit den Unternehmen abgestimmt", erklärt Geier. So sei ein engmaschiges Kompetenznetzwerk aus Wissenschaft, Industrie, Handwerk und Bildung entstanden. Und mittlerweile sie die Affinität der Menschen zu Autos ist in der technologisch-geprägten Region deutlich zu spüren.

Dieselskandal sorgt für Interesse an Rhön-Grabfeld

Über die bundesweiten Probleme mit der Elektromobilität kann Geier deshalb nur schmunzeln. Auch durch Rhön-Grabfeld fahren nur 300 E-Autos – aber die Zulassungen sind mittlerweile achtmal so hoch wie im Bundesschnitt. Und viele der Autos seien in Privatbesitz, während andere Modellregionen eher auf Fuhrparks setzen.

"Die Dieselproblematik spielt uns in die Hände", sagt Geier. Es gebe regelmäßig Anfragen aus anderen Kommunen, Besucher aus Japan, Afrika oder China interessieren sich für Entwicklungen der Elektromobilität. Knapp eine Million Euro haben Stadt und Kreis darin bisher investiert - Fördermittel in Höhe von 12,5 Millionen Euro aus dem Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium des Landes konnte Geier dafür einwerben.

Aus seiner Sicht gibt es aber viel zu viele Förderinstrumente, die eigentlich kein Mensch brauche und nicht wirtschaftlich seien - "jeder will sich den elektromobilen Schuh anziehen", kritisiert der Kreismitarbeiter. Dazu gehört für ihn E-Car-Sharing im ländlichen Raum. "Das ist fernab der Realität und grenzt für mich an Geldverschwendung." Vieles in den Modellregionen würde nicht funktionieren und sei auf Dauersubventionen angewiesen. Geier: "Das sind Sachen, die mich aufregen."

Im Fuhrpark des Kreises stehen E-Autos und Verbrenner deshalb auch noch nebeneinander. Wenn der Landrat die 300 Kilometer nach München und zurück fahren muss, greift er noch zu klassischen Variante. Noch. Doch wenn Bad Neustadt eines gezeigt hat, dann dass solche Entwicklungen rasant gehen können.

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