Die Rückkehr der Isetta – als E-Mobil "Microlino"

Die Rückkehr der Isetta – als E-Mobil "Microlino"

Mit dem Microlino versucht eine Unternehmerfamilie in der Schweiz, die Rollermobile aus den Fünfziger Jahren wiederzubeleben. In diesem Jahr werden die ersten Exemplare zu haben sein. Die Knutschkugel soll nicht das einzige Mikroauto bleiben.

Elektroautos | Von Lothar Kuhn

Manchmal bildet Fernsehen ja doch. Und wird sogar zum Geburtshelfer für neue Idee. Als Merlin Ouboter gemeinsam mit seinem Vater Wim und seinem Bruder Oliver eine TV-Dokumentation über eine elektrifizierte Iso Rivolta sah, waren sich die drei einig: Solch ein E-Rollermobil wollten sie auch bauen. Und so eine saubere Alternative zum großen Verbrenner-Auto für staugeplagte Großstädte auf die Räder stellen. 

Heute, wenige Jahre später haben die Drei in Zürich die ersten Vorserienmodelle ihres Microlinos präsentiert, die sich nur in Details vom finalen Modell unterscheiden. Mitte des Jahres soll die Produktion starten. "4600 Reservierungenhaben wir schon eingesammelt", berichtet Merlin Ouboter. 

Die Ouboters müssen sich sputen. Sie sind längst nicht die einzigen und auch nicht die ersten, die in der Kategorie der Microcars ein E-Fahrzeug entwickeln. So hat sich beispielsweise das schwedische Start-up Uniti mit dem deutschen Elektrotechnik-Konzern Siemens verbündet und will 2019 auf den Markt kommen. Und Renault hat längst mit dem Twizy das Segment als einer der ersten Hersteller 2011 wiederbelebt. 

Vier Kästen Bier und ein Tretroller 

„Wir wollten das ideale Fahrzeug für tägliche Fahrten bauen, wie dem Pendeln zur Arbeit oder dem Einkaufen“, formulieren die Ouboters den eigenen Anspruch.Dabei würden im Schnitt 35 Kilometer pro Tag zurückgelegt. Als die Unternehmerfamilie 2015 das Microlino-Projekt startete, definierte sie daher 120 Kilometer als Reichweite. Der Kabinenroller soll das mit einer acht Kilowattstunden (kWh) großen Batterie schaffen. Eine größere mit 14,4 kWh Kapazität ist auch im Angebot, dann kommt das Fahrzeug theoretisch 215 Kilometer weit. Wie realistisch die Werte sind, werden erste Probefahrten zeigen, die ab dem Frühjahr möglich sein sollen.  

Der Microlino ist so kurz, dass er auch quer in eine Parklücke passt. Wenn dann die beiden Insassen nach vorne aussteigen – wie beim Vorbild aus der Nachkriegszeit klappt die große Tür nach vorne auf – stehen sie direkt auf dem Bürgersteig. Das spart Platz, angeblich passen drei der Knutschkugeln nebeneinander in eine Parklücke. Das Spitzentempo von 90 Kilometern pro Stunde reicht für die Stadt und der Kofferraum ist groß genug für vier Kästen Bier. Und einen Tretroller wie die Ouboters betonen. Das Kickboard genannte Gefährt aus Aluminium brachte Wim Ouboter 1999 auf den Markt und landete einen enormen Verkaufserfolg. Noch immer bietet er diese Roller mit den kleinen Rädern an, einige sogar mit Elektrounterstützung. 

Die Einnahmen von damals konnte er in den Microlino stecken. Bauen wird das kugelfischartige Gefährt das italienische Unternehmen Tazzari, das bereits mit dem Kleinwagen Zero Erfahrung in der Elektromobilität gesammelt hat. Den Service sollen die mehr als 70 Bosch-Car-Service-Niederlassungen in der Schweiz übernehmen. Weitere europäische Märkte sollen bald folgen.   

In der Grundversion soll der zweisitzige Microlino 12.000 Euro kosten – ohne Umweltprämie. Es bleibt abzuwarten, wie viele Käufer sein knuffeliges Retrodesign überzeugen wird. Immerhin sind für den E.go Life aus Aachen mit vier Plätzen plus Kofferraum nur knapp 4000 Euro mehr fällig.   

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