Deutsche Lithium-Förderer: "Wir wollen nachhaltig abbauen"

Deutsche Lithium-Förderer: "Wir wollen nachhaltig abbauen"

Das deutsche Unternehmen K-Utec baut die Lithiumförderung in Lateinamerika mit auf – und will mit Solartechnik und deutschem Bergbauwissen einen ökologischen Abbau etablieren. Wie, hat Geschäftsführer Heiner Marx EDISON erklärt.

Rohstoffe | Von Peter Vollmer |

Die Lithiumgewinnung in Lateinamerika ist unter Umweltschützern umstritten. Ein hoher Wasserverbrauch und wenig Beteiligung der Anwohner sind die Hauptkritikpunkte. Das deutsche Unternehmen K-Utec ist seit Längerem im sogenannten Lithiumdreieck zwischen Chile, Bolivien und Argentinien unterwegs, um hiesiges Ingenieurswissen auch in den Lithiumabbau einzubringen.

Nachdem wir bei Edison schon über die Gefahren des Lithiumabbaus berichtet haben, aber auch festgestellt haben, dass die Diskussion wohl mit veralteten Zahlen geführt wird, wollten wir nun mit K-Utec-Vorstand Heiner Marx darüber sprechen, was ein deutscher Ingenieur in den großen Salzwüsten Lateinamerikas überhaupt bewegen kann.

Edison: Herr Marx, an welchen Abschnitten der Lithiumgewinnung ist Ihr Unternehmen beteiligt?
Marx: Wir arbeiten vor allem in den südamerikanischen Salaren, den Salzseen. Wir sind über die Wertschöpfungskette von der Förderung der lithiumhaltigen Sole, ihrer Evaporation und auch der Weiterverarbeitung von Lithium zu Salzen und lithiumhaltigen Verbindungen beteiligt. Am Ende stellen wir aus der finalen Lösung batterietaugliche Lithiumverbindungen her, die an die Hersteller von Kathodenmaterial verkauft werden kann.

Größter Kritikpunkt an der Lithiumgewinnung ist der hohe Wasserverbrauch - Millionen Liter verdunsten täglich, die vorher aus dem Boden gepumpt wurden. Wie begegnen Sie diesem Problem?
Das ist ja erstmal kein Trinkwasser, es sind hochsalinare Lösungen. Und es gibt Salares mit viel Niederschlag. Am Salar de Uyuni gibt es drei Monate Regenzeit, mit einem Wasserüberstand von bis zu einem halben Meter, sodass der Verbrauch bei der Solarevoparation mehr als ausgeglichen wird. Nur bei besonders trockenen Seen wie dem Salar de Atacama wird es problematisch. Dort gibt es wenig Niederschlag, deswegen hat die zuständige Behörde "Corfo" die Abpumprate reglementiert. Damit der Lösungsspiegel im Salar möglichst konstant gehalten wird.

So sieht die Lithiumgewinnung im Salar de Uyuni aus:

Welche Gegenmaßnahmen sind da denkbar?
Nicht nur denkbar, sondern schon umgesetzt werden Leitungen vom Pazifik, der dort rund 100 Kilometer entfernt ist. Diese werden bislang von der Kupferindustrie eingesetzt, die sehr viel Prozesswasser braucht. So ist sie vom Grundwasser unabhängig.

Eine andere Möglichkeit, an der wir derzeit arbeiten, ist der Einsatz von Solarthermie für die nachfolgende Prozess- und Verfahrenstechnik. Wir pumpen die Lösung aus dem Salar, konzentrieren sie über solare Verdampfung und erhalten so kristallisierte Salze, die wir ernten und weiterverarbeiten. Dabei können wir Strom und Prozesswärme mit Solarthermie erzeugen, die im Gegensatz zur Sonne über 24 Stunden gespeichert werden kann und trotzdem klimafreundlich ist, also einen geringen CO2-Fußabdruck hat. Und mit Wärme lässt sich das Wasser schneller verdunsten und auch wieder einfangen. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass wir den umliegenden Dörfern Wasser in Trinkwasserqualität liefern können – das ist bislang nicht selbstverständlich.

Wir versuchen aus unserer regionalen Tradition heraus, alle Lagerstätten nachhaltig zu nutzen. Das ist beim Kalibergbau in Thüringen nicht anders. Auch in Bolivien enthält die Sole Kali- und Magnesiumsalze, die sich etwa als Dünger nutzen lassen. Anlagen, wie sie das US-Unternehmen FMC nutzen, interessieren sich nur für das Lithium. Wir suchen immer den ökologischen Weg. Im Rahmen der Möglichkeiten.

Spüren Sie denn schon das Interesse der deutschen Autobauern an Akkus mit umweltfreundlichem Lithium?
Wenn ein Autobauer ein Elektromobil baut, dann braucht er einen Batteriehersteller. Solange das nicht im selben Unternehmen passiert, braucht er sich aber nicht ums Material kümmern. Es gibt in Deutschland ja auch Unternehmen, die Kathodenmaterial herstellen, BASF macht das etwa. Aber die Zellfertiger beziehen ihr Material auch von außerhalb der EU, etwa in Asien.

Wird sich das ändern?
In Bolivien ist das gut möglich – es ist das erklärte Ziel der Regierung, nicht nur zu fördern, sondern auch in die Zellfertigung einzusteigen. Das setzt entsprechende Rohstoffe voraus – und die können wir produzieren.

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