Der Supermarkt, in dem alle zahlen, was sie wollen

Der Supermarkt, in dem alle zahlen, was sie wollen

In Köln verkaufen Ehrenamtler krummes und unansehnliches Gemüse. Das ist ökologisch sinnvoll und ökonomisch erfolgreich - obwohl es keine Preise gibt.

Ernährung | Von Peter Vollmer

"Es ist eine Schande, welche Ware nicht in den Handel kommt", findet Nicole Klaski. Die 35-Jährige hat in Köln den Supermarkt "The Good Food" eröffnet, der Brot vom Vortag verkauft, Lebensmittel mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum und Gemüse, das nicht der Handelsnorm entspricht. Der Clou: Jeder Kunde zahlt, was er will. Wir haben die Gründerin gefragt, ob sich das für sie rechnet.

Edison: Nicole, wie bist du auf die Idee zu "The Good Food" gekommen?
Nicole Klaski: Ich war verärgert über Lebensmittel und allgemein die Ressourcen, die wir wegschmeißen. Ich habe in Nepal gearbeitet, für eine Nichtregierungsorganisation. Da wird einem bewusst, dass Strom nicht selbstverständlich aus der Dose kommt und Wasser nicht immer aus dem Hahn. Zurück in Deutschland habe ich mich dann ehrenamtlich in der Initiative Foodsharing engagiert und bin so in den Bereich reingerutscht.

Edison: Und jetzt hast du ein Geschäft, in dem du gerettete Lebensmittel anbietest - wie kann man denn Kartoffeln retten?
Klaski: Wir gehen aufs Feld und holen das, was der Landwirt nicht erntet. Denn vieles bleibt liegen, weil es sich nicht verkaufen lässt. Die Landwirte finden das selbst schlecht - deswegen kommt unsere Idee gut an. Anfangs haben wir dieses Gemüse dann aus dem Kofferraum heraus verkauft und uns gefreut, dass es nicht auf den Feldern vergammelt. Und die Kunden von damals haben wir noch heute. Die sind mitgewandert, als wir einen Marktstand hatten, später einen Pop-up-Store und jetzt seit einem Jahr das Ladenlokal.

Edison: Gibt es denn genug Gemüse, das auf den Feldern übrig bleibt?
Klaski: Wir fahren zweimal die Woche raus. Mit etwa 50 ehrenamtlichen Helfern - als einkömmliches Geschäftsmodell taugt Lebensmittelretten leider noch nicht. Aber viele finden die Idee gut, wollen etwas gegen Lebensmittelverschwendung unternehmen. Aber wir wachsen, damit kommen auch richtige Stellen - und obwohl die Kunden zahlen können, was sie wollen, wollen uns viele unterstützen und zahlen am Ende das, was sie auch im Supermarkt bezahlen würden. Manche sogar mehr.

Edison: Vom Kofferraum ins Ladenlokal - wie groß kann The Good Food noch werden?
Klaski: Ich würde künftig gerne auch Catering anbieten. Das ist sinnvoll, weil viele Lebensmittel sehr schnell nach der Ernte - oder der Nicht-Ernte - verarbeitet werden müssen. Und gerade wenn man viel von einer Sorte hat, ist Catering praktischer als ein Geschäft, in dem die Menschen von Allem etwas und nicht von Einem viel kaufen. Dafür suchen wir gerade auch eine vom Gesundheitsamt abgenommene Küche, Ideen nehmen wir gerne entgegen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Print-Ausgabe von EDISON.

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