Der Führerschein auf dem Smartphone

Der Führerschein auf dem Smartphone

Im Kosovo sind die Zeiten des Plastik- oder gar Papierführerscheins vorbei. Bei Verkehrskontrollen zücken Autofahrer jetzt stattdessen das Handy.

Digitalisierung | Von Susanne Frank

Fahrzeugkontrolle – und der Führerschein liegt zu Hause. Das ist lästig und kostet Zeit, denn die Kontrolle zieht sich und der "Lappen" muss nachgereicht werden. Autofahrer im Kosovo brauchen sich darüber keine Gedanken mehr zu machen. Die kleine Balkan-Republik ist weltweit Vorreiter beim Einsatz elektronischer Dokumente. Deshalb müssen die Kosovaren künftig nur noch ihr Handy zücken, wenn die Fahrerlaubnis verlangt wird. Mit technischer Hilfe aus Deutschland ist Kosovo der erste Staat, der im ganzen Land einen mobilen Führerschein eingeführt hat. Das könnte der Ausgangspunkt für weitere elektronische Ausweisdokumente werden.

Denkbar sind nämliche auch der digitale Personalausweis oder die Gesundheitskarte im Smartphone. Eine spezielle Technologie stellt sicher, dass die sensiblen Daten nicht direkt im Handy gespeichert werden. Bei der Überprüfung werden sie lediglich aus einer Datenbank abgerufen.

Kosovos Innenminister Flamur Sefaj lobte bei der Einführung der Innovation deshalb "ein neues Komfort- und Datensicherheitsniveau". Er verwies auf den internationalen Standard für Führerscheine, der ein Höchstmaß an Sicherheit garantiere. Dafür, dass dieser Standard eingehalten wird, ist Veridos zuständig. Veridos ist ein Tochterunternehmen der Technologiefirma und Banknotendruckerei Giesecke & Devrient sowie der Bundesdruckerei. Von dem deutschen Unternehmen stammt die Plattform für den mobilen Führerschein.

Bald auch in anderen Ländern?

Das Kosovo soll dabei erst der Anfang sein. "Wir sprechen auch mit anderen Ländern über die Einführung", sagt eine Sprecherin von Veridos. Bislang gibt es weltweit lediglich einige Pilotprojekte für mobile Führerscheine, flächendeckend im ganzen Land sind sie erstmals auf dem Balkan verfügbar. Zwar ist das Kosovo mit 1,8 Millionen Einwohnern ein überschaubarer Markt. Funktioniert die Technologie aber dort, könnte sie bald auch woanders Schule machen.

Dass der Innenminister so begeistert vom mobilen Führerschein ist, liegt an der eingesetzten Sicherheitstechnologie. Die Daten des Dokuments sind nicht auf dem Handy gespeichert – weder auf dem des Autofahrers, noch auf dem des Polizisten. Will der Beamte die Identität überprüfen, greift er vielmehr über sein Smartphone auf Daten zurück, die in einem Backend-System abgelegt sind. Das soll das Fälschen der Fahrerlaubnis praktisch unmöglich machen.

Bei der Überprüfung wird die App gestartet, dann verbindet der Beamte sein Handy mit dem des Führerschein-Inhabers. Der muss sein Smartphone also nicht einmal aus der Hand geben, alles funktioniert drahtlos und automatisch. Auch andere Behörden und Firmen könnten mit der Technologie die Identität von Menschen überprüfen. Das dürfte besonders in den USA auf Interesse stoßen. Dort dient der Führerschein schließlich als nahezu einziges Ausweisdokument.

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