BMW i3: Die neue Sport-Version im Fahrtest

BMW i3: Die neue Sport-Version im Fahrtest

Im Zuge der ersten großen Modellüberarbeitung ergänzt BMW die i3-Baureihe um eine leistungsgesteigerte S-Version. Wie sinnvoll das ist, haben wir ausprobiert.

Elektroautos | Von Michael Specht

Zugegeben, satter auf der Straße steht er schon, der neue i3 mit dem Zusatzbuchstaben "s". Vier Zentimeter mehr Spurweite und zwei Zentimeter breitere Reifen haben ihm seine Entwickler mit auf dem Weg gegeben. Dazu schwarze Kotflügelverbreiterungen montiert und die Karosserie um zehn Millimeter tiefer gelegt. Ein gängiges Rezept für eine sportliche Erscheinung.

Zweifellos hat sie der BMW i3 nötig. Kein anderes Auto kommt so hochbeinig und schmalspurig daher wie der Karbon-Stromer aus Leipzig. Geschuldet ist dies natürlich einzig und allein der Effizienz. Letzteres haben die Ingenieure zwar immer noch im Sinn, opfern jetzt aber rund 13 Prozent Stromverbrauch. Der i3s benötigt nach der NEFZ-Norm 14,3 kWh pro 100 Kilometer - zuvor waren es 12,6. Einfluss hat das natürlich auch auf den Aktionsradius, er sinkt nach Norm von 312 auf 280 Kilometer. BMW gibt als Alltagsreichweite dennoch weiterhin 200 Kilometer an.

Mehr Reifen, mehr Leistung, mehr Drehmoment

Der höhere Verbrauch ist jedoch nicht allein den breiteren Reifen geschuldet. Dem i3s spendierten die Bayern auch einen stärkeren Motor. Waren es zuvor 125 kW, sind es jetzt 135 kW. Das Drehmoment stieg von 250 auf 270 Newtonmeter und liegt – wie bei Elektromotoren physikalisch üblich – ab der ersten Umdrehung an.

Eine berechtigte Frage wäre: Wozu das Ganze? Schon der normale i3 fährt in seinem Segment leistungsmäßig an der Spitze. Zum Vergleich: Ein e-Golf hat 100, ein Nissan Leaf 110 kW. Auch in Sachen Leistungsentfaltung gibt es am BMW eigentlich nichts zu kritisieren: Ein Tritt aufs Pedal und er schießt nach vorn. Erst-Mitfahrer können es kaum glauben, wie knackig und herrlich linear der i3 beschleunigt. Für jede Alltagssituation ist das mehr als ausreichend.

BMW sieht das anscheinend anders. "Kundenbefragungen haben ergeben, dass sich viele i3-Besitzer mehr Sportlichkeit wünschen und häufig das zu geringe Drehmoment bei Geschwindigkeiten zwischen 80 und 100 km/h bemängelten", sagt Robert Irlinger, Leiter BMW i. Daher kann der Fahrer erstmals im i3 einen Sportmodus aktivieren, der das Ansprechverhalten und die Lenkung etwas "schärfer" stellt. Statt zuvor in 7,3 sprintet der i3 in der s-Version jetzt in 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Den Zwischenspurt von 80 bis 120 km/h erledigt das Viermeter-Auto statt in 5,1 nun in 4,3 Sekunden.

Im normalen täglichen Verkehr ist von dem Tuning nicht wirklich etwas zu spüren - eher schon, dass der i3s insgesamt etwas geschmeidiger abrollt und Kanaldeckel und Querfugen nicht mehr so hölzern wie früher unter die Räder nimmt.

Facelift inklusive

Die optischen Vorgaben für das Facelift, bei BMW intern LCI, Life Cycle Impulse, genannt, lauteten "Breitenbetonung". Wie in der Branche üblich wurde auch beim i3 die Karosserie nicht verändert. Ebenso erhalten blieb – leider - das Türkonzept ohne B-Säule. Diesen Schwachpunkt des Karosseriekonzepts anzugehen, hätten einen dreistelligen Millionenbetrag verschlungen und neue Crash-Tests erfordert.

Peanuts dagegen ist es, bei einem Facelift Anbauteile wie Front- und Heckschürze neu zu gestalten. Wer genau hinschaut, erkennt vorne schlitzförmige anstelle runder Nebelleuchten und hinten eine sogenannte Akzentleiste (Chromspange) unterhalb der Heckklappe. Sie zieht sich über die gesamte Breite. Das stilistische i-Tüpfelchen für die Breitengewinnung dürften wohl die weiter nach außen gewanderten Typenschilder sein. Darauf muss man erst einmal kommen.

Bei so viel Detailverliebtheit hätte sich sicher mancher i3-Besitzer gewünscht, dass BMW es auch endlich schafft, eine Lenkradheizung anzubieten. Fehlanzeige. Und leider unverständlich, zumal dieses im Winter wirklich wichtige Feature in jedem anderen BMW-Modell verfügbar ist (im Einser beispielsweise für 190 €). So werden sich auch im neuen i3 Kunden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kalte Finger holen.

Milderung böte nach einigen Kilometern zwar das Heizgebläse auf höchster Stufe, doch dafür unnötig die zig-fache Energie aus der Batterie zu nehmen und obendrein die Reichweite zu reduzieren, dürfte vielen in ihrem nachhaltigen Denken widerstreben. Abhilfe: Handschuhe anziehen.

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