BMW-Campus: Silicon Valley in Unterschleißheim

BMW-Campus: Silicon Valley in Unterschleißheim

Im neuen BMW-Campus in der Nähe von München arbeiten ab jetzt junge Tüftler mit ungewöhnlichen Methoden am Auto der Zukunft. Wir waren bei der Eröffnung dabei.

Unternehmen | Von Susanne Frank

Das deutsche Silicon Valley ist in Unterschleißheim. Jedenfalls, wenn man Klaus Fröhlich, dem Entwicklungsvorstand von BMW glaubt. In der Gemeinde im nördlichen Landkreis München hat der Autohersteller gerade einen Campus eröffnet, auf dem das Auto der Zukunft entsteht. Das fährt autonom ganz ohne Fahrer. 1800 Experten aus der ganzen Welt arbeiten auf dem nagelneuen High-Tech-Gelände an dieser Aufgabe. Damit sie erfolgreich sind, musste die Truppe allerdings einen großen Abstand zwischen sich und die übrigen BMW-Ingenieure bringen. Neue Gebäude, andere Arbeitsmethoden, völlig neue Themen: Diese Experten werkeln quasi autonom von den übrigen Konzernstrukturen.

Die BMW-Zentrale liegt zwar nur 15 Kilometer Luftlinie entfernt. Die Kollegen in den beiden Standorten trennen dennoch Welten. Auf der einen Seite die alte Welt des Automobils: Motoren mit möglichst viel PS und einem satten Sound. Eigenschaften, mit denen sich die Kunden Prestige und Anerkennung kaufen. Es ist die alte Autowelt, die gerade Stück für Stück verloren geht.

2021 kommt das erste teilautonome Modell von BMW

Sie macht auch bei BMW Platz für das, was auf dem "Autonomous Driving Campus" entsteht: Clevere Fahrzeugkonzepte, die das Leben der Menschen erleichtern sollen. Diese Fahrzeuge sind elektrisch angetrieben und brauchen nicht mehr die ständige Aufmerksamkeit eines Menschen. Ab 2021 soll es bei BMW soweit sein. Dann kommt das erste Modell auf den Markt, das zumindest teilautonom unterwegs ist.

Entwicklungschef Fröhlich verspricht, was der Wagen auf jeden Fall können wird: "Er findet auf der Autobahn mehrere hundert Kilometer ohne Zutun des Fahrers seinen Weg. Der kann sich inzwischen entspannen, statt sich selbst durch den Verkehr zu quälen." Schritt für Schritt soll dieser Wagen immer mehr Aufgaben alleine erledigen – bis der Fahrer einmal zwischen Start und Ziel überhaupt nicht mehr eingreifen muss.

An die Abschaffung des Autofahrers denkt Fröhlich aber nicht. Selbstfahrende Shuttles, wie sie unter anderem Volkswagen plant, soll es von BMW nicht geben. Das passe nicht zu einer Marke, die weiterhin "Freude am Fahren" propagiert, glaubt der Entwicklungschef.

Radikales Umdenken bei autonomen Autos

Stattdessen verspricht der Luxuswagen-Hersteller die Erleichterung des Alltags. Autonomes Fahren findet zunächst zum Beispiel im Parkhaus statt, wo der Wagen seinen Platz alleine findet und den Besitzer auf Knopfdruck wieder abholt. "Sehr angenehm" findet Fröhlich das, etwa wenn er nach dem Einkauf mit vollen Tüten nur noch einsteigen müsse.

Damit ihre Autos dies einmal können, mussten bei BMW viele Menschen radikal umdenken. Auch der Entwicklungschef gehört dazu. "30 Jahre lang habe ich mich hier mit Motoren beschäftigt. Seit drei Jahren mache ich vor allem Tech-Themen", sagt der 58-jährige. Für die neue Zeit genügte es nicht, dass die Mitarbeiter nur ihre Krawatte ablegen. Am autonomen Auto arbeiten schließlich keine Maschinenbau-Ingenieure mit Benzin im Blut und mit dem berüchtigten Gasfuß. In den schicken Campus-Gebäuden sind vielmehr Datenspezialisten beschäftigt, die oft nicht einmal ein eigenes Auto besitzen. Undenkbar ist das in der alten BMW-Welt, Alltag auf dem Campus.

Planen im Zwei-Wochen-Rhythmus

Mit 35 Jahren ist man hier schon in der oberen Altersklasse und die Büros haben mit denen im Entwicklungszentrum auch nicht mehr viel gemeinsam. Agiles Arbeiten, Scrum-Methode, Rückzugsräume und Gruppenarbeit: Diese Experten kennen nichts anderes, sie sind mit der neuen Arbeitswelt aufgewachsen. Hier wird im Zwei-Wochen-Rhythmus gedacht, nicht in Projekten, die vier Jahre dauern. Anders ließe sich die Aufgabe gar nicht bewältigen, das Auto autonom fahren zu lassen. Hier geht es um Künstliche Intelligenz, lernende Maschinen und um Unmengen von Daten.

40 Testwagen sind derzeit täglich unterwegs, um die Software auf den Straßen in und um München zu trainieren. Die dabei angefallene Datenmenge sei schon jetzt so groß wie die im gesamten übrigen Entwicklungszentrum, erzählt Fröhlich. Gewaltige Dimensionen, an die sich viele im Konzern noch gewöhnen müssen.

Was Fröhlich zum autonomen Fahren der Level 4 und 5 sagt, lesen Sie bei uns im Interview:

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