Bill Gates' Milliarden-Wette aufs Klima

Bill Gates' Milliarden-Wette aufs Klima

Investmentfonds gelten als vielversprechendes Mittel zur nachhaltigen Geldanlage. Doch das neuste Projekt von Microsoft-Gründer und Philanthrop Bill Gates macht Investitionen gleich doppelt nachhaltig.

Klima | Von Tobias Finger |

Was würden Sie mit einer Milliarde US-Dollar machen? Neues Auto? Schöner Urlaub? Da wird sich das Klima aber freuen. Den Gedanken dürfte auch Microsoft-Gründer Bill Gates (63) gehabt haben, als er einen Investment-Fonds für das Klima aufgesetzt hat. Und dieser hat nun seine Arbeit aufgenommen.

Der Multi-Milliardär gründete 2015 die Breakthrough Energy Coalition, einen Zusammenschluss von Privatpersonen mit großen Vermögen, die in umweltfreundliche Energie-Start-ups investieren wollten. Aus der Koalition ging ein Jahr später, noch ohne detaillierte Informationen, Breakthrough Energy Ventures (BEV) hervor: ein Investmentfonds, der sich auf Unternehmen spezialisiert, die Treibhausgasemissionen in den Bereichen Elektrizität (sowohl Erzeugung als auch Speicher), Transport, Industrie, Landwirtschaft und Energiesysteme reduzieren wollen. "Wir sind offen für alles, was zu günstiger, sauberer und verlässlicher Energie führt", sagte Gates damals.

Finanziell ausgestattet mit Kapital von Privatpersonen und Unternehmen wurden nun die ersten Investitionen getätigt. Amazon-Chef Jeff Bezos, Alibaba-Gründer Jack Ma, der ehemalige Bürgermeister von New York Michael Bloomberg oder auch der deutsche SAP-Co-Gründer Hasso Plattner zählen neben Gates selbst zu den privaten Investoren. Die Unternehmensseite umfasst Größen verschiedener Branchen wie General Electric, Virgin oder Wells Fargo.

Start mit zehn Unternehmen

Das Portfolio von BEV umfasst aktuell zehn Unternehmen, die auf verschiedene, aber immer innovative Arten und Weisen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen wollen. CarbonCure zum Beispiel injiziert wiederverwertetes Kohlenstoffdioxid in Beton. Der wird dadurch stabiler, während die hohen CO2-Emissionen in der Betonproduktion aufgefangen und deren Kosten gesenkt werden.

Auch Zero Mass Water zählt zum Portfolio von BEV. Das Start-up hat spezielle Solarmodule entwickelt, die mit Photovoltaik Wasser aus der Luft filtern. Dadurch soll die Energie reduziert werden, die für den weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser aufgewandt werden muss.

Ein weiteres Beispiel für die Investitionen von BEV ist Quantumscape, ein Start-up das sich die Entwicklung von Festkörperbatterien zur Aufgabe gemacht hat. Die sollen Elektromobilität auf das nächste Level bringen.

Insgesamt sieht der Plan des auf zwanzig Jahre angelegten Fonds vor, zunächst eine Milliarde US-Dollar für saubere Energie zu investieren. "Unser Ziel ist es, die Unternehmen zu finden, die den größten Einfluss auf eine Beschleunigung der Energiewende haben können, und sie mit all unseren Möglichkeiten zu unterstützen", sagt Guidero. Dabei spielt es keine Rolle, ob es junge Start-ups sind, oder Unternehmen, die wie Carbon Cure schon seit zehn Jahren aktiv sind.

Milliarden-Potenzial bei CO2 wichtig

Während die finanzierten Unternehmen und ihre innovativen Technologien also eine große Bandbreite abdecken, müssen sie doch alle gewisse Kriterien erfüllen, auf die sie in mehreren Runden geprüft werden. Um für ein Investment ausgewählt zu werden, müssen sie das Potenzial haben, die jährlichen Treibhausgasemissionen von etwa 40 Milliarden Tonnen um 500 Millionen Tonnen zu reduzieren. Gleichzeitig sollen die ausgewählten Unternehmen in jenen Bereichen aktiv sein, die bislang von externer Finanzierung eher vernachlässigt wurden.

Außerdem unterliegen die Technologien und ihre Anwendung einer wissenschaftlichen Machbarkeitsprüfung. Dafür stehen Rodi Guidero, CEO von BEV, eine Vielzahl von Forschern und Forscherinnen sowie akademischen Institutionen und Unternehmen zur Seite, die die benötigte Expertise besitzen.

Schließlich werden nur solche Unternehmen ausgewählt, bei denen der Fonds zuversichtlich ist, dass sie nach einer Anschubfinanzierung auch weitere, externe Investoren anziehen. "Wir haben nicht die Ressourcen, die gesamte weltweite Energieherausforderung zu lösen", schreibt BEV auf seiner Website. Tatsächlich veranschlagt die Weltbank 100 Milliarden US-Dollar jährlich, um die weltweite Energiewende herbeizuführen, die den Klimawandel zumindest signifikant verlangsamen würde.

Zumindest teilweise scheint der Ansatz von BEV jedoch bereits Früchte zu tragen. Die Breakthrough Energy Coalition konnte 15 Länder wie Frankreich, Indien oder die USA davon überzeugen, ihre Ausgaben für innovative Energielösungen zu verdoppeln. Und die Unternehmen, die von den Investments bereits profitierten, konnten sich durch mediale Aufmerksamkeit und zusätzliches Kapital sowohl weitere Finanzierung, als auch talentierte Fachkräfte sichern.

Natürlich wird BEV auch die andere Seite der Nachhaltigkeit, die für die Investoren, nicht vernachlässigen. "Unser Ziel ist es, mit unseren Investitionen eine finanzielle Rendite zu generieren", steht dazu auf der Website geschrieben.

Kritik wurde allerdings auch schon daran geäußert, dass die ausgewählten Unternehmen, wenn überhaupt erst langfristig einen Effekt auf die CO2-Emissionen haben würden. Klar ist: In zwanzig Jahren könnte es schon zu spät sein. Ein bisschen Zeit sollte man den Investitionen dennoch einräumen. Zumindest solange, bis der Anschubeffekt sich einstellen und erste Renditen reinvestiert werden können.

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