Bienenstöcke für jedermann

Bienenstöcke für jedermann

Das Bremer Start-up "Bee-Rent" organisiert Patenschaften für Bienenstöcke. Unternehmen können über das Start-up Bienenstöcke plus Imker, die die Stöcke regelmäßig pflegen, mieten. Das Konzept soll auf die Bedeutung von Bienen für unser Ökosystem aufmerksam machen.

Unternehmen | Von Tim Kröplin

Sie summt fröhlich durch die Luft und leistet dabei einen wichtigen Beitrag für unser Ökosystem: Die Biene. Indem sie Pollen von Pflanze zu Pflanze transportiert sorgt sie dafür, dass sich rund 80 Prozent unserer Nutzpflanzen verbreiten können. Was ein Bienenmangel für Auswirkungen haben kann, wird besonders in China deutlich. Dort ist die Bestäubungsleistung mittlerweile so geschrumpft, dass sie vom Menschen per Hand simuliert werden muss - in Deutschland unvorstellbar.

Westliche Bienen leiden zum Beispiel besonders unter der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe. Damit diese nicht zum Tod der Insekten führt, müssen Imker für eine besonders intensive Pflege sorgen. So werden zwar Honigbienen geschont, die Wildbiene geht allerdings leer aus. Mehr Imker könnten jedoch für einen Ausgleich sorgen. Da die Bienenpflege für viele allerdings mehr Hobby als Beruf ist - was unter anderem an dem schlechten Verdienst liegt - müssen ansprechende Angebote her. Diese versucht das Unternehmen "Bee-Rent" zu liefern.

"Wir wollen das Imkern sexy machen", sagt der Bee-Rent-Gründer Dieter Schimanski. Dafür hat er sich überlegt, Unternehmen wie zum Beispiel der Bremer Sparkasse Bienenstöcke zu vermieten. Diese werden darauf von einem Imker 15 Mal im Jahr untersucht und versorgt. Eine Win-win-Situation, da sich deutschlandweit Imker dort bewerben und so mit ihrer Leidenschaft Geld verdienen können. Und die Unternehmen bekommen ihren eigenen Honig als Franchise sowie ein grüneres Image.

Doch am meisten profitiert die Biene. Sie bekommt ein Habitat sowie ausreichend Pflege, um den Gefahren in der Umwelt zu trotzen. "Es ist eine Symbiose, da die Hobbyimker mit ihrer Leidenschaft Geld verdienen und sich dementsprechend besonders gut um die Bienen kümmern", so Schimanski.

Das Konzept hat aber auch seine Schwachstellen. Viele Menschen haben Berührungsängste, wenn es um die Tierchen geht. Alleine der Fakt, dass sie bei Gefahr stechen und so für Allergiker ein gewisses Risiko beherbergen, könnte für Nicht-Imker abschreckend sein.

Diesen Leuten möchte Schimanski Entwarnung geben: "Ich selber bin Bienengiftallergiker, weshalb ich stets einen Schutzanzug sowie meine Notfallspritzen dabeihabe. Darauf weise ich die Kunden hin. Außerdem versuche ich ihnen zu erklären, dass Bienen - anders als Wespen -  kein Interesse an Süßigkeiten oder Grillfleisch haben und ihnen so nicht in die Quere kommen."

Der ausschlaggebende Punkt für die Angst ist laut Schimanski die Verwechslungsgefahr. Menschen werfen Bienen und Wespen gerne durcheinander. "Dabei unterscheiden sie sich äußerlich wesentlich. Die Biene ist zum Beispiel rund und die Wespe dagegen schlank und zudem etwas größer. Außerdem hat die Biene wie auch die Hummel Haare. Die Wespe ist dagegen glatt", erklärt Schimanski.

"Es findet ein Umdenken statt"

Es gibt allerdings auch unbelehrbare, bei denen er auf Granit beißt. So gab es zum Beispiel eine Kita neben einem Bienenstockstandort. Eine Mutter drohte mit einer Klage. Selbst nach langen Diskussionen verlangte sie, dass der Stock entfernt wird. "In solchen Fällen muss man Ruhe bewahren und hoffen, dass sie mit der Zeit ein gewisses Verständnis für die Tiere entwickelt", sagt Schimanski. Trotz mancher Probleme entwickelt sich Bee-Rent gut. 2015 hat es zwei Bienenstöcke an befreundete Unternehmen vermietet, 2017 waren es schon 130 und in diesem Jahr gingen bereits knapp 200 Bestellungen ein. Die Idee bekommt immer mehr Zuspruch. Doch wie steht er zu anderweitigen Engagement für die Biene?

Der Gründer betrachtet zum Beispiel den EU-Beschluss, neonikotinoidhaltigen Pestiziden in der Landwirtschaft zu untersagen, kritisch: "Ich finde es gut, dass wir so viele engagierte Menschen haben, ich bin aber dennoch kein Mensch, der vor Freude springt, sobald bestimmte Pestizide verboten werden. Da wir zum einen manche Gifte in der Landwirtschaft brauchen und zum anderen die Varroamilbe die größte Gefahr für die Biene darstellt, sollten die Behörden gerade dort ansetzen, um etwas zu bewirken."

Aktionen wie die von Lidl oder Aldi mit bienenfreundlichen Produkten begeistern ihn dagegen: "Wenn sich mehr Unternehmen über solche Geschichten definieren, dann machen wir die Welt ein Stückchen besser. Schließlich findet mittlerweile ein Umdenken statt." Bee-Rent sorgt mit seinem Ansatz dafür, dass sich mehr Menschen mit Bienen beschäftigen und so auf ihre Relevanz für unser Leben aufmerksam gemacht wird.

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