Australien setzt auf Wind und Wasserstoff

Australien setzt auf Wind und Wasserstoff

Die ersten Windanlagen in Australien sollen gleich mit einer Wasserstoff-Produktion gekoppelt werden, um den Ökostrom effizient auszunutzen. Bislang war Down Under Kohle angesagt.

Wasserstoff | Von Angela Schmid |

Australien gilt eigentlich nicht als Erneuerbaren-Musterland. Eine starke Kohlelobby verhinderte das bislang. Deshalb wird der Strom überwiegend aus Kohle und Erdöl produziert. Bis 2020 sollen immerhin 33.000 Gigawattstunden (GWh) durch erneuerbaren Energien ersetzt werden – 22,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Neben Sonne setzen die Australier auch auf Wind. Platz gibt es reichlich. Mit 7,7 Millionen Quadratkilometer ist Down Under 200-mal größer als Deutschland.

Australien gehört zu den Ländern mit den weltweit besten Windressourcen. Vor allem an den Küsten ist die Kraft der Natur besonders ausgeprägt. Im Bundesland Queensland, 250 Kilometer nordwestlich von Brisbane, baut GE den bisher größten Windpark in ganz Australien. 123 Windkraftanlagen sollen ab 2019 eine Leistung von 453 Megawatt (MW) erzielen. Kein Vergleich zu den großen europäischen Windparks, aber immerhin Strom für über eine Viertelmillion Haushalte. Finanziert wird der Windpark "Coopers Gap" von dem Powering Australian Renewables Fund, kurz Parf.

Auch Schweizer investieren in die australische Energiewende. Die Partners Group will 700 Millionen australische Dollar in erneuerbare Energien stecken. Unter den Namen "Grassroots Renewable Energy Plattform" werden innerhalb der nächsten vier Jahre über 1,3 GW neue Windkraft-, Solar- und Batteriespeicheranlagen errichtet.

Strom für Wasserstoff

Das erste Projekt, das bis Oktober dieses Jahres fertiggestellt sein soll, ist der 270 MW Sapphire Windpark, der 110.000 australische Haushalte mit Strom versorgt und über 600.000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr ausgleichen wird. Im Anschluss daran wird in der Nähe von Mudgee in New South Wales der 135 MW Crudine Ridge Windpark errichtet, der weitere 400 GWh Strom pro Jahr ins Netz einspeisen soll. Genug, um 55.000 Haushalte zu versorgen.

Statt den Strom einzuspeisen, kann er auch genutzt werden, um grünen Wasserstoff zu erzeugen. In der Nähe von Port Lincoln, im australischen Bundesstaat South Australien, soll eine 30-MW-Wasserelektrolyseanlage entstehen, die mit Strom aus Wind und Sonne Wasserstoff herstellt. Genutzt wird er zum Lastausgleich im nationalen Stromnetz und zur Herstellung von Ammoniak -  50 Tonnen pro Tag sollen produziert werden. Das wäre weltweit das erste umweltfreundliche und CO2-freie Ammoniak, das aus nichts als Wasser, Luft und Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird. Benötigt wird es von der lokalen Landwirtschaft und der Aquakulturindustrie.  

Attilio Pigneri, CEO des australischen Infrastrukturunternehmens Hydrogen Utility (H2U): "Dieses Projekt ist ein wichtiger Meilenstein für Australiens Entwicklung hin zu einer nachhaltigeren Energiezukunft." Es sei ohne Frage ein Vorzeigeprojekt für die wirtschaftliche Erzeugung von grünem Wasserstoff für verschiedenste Märkte und Anwendungen. Der Euphorie von Pigneri zum Trotz ist noch offen, wann die Anlage umgesetzt wird. Im Moment erstellt thyssenkrupp im Auftrag von H2U eine Machbarkeitsstudie, um die Potenziale des Wasserstoffs aufzuzeigen, aber auch die Wirtschaftlichkeit zu ermitteln. Denn am Ende muss sich die umweltfreundliche Tonne Ammoniak am Markt behaupten können.

Neue Märkte für Wasserstoff

Lukas Lüke, Produktmanager für Wasserelektrolyse bei thyssenkrupp, ist davon überzeugt, dass mit einem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energiequellen am Energiemix auch der Bedarf an Technologien zum Lastausgleich sowie zur Speicherung und sektorenübergreifenden Nutzung erneuerbarer Energien wächst – nicht nur für elektrische Anwendungen, sondern auch für Bereiche wie Mobilität, Wärme und Chemie.

Durch den rapiden Rückgang der Kosten für erneuerbare Energien würden inzwischen Preise für Strom erreicht, mit denen ohne politische Unterstützung Wasserstoff zu günstigen Konditionen durch Elektrolyse hergestellt werden könne, so Lüke. "Dadurch entstehen Märkte - die müssten allerdings noch entwickelt werden", so der Produktmanager. Bedarf an grünem Wasserstoff gebe es weltweit.

Thyssenkrupp hat sich auf eine steigende Nachfrage eingestellt und für die alkalische Wasserstoffelektrolyse eine "Zero-Gap"-Technologie, deren Zellen einen Wirkungsgrad von mehr als 82 Prozent erreichen und die großtechnische Produktion von Wasserstoff aus Strom wirtschaftlich attraktiv macht. "Zero-Gap" bedeutet, dass die Elektrolysetechnologie nahezu keine Lücke zwischen Membran und Elektroden aufweist, wodurch der hohe Wirkungsgrad erreicht wird.

Sami Pelkonen, CEO der Business Unit Electrolysis & Polymers Technologies von thyssenkrupp Industrial Solutions: "Mit unserem Wasserelektrolyse-Verfahren haben wir eine für die Energiewende bedeutende Technologie erfolgreich zur Marktreife gebracht."  Damit könne die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch erneuerbarer Energien geschlossen werden. Die Anlage in Australien ist dabei sogar eher klein.  Die Tendenz geht eher zu großen Anlagen von bis zu 100 MW. Für thyssenkrupp ist das kein Problem, sagt Lücke: "Unsere Fertigungskapazität ist so ausgelegt, dass wir bereits jetzt 600 MW jährlich in den Markt bringen können, bei einer Projektlaufzeit unter zwei Jahren."

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