Aufladen beim Einkaufen: Handel setzt auf schnelle Ladesäulen

Aufladen beim Einkaufen: Handel setzt auf schnelle Ladesäulen

Die großen Handelsketten locken immer öfter mit Ladesäulen für ihre Kunden. Jetzt bauen Aldi Süd und Innogy ihr Angebot deutlich aus, sogar mit Schnellladesäulen.

Laden | Von DPA und Sebastian Schaal

Für Elektroauto-Besitzer dürften Fahrten quer durch Deutschland bald etwas einfacher werden. Aldi Süd rüstet 28 Filialen in der Nähe der großen deutschen Autobahnen mit Schnellladesäulen von Innogy aus, an denen die Kunden ihre Fahrzeuge kostenlos aufladen können. Je nach Fahrzeugtyp kann in gut 30 Minuten Strom für eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern geladen werden, verspricht das Unternehmen.

Der Hintergrund: Die großen deutschen Handelsketten haben die Elektromobilität als Thema entdeckt, mit dem sie sich beim Kunden profilieren können. Schließlich sind öffentliche Stromladestationen in Deutschland bislang noch recht dünn gesät, und Schnellladesäulen haben geradezu Seltenheitswert. Das "Handelsblatt" titelte erst kürzlich: "Deutschland ist bei Ladestationen für Elektroautos ein Entwicklungsland".

Immer mehr Händler tragen dazu bei, die Lücken im Netz wenigstens ein bisschen zu schließen. Ikea etwa hat inzwischen zwei Drittel seiner 53 Einrichtungshäuser mit E-Tankstellen ausgestattet. Bis 2019 sollen auch die restlichen Standorte folgen. Besonders an Freitagen und Samstagen werde das Angebot rege genutzt, heißt es beim Unternehmen.

Auch der Lebensmittelhändler Rewe hat an seinen Läden mehr als 50 Ladesäulen eingerichtet. Die Ladenkette Kaufland will bis Anfang 2019 mehr als 100 Schnellladestationen zur Verfügung stellen. Lidl bietet dem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht zufolge an neun Filialen die Möglichkeit, Strom zu tanken. "Unser Ziel ist es, zukünftig jede neu eröffnete Filiale mit einer E-Ladesäule auszustatten", teilt das Unternehmen mit.

Ladesäulen auf großen Parkplätzen werden Pflicht

Das ist nicht nur das Ziel von Lidl, sondern auch der EU: Eine neue EU-Richtlinie sieht vor, dass die Parkplätze von neuen und umfassend renovierten Nichtwohngebäuden mit mehr als zehn Stellplätzen – worunter Supermärkte fallen – künftig mit je einem Ladepunkt für Elektroautos ausgestattet werden müssen. Um flexibel auf technische Weiterentwicklungen reagieren zu können, soll zudem jeder fünfte Stellplatz mit einem Leerrohr versehen werden. Handelsunternehmen können also einiges für den Ausbau der Ladeinfrastruktur machen – doch es gibt noch Stolpersteine.

Noch ist die Umsetzung der EU-Richtlinie nicht bundesweit einheitlich geregelt, kritisiert etwa der Handelsverband Deutschland (HDE). "Uneinheitliche, landesrechtliche Regelungen haben stets negative Auswirkungen auf die Praxis. Im Ergebnis führt das zu erheblichen Kostensteigerungen", so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Denn die Unternehmen müssen sich dann mit mehreren einzelnen Regelungen vertraut machen statt nur mit einer einheitlichen.", so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Darüber hinaus würden die Vorgaben voraussichtlich nicht alle zum gleichen Zeitpunkt in Kraft treten, was zu weiteren Aufwänden für die Unternehmen führt.

Diese Elektroautos gibt es derzeit in Deutschland:

"Für die Unternehmen lohnt sich das Engagement beim Thema Elektromobilität auf jeden Fall. Es stärkt das Image. Die Marke wirkt dadurch jugendlicher und umweltfreundlicher", erklärt der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU die Strategie der Händler. Außerdem lockten die Elektro-Tankstellen eine attraktive, zahlungskräftige Kundengruppe an. Denn nur Wohlhabende könnten bislang die Autos von Tesla und Co. leisten.

Aldi Süd ändert die Strategie – von Großstädten an die Autobahnen

Aldi Süd war einer der Vorreiter bei dieser Entwicklung. Der Discounter begann bereits 2015 mit der Installation der ersten Ladesäulen an Pilotfilialen und verfügt mittlerweile an mehr als 50 Standorten über Elektrotankstellen. Bislang sind das Ladesäulen, an denen mit bis zu 22 Kilowatt (kW) geladen werden kann. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer im Supermarkt von 30 Minuten kann damit Strom für etwa 50 Kilometer getankt werden. Die neuen Ladesäulen bieten da deutlich mehr, sie geben bis zu 50 kW an das E-Auto ab.

Die bisherigen Ladesäulen waren nicht nur langsamer, sondern lagen bislang in aller Regel in oder nahe Großstädten. Im nächsten Schritt will das Unternehmen jetzt ein Angebot entlang der großen Hauptverkehrsrouten durch Deutschland ausrollen und dort 28 Filialen mit Ladesäulen ausrüsten.

"Bisher haben wir uns auf die Ballungszentren und Innenstädte konzentriert. Jetzt ermöglichen wir unseren Kunden auch, ihre Urlaubsfahrten mit uns zu planen", sagte der Leiter Energiemanagement bei Aldi Süd, Florian Kempf, am Mittwoch bei der Eröffnung einer neuen Ladestation im hessischen Seeheim-Jugenheim nahe der A5. Die ausgewählten Filialen liegen nach Unternehmensangaben maximal fünf Minuten Fahrzeit von den Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9 entfernt.

Wer die Autobahnkarten vor Augen hat, bemerkt es sofort: Die Stationen finden sich nur in Süd- und Westdeutschland, dort wo Aldi Süd präsent ist. Denn das Schwesterunternehmen Aldi Nord macht bei der Aktion nicht mit. "Aldi Nord verfügt derzeit über keine Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge", räumte das Unternehmen auf Anfrage ein. Ein Grund dafür sei, dass es noch mehrere verschiedene Ladesysteme gebe, man den Kunden aber gern eine einheitliche Lösung anbieten wolle.

Fakt ist auch: Die Nachfrage scheint noch recht überschaubar. Aldi Süd jedenfalls registriert je Station durchschnittlich gerade einmal "vier bis fünf Ladevorgänge pro Öffnungstag". Mit den neuen, schnelleren Ladesäulen könnte das Angebot jetzt attraktiver werden.

Artikel teilen

Kommentare

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...