Angriff auf Flixbus: Start-up will Reisebus-Branche digitalisieren

Angriff auf Flixbus: Start-up will Reisebus-Branche digitalisieren

Fahrten buchen, Routen planen, Fahrer organisieren: Das Leipziger Start-up Busnetworx hilft kleinen Busunternehmen dabei, ihre Verwaltung zu digitalisieren.

Digitalisierung | Von Susanne Frank

Das Geschäft mit Busreisen wird auf den ersten Blick von Flixbus komplett beherrscht. Dort ist eine Buchung denkbar einfach: Ticket in der App bestellen, vor der Fahrt vorzeigen, fertig. Tatsächlich machen die grünen Flixbus-Fahrzeuge im Linienverkehr aber nur einen Bruchteil aller Reisebusse in Deutschland aus. Mehr als 90 Prozent gehören meist kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die Kegelclubs zum Ausflug oder Urlaubsgruppen in den Süden fahren.

Von der Digitalisierung haben diese Firmen zwar immerhin schon gehört. Oft gehen Bestellungen aber nach wie vor per Fax ein, E-Mails werden ausgedruckt und Auftragszettel mit der Hand ausgefüllt. Während die Kunden also immer digitaler unterwegs sind, arbeiten viele Busunternehmer noch weitgehend analog. Ein Start-up aus Leipzig will den altmodischen Markt jetzt aufrollen.

Die Software von Busnetworx nimmt mittelständischen Busunternehmern alles ab, was nicht direkt mit der Fahrt zu tun hat. Das ist zum Beispiel die Annahme von Aufträgen, ihre Bearbeitung und danach die Zuweisung von Touren an die Fahrer.

Für solche Aufgaben gibt es zwar schon Computer-Programme. "Die stammen aber aus den 90er Jahren", hat Jens Koester festgestellt, einer der Busnetworx-Gründer. Sein System ist cloud-basiert, auf dem neuesten Stand der IT und bietet den Unternehmern maßgeschneiderte Dienstleistungen.

Busfahrer sind schwer zu finden

Es gibt tausende von Busunternehmen, die oft nur wenige Fahrzeuge besitzen. Meist sind das Familienbetriebe, häufig in Händen schon älterer Eigentümer. Viele geben auf, die Zahl der selbständigen Firmen nimmt seit Jahren ab. Die Anzahl der Reisebusse bleibt dennoch unverändert, der Markt konsolidiert also. In diesem Verdrängungswettbewerb kann eine gute Abwicklungs-Software entscheidende Vorteile bringen.

"Viele Firmen finden keine Fahrer mehr, weil Flixbus den Arbeitsmarkt leergefegt hat", sagt Koester. Deshalb müssten die Unternehmer häufig selbst hinter das Lenkrad, da bleibe für die Verwaltung keine Zeit. "Wir beschaffen ihnen über unsere Plattform Aufträge, die sie unterwegs auf dem Tablet bearbeiten können", erklärt der Gründer.

Wenn ein Busunternehmen nicht über die Buchungsplattform gehen will, kann es dennoch viele Services der Software nutzen. "Früher hat es 30 Minuten gedauert, ehe ein Unternehmer nach einer Anfrage ein Angebot an den Kunden schicken konnte. Mit uns ist das in 30 Sekunden möglich – weil wir die Kalkulation automatisieren", sagt Koester.

Anreise für 80.000 Ed-Sheeran-Fans

Wie gut sich Busnetworx im Bus-Gewerbe auskennt müssen die Gründer im Sommer beweisen. Wenn Superstar Ed Sheeran Ende Juli vor 80.000 Menschen in Düsseldorf singt, organisieren Koester und sein Team den Transport der Massen. Aus dem gesamten Ruhrgebiet werden die Besucher mit mehreren Hundert Bussen anreisen. Busnetworx legt die Routen fest, teilt Fahrer ein, kontrolliert den Fahrtverlauf online. "So etwas kann kein mittelständischer Busunternehmer leisten. Wir besitzen jedoch eine lange Erfahrung im Event-Geschäft", sagt Koester.

Der Geschäftszweig mit Veranstaltungen stand ganz am Anfang des Start-ups. Die Jungunternehmer organisierten damals Großevents, für die sie nur mühsam gute Busbetreiber fanden. Die meisten waren aufgrund ihrer altmodischen Prozesse nicht in der Lage, die Aufträge zu stemmen. "Da haben wir erkannt, was die Branche braucht: Eine gute Software", erzählt Koester. Und er gründete gleich selbst eine Firma, die diese Leistung jetzt erfolgreich anbietet.

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