Akasol baut größte Fabrik für E-Bus-Batterien

Akasol baut größte Fabrik für E-Bus-Batterien

Weltweit setzen immer mehr Städte auf Busse mit Elektroantrieb. Eine Firma aus Darmstadt liefert die Batterien.

Öffentlicher Nahverkehr | Von Angela Schmid

14.000 Elektrobusse hat der Hersteller BYD für den Nahverkehr der chinesischen Großstadt Shenzhen gebaut. Eine Mega-Flotte, neben der die ersten Projekte in Deutschland geradezu kümmerlich aussehen. Elektrische PKW, auch elektrische LKW haben zuletzt für Aufsehen gesorgt. Busse kommen hingegen oft zu kurz.

Das könnte sich in den kommenden Jahren jedoch ändern. Laut einer Studie der Union Internationale des Transports Publics soll sich bis 2020 die Zahl der E-Busse in Europas Städten auf über 2500 verdoppeln. Ein Trend, den auch Sven Schulz, Vorsitzender der Akasol-Geschäftsführung, erkannt hat. 

Das Darmstädter Unternehmen befasst sich seit mehr als 25 Jahren mit Batteriesystemen. 2008 setzte Akasol als erster Hersteller auf eine Flüssigkühlung, die die Lebensdauer der Batterien um 30 Prozent steigert. Bislang galt Akasol als Batterieexperte für Bahnen, Boote und schwere Nutzfahrzeuge. Jetzt steigt das Unternehmen auch in den Markt für Elektrobusse ein.

Im hessischen Langen baut Akasol dafür die größte Batteriesystemfabrik für elektrische Nutzfahrzeuge Europas. Die dort produzierte Lithium-Ionen-Neuentwicklung ist mit bis zu 500 kW schnellladefähig, frei skalierbar und mit einer Wasser-Glykol-Kühlung versehen. Hochleistungsbatterien für 3.000 E-Busse will das Unternehmen jährlich herstellen. Das entspricht einer Kapazität von 600 Megawattstunden. "Wir haben die Herausforderungen der Serienproduktion bewältigt und sind auf die Massenfertigung vorbereitet", sagt Sven Schulz.

Chinesische Unternehmen treiben die Entwicklung voran

Zehn Millionen Euro investiert das Unternehmen mit derzeit etwa 100 Beschäftigten in das 3.500 Quadratmeter große Batteriewerk und rüstet sich damit für eine erwartete steigende Nachfrage. Zwei international tätige Bushersteller hat Schulz für seine Batteriesysteme bereits unter Vertrag. Dank dieses dreistelligen Millionenauftrags stattet Akasol in den kommenden Jahren circa 10.000 E-Busse mit der Technik aus Hessen aus.

Für Schulz ist das allerdings erst der Anfang, denn immer mehr Städte rüsten um. Wiesbaden plant, eine E-Busflotte mit 220 Fahrzeugen. Großstädte wie Paris, London oder Hamburg werden ab 2020 nur noch Elektrobusse betreiben, auch Frankfurt will ab 2022 die gesamte Busflotte auf Elektroantrieb umstellen. Der E-Bus-Markt wächst also stetig.

Bei dieser Entwicklung ganz vorne mit dabei: Der eingangs erwähnte chinesische Elektroauto-Spezialist BYD (Build Your Dreams). Das Unternehmen, an dem US-Starinvestor Warren Buffett beteiligt ist, kommt nämlich auch nach Europa, eröffnete bereits im April ein Elektrobus-Werk in Ungarn mit einer Jahreskapazität von 400 Bussen. In diesem Jahr sollen jährlich 200 Elektrobusse in einem weiteren Werk in Frankreich hergestellt werden und zusammen mit Alexander Dennis Ltd. liefert BYD Elektrobusse für Liverpool und London. Außerdem soll laut Manager Magazin noch ein Werk in Marokko folgen.

Kommunen sind noch skeptisch

Deutsche und europäische Hersteller hinken noch hinterher. MAN plant einen E-Bus ab 2019, Daimler will im kommenden Jahr in Serie gehen. Aber bisher zögern die Kommunen noch und das nicht grundlos. Die Reichweite der elektrischen Busse ist geringer als bei jenen mit Dieselantrieb, dafür betragen die Anschaffungskosten mehr als das Doppelte eines Dieselfahrzeugs mit neustem Euro-VI-Motor. Auch an die Verfügbarkeit von 97 Prozent kommen E-Busse mit etwa 80 Prozent nicht ran. Das reicht den Betreibern nicht. 

"Wir müssen in Deutschland endlich aus dem Testbetrieb raus und in die großräumige Anwendung reinkommen", sagt Christian Heep, Vize-Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM). "Andere Länder, insbesondere in Asien, machen uns vor, wie das geht."

Auch industriepolitisch sei das nötig. Rund 20 Prozent der CO2-Emissionen und 38 Prozent der Stickoxid-Emissionen in Deutschland entstammen dem Verkehrssektor. Eine neue Mobilität sei daher nicht Option, sondern die einzige Möglichkeit, die wachsenden globalen Mobilitätsbedürfnisse überhaupt noch zu gewährleisten und gleichzeitig die europäischen Klimaschutzziele einzuhalten, glaubt Hepp. "Noch haben wir in Deutschland und Europa die technologisch führenden Anbieter von Elektrobussen. Aber in China gehen gegenwärtig jede Woche 300 neue E-Busse in Betrieb." Wenn in Deutschland nichts passiert ist es also nur eine Frage der Zeit, bis China vorbeizieht.

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