"aCar": Mit dem E-Auto über die Holperpiste

"aCar": Mit dem E-Auto über die Holperpiste

Ein Start-up aus München baut ein Elektroauto, das ideal für afrikanische Länder ist. Dort soll es das Leben von Bauern, Handwerkern und Händlern erleichtern. Gefragt ist es allerdings erst einmal in Europa.

Elektroautos | Von Susanne Frank

Im Herbst war der kleine Wagen auf der IAA ein Hingucker zwischen all den chromglänzenden Limousinen und Geländewagen. Das E-Auto "aCar" aus München begeisterte viele Besucher der Frankfurter Automobilausstellung gerade dadurch, dass ihm einiges fehlt: Luxus, technische Finesse, Prestige für den Käufer - die sucht man hier vergeblich. Stattdessen bietet das ungewöhnlich designte Fahrzeug das Versprechen einer besseren Welt. Es ist für Afrika gedacht und soll dort die wirtschaftliche Entwicklung voranbringen. Die Idee kommt gut an: Seit der Frankfurter Autoshow stehen die Investoren bei dem Projekt aus München Schlange.

Wir berichteten bereits vor der IAA über das Projekt, doch in der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Beispielsweise steht der Produktionsort nun fest. Das aCar wird in Niederbayern gebaut, in einer Fabrikhalle der Otto Spanner GmbH, einem der Geldgeber von Evum Motors. Diese Ausgründung der Technischen Universität ist das Unternehmen hinter dem aCar. Hinter Evum wiederum stehen die Jungunternehmer Sascha Koberstaedt und Martin Soltes, ehemalige Studenten der TU.

Einfach zu reparieren und günstig

Die beiden hatten auf Reisen festgestellt, dass südlich der Sahara ein völlig anderer Bedarf an Fahrzeugen herrscht als bei uns. Und dass ein sinnvolles Gefährt die Menschen dort wesentlich voranbringen könnte. Jahrelang entwickelten die jungen Ingenieure mit vielen Helfern das Fahrzeug, im vergangenen Sommer wurde der Prototyp in Ghana erfolgreich getestet. Ende nächsten Jahres will das Start-up sein aCar in Serie auf den Markt bringen.

Das Auto könnte in Afrika den Alltag seiner künftigen Eigentümer verbessern. Sie benötigen ein Fahrzeug, um zu überleben: als kleine Bauern, Händler oder Handwerker.

Einen Schönheitspreis wird das aCar zwar wohl nicht bekommen. Eine Auszeichnung für seine Funktionalität hat es aber bereits: den Bayerischen Staatspreis für Elektromobilität. Ausgelegt ist das Gefährt nicht für unser perfekt asphaltiertes Straßennetz. In Afrika gibt es oft keine festen Straßen, keine Werkstatt und wenig Benzin. Deshalb ist das Auto einfach zu reparieren und günstig. Etwa 10.000 Euro wird es in der Basisversion kosten.

Interesse auch aus Deutschland

Das Gefährt ist vor allem robust und praktisch. Das aCar besitzt innen keine Plastikverkleidung, die sofort abfällt, sondern festes Blech. "Die Produktionsweise ist entscheidend für den Erfolg des Projekts", sagt Sascha Koberstaedt. 100 Fahrzeuge sollen ab Ende 2019 in Niederbayern gebaut werden, mit einfachsten Methoden. "Wir verzichten auf teure Werkzeuge, die extra angefertigt werden müssen", sagt Koberstaedt. Bei Evum können die Bleche mit günstigen Hilfsmitteln geschnitten und gebogen werden. In Handarbeit, denn die ist in Afrika im Überfluss vorhanden. Sobald die Pilotanlage in Niederbayern funktioniert, soll sie als Klon in afrikanische Länder verkauft werden. "Wir bauen unsere Fabriken vor Ort exakt so auf, wie wir das bis dahin in Deutschland perfektioniert haben", sagt Koberstaedt.

Das Fahrzeug ist vor allem auf seine praktische Nutzung ausgerichtet. Es kann eine Tonne Gesamtlast transportieren. Das ist wichtig, damit Bauern und Handwerker ihre Produkte zu den Märkten bringen können. Mit 20 kW ist eine Reichweite von etwa 80 Kilometern möglich. Geladen an einer Haushaltssteckdose mit 220 Volt innerhalb von sieben Stunden.

Während sie noch für Afrika planten, merkten die Evum-Akteure überrascht, dass ihr Konzept auch hierzulande auf großes Interesse stößt. "Wir haben schon viele Anfragen von Kommunen, die auf das aCar warten", erzählt Sascha Koberstaedt. Fahrzeuge in dieser Größe für den Winterdienst, städtische Gärtnereien oder die Müllabfuhr gibt es zwar bereits. Allerdings fahren die bislang mit Verbrennungsmotor. Und das wollen viele Gemeinden nicht mehr mitmachen.

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