aCar - ein Elektroauto für Afrika

aCar - ein Elektroauto für Afrika

Forscher der TU München haben einen modularen Transporter für die Subsahara entwickelt. Mit dem Prototyp waren sie bereits vor Ort - auf der IAA wird nun eine neue Version enthüllt.

E-Mobilität | Von Lars-Thorben Niggehoff und Nils Wischmeyer

Staubige Straßen, tiefe Schlaglöcher und zwischendurch springt ein Zebra auf die Straße: In Afrika müssen Autos andere Herausforderungen meistern. Spurhalteassistenten und Schilderkennung sind da zweitrangig. Fragt man Sascha Koberstaedt und Martin Soltes nach dem perfekten Auto für diese Umgebung, dann haben die beiden Forscher von der Fakultät für Maschinenwesen der TU München eine klare Antwort: Das aCar.

Optisch ähnelt dieses perfekte Auto dem Golf Caddy. Ein Führerhaus mit zwei Sitzen und einem Lenkrad, eine Ladefläche, vier Räder: Das ist das aCar. Alles Unwesentliche fehlt. Sogar der Motorenlärm, denn das Fahrzeug fährt praktisch geräuschlos mit Elektroantrieb.

Wenn für die beiden Gründer alles glatt läuft, soll das Elektroauto in Nigeria, Ghana oder Kenia Kranke transportieren oder Maschinen befördern. Und das für gerade einmal 10.000 Euro.

“Der Hauptgedanke ist ein altruistischer”, erklärt Koberstaedt. Und Soltes ergänzt:„Die Leute brauchen Mobilität, um für ihre Rechte zu kämpfen, um Güter zu transportieren, um zum Arzt zu kommen.“

Und das ohne Schnickschnack: Die beiden Erfinder und Konstrukteure haben das Fahrzeug deshalb aCar getauft: “Es heißt so, weil es ‘a Car‚ ist - nur ein Auto”, sagt Soltes. Das Fahrzeug habe nur das Nötigste und sei damit das genaue Gegenteil zu den hochvernetzen und wohl bald autonom fahrenden Luxuskarossen von Tesla & Co.

Doch sie wollen die Autos nicht einfach verschenken. Das aCar soll “Hilfe zur Selbsthilfe” sein. So soll die Produktion komplett vor Ort erfolgen. Eine aCar-Fabrik kann schneller hochgezogen werden als eine herkömmliche Autofabrik. Die Karosserie wird zum Beispiel aus einfachen, biegsamen Materialien hergestellt, man braucht also keine teuren Maschinen anzuschaffen.

Der Elektrotransporter als Open-Source-Projekt

Begonnen hat die Arbeit an dem Projekt vor vier Jahren mit einem weißen Blatt Papier und der Frage: Wie kann die Zukunft der Mobilität in Afrika aussehen? Nach einiger Vor-Ort-Recherche und Gesprächen mit lokalen Partnern erstellten die Wissenschaftler 20 Konzepte. Eines blieb am Ende übrig, das aCar.

Das Besondere am aCar: Das Auto kann mit vielen unterschiedlichen Modulen ausgestattet werden. Statt der Ladefläche könnte zum Beispiel eine mobile Krankenstation oder eine Wasseraufbereitungsanlage an die Schnittstelle kommen. “Wir haben dafür Marktstudien mit NGOs durchgeführt, um herauszufinden, was in Afrika gebraucht wird”, so Koberstaedt.

Der modulare Aufbau soll aus dem aCar ein Open-Source-Projekt machen. Jeder soll neue Module entwickeln können, für welche Nutzung auch immer. Im Idealfall sollte es in ganz Subsahara-Afrika eingesetzt werden können, unabhängig von den äußeren Umständen.

10.000 Euro klingen immer noch nach einer Menge Geld für Afrika. Doch viele Menschen zahlen dort bereits heute 5.000 Euro oder mehr für jahrzehntealte Gebrauchtwagen aus Europa. Und die Preise für die Antriebsbatterien dürften nach Expertenprognosen weiter sinken. Diese machen etwa zwei Drittel des Preises aus.

Auch einen ersten Praxistest hat das aCar bereits überstanden. Im Juli dieses Jahres wurde der Prototyp in Ghana getestet. Das erste Ergebnis: Das Auto hält den örtlichen Bedingungen stand. Auch auf Basis dieser Erkenntnisse haben die Macher jetzt eine neue Version entwickelt. Diese soll auf der IAA enthüllt werden (12. bis 15. September, Stand A11 in Halle 4.1).

Läuft in der Entwicklung weiterhin alles rund, wollen die Gründer ihre Autos 2019 in Serie gehen. 1.000 Fahrzeuge sollen in einer ersten Produktionslinie vom Band gehen. Koberstaedt und Soltes haben dafür eine Firma gegründet, die das aCar zur Marktreife bringen soll. Mit Investoren, so Koberstaedt, sei man bereits in Gesprächen.

Wirtschaftsverband sieht Marktchancen

Christoph Kannengießer, Geschäftsführer des Afrika-Vereins, in dem sich deutsche Unternehmen zusammengeschlossen haben, kann sich den Erfolg des aCars durchaus vorstellen. “Der Markt für Mobilität ist riesig. Ein kostengünstiges Auto hat in einigen Ländern durchaus Potenzial”, sagt er. Denn in Afrika, so Kannengießer, kommen auf 1.000 Menschen etwa 44 Autos, weltweit liegt der Schnitt bei 180 Autos. Wichtig sei, dass das Auto robust und preisgünstig sei - auch, weil der Gebrauchtwagenmarkt in vielen Ländern Afrikas eine bedeutende Rolle spielt.

“Man muss schauen, ob sich dort ein Elektroauto für 10.000 Euro durchsetzen kann”, sagt Kannengießer. Er empfiehlt deshalb, ein passendes Finanzierungsinstrument wie etwa einen Ratenkredit mitzuliefern. Zudem sei die Strom-Infrastruktur in vielen Teilen Afrikas noch nicht allzu weit entwickelt. Man müsse deshalb über dezentrale Infrastrukturen nachdenken. Erste Projekte gebe es in diesem Bereich bereits. “Wenn diese Hürden aus dem Weg geräumt sind, hat so ein Projekt eine Zukunft in Afrika.”

Und auch für die Zeit danach haben die Gründer bereits Pläne: “Das Modell lässt sich leicht in andere Entwicklungsländer übertragen”, sagt Koberstaedt. Und sogar in Europa gäbe es theoretisch Potenzial, zumindest für die Ideen, die hinter dem Projekt stecken: “Wir zeigen damit schließlich auch, dass ein Elektroauto nicht teuer sein muss”.

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