Wie China den Batterie-Markt dominiert

Wie China den Batterie-Markt dominiert

Während sich deutsche Wettbewerber wie Bosch, Daimler und VW auf dem Markt schwertun, plant BYD aus China die größte Batteriefabrik der Welt.

E-Mobilität | Von Angela Schmid |

Build Your Dreams - das Unternehmen mit dem verträumten Firmennamen ist weltweit als Hersteller von Elektrobussen und Autos bekannt. Gerade haben die Chinesen einen Auftrag für 37 Doppeldecker-Elektrobusse für London an Land gezogen. "Elektrofahrzeuge stehen vor einem weiteren Boom", ist BYD-Präsident und Chairman Wang Chuanfu, überzeugt. In China trifft dies auf jeden Fall zu. Im Kampf gegen die Luftverschmutzung in den Großstädten hat die Volksrepublik im vergangenen Jahr den Autoherstellern für den Verkauf von Elektrofahrzeugen eine Quote vorgeschrieben. Ab 2019 liegt sie bei zehn Prozent, 2020 soll sie auf zwölf Prozent steigen.

Die Chinesen schrauben und schweißen jedoch nicht nur die Karosserien zusammen. Sie stellen auch das Herzstück der Fahrzeuge her: Die Batteriezellen. BYD hat den Bau der größten Batteriefabrik der Welt angekündigt. Die asiatische Giga-Fabrik soll in der westchinesischen Provinz Qinghai nahe Tibet entstehen, umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro kosten und über eine jährliche Produktionskapazität von 24 Gigawattstunden (GWh) verfügen. Damit könnten jährlich 1,2 Millionen SUVs des Konzerns mit Akkus ausgestattet werden. Menschen spielen in der Fabrik der Zukunft nur noch eine untergeordnete Rolle: Die Batterien werden von 100 Robotern hergestellt. Für BYD ist es bereits die dritte Fabrik des Konzerns, der seine gesamte Produktionskapazität bis 2020 auf 60 GWh erhöhen will.

Bosch steigt aus der Zellproduktion aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zwar eine "Aufholjagd" Europas bei der Batterieproduktion gegenüber Asien und Amerika gefordert. Wie das funktionieren soll, ist aber noch fraglich. Bosch hat seine Pläne einer Batteriefabrik wieder zu den Akten gelegt. Einen dreistelligen Millionenbetrag wollte der größte Automobilzulieferer Europas in Forschung und Entwicklung investieren - hat sich dann aber wieder umentschieden. Sowohl die Lithium-Ionen- als auch die Festkörper-Zellen-Forschung wird eingestellt. Das Stuttgarter Unternehmen hat das Wettrennen gegen die Hersteller aus Japan, China und Südkorea offenbar aufgegeben.

Dabei ist der Batterie-Markt gewaltig. Experten schätzen das Volumen im Jahr 2025 weltweit auf 250 Milliarden Euro. Einer, der dabei mitmischen will, ist CATL (Contemporary Amperex Technology) - der weltgrößte Hersteller von Batteriezellen im Autobereich. Das chinesische Unternehmen plant für 240 Millionen Euro ein Werk zur Produktion von Batterien für Elektroautos in Erfurt. Erster Abnehmer ist BMW. In den kommenden Jahren wollen die Münchner Zellen im Wert von vier Milliarden Euro von CATL für das elektrische und weitgehend autonom fahrende Modell "iNext" beziehen - allerdings entfallen davon lediglich 1,5 Milliarden Euro auf Deutschland. Zellen im Wert von 2,5 Milliarden Euro bezieht BMW aus China.

Eine Kapazität von 14 GWh sollen in Thüringen gefertigt werden. Auch hier ist die Produktion der Zellen kein Jobwunder. Genau wie bei BYD ist auch das Werk von CATL hochautomatisiert. Lediglich 600 Mitarbeiter sollen neben den Robotern arbeiten. In China betreibt CATL bereits ein Werk mit einer Kapazität von 50 GWh pro Jahr und übertrumpft damit die Produktionsstätte von Tesla in den USA.

Daimler versucht mit den chinesischen Firmen mitzuhalten

Ab 2020 will Elon Musk im Bundesstaat Nevada mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic 35 GWh pro Jahr produzieren. Weltweit will der Amerikaner zehn bis zwölf Fabriken für die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen bauen. Vielleicht auch in Deutschland. Auf Twitter schrieb er, dass ihm ein Standort nahe der französischen Grenze hin zu den Benelux-Staaten sinnvoll erscheine.

Lediglich Daimler hat den Wettbewerb gegen die amerikanische und asiatische Lithium-Ionen-Dominanz noch nicht aufgegeben. Die Stuttgarter Autohersteller investieren rund eine Milliarde Euro in einen globalen Batterie-Produktionsverbund in den USA und China. Ab 2019 werden zudem rund 100 Millionen Euro in Bangkok investiert.

Ein Standort liegt außerdem in Sachsen. Rund 500 Millionen Euro investiert die hundertprozentige Tochter Accumotive in die zweite Fabrik für Lithium-Ionen Batterien. In diesem Jahr soll das Produktionswerk im rund 50 Kilometer von Dresden gelegenen Kamenz in Betrieb genommen werden. Zellen werden hier aber nicht gebaut, sondern lediglich die komplette Batterie montiert. Eingesetzt werden die Energiespeicher im ersten EQ-Serienfahrzeug, das zum Ende der Dekade im Mercedes-Benz Werk Bremen vom Band laufen wird. "Die Automobilindustrie steht vor einer fundamentalen Transformation und wir begreifen uns als treibende Kraft des Wandels", sagt Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars.

VW konzentriert sich auf Batteriesysteme

Auch Volkswagen stellt keine Zellen her. Die Wolfsburger konzentrieren sich wie Daimler auf die Herstellung der Batteriesysteme, die künftig in Braunschweig angesiedelt ist. Bis zu einer halben Million Batteriesysteme sollen jährlich in der niedersächsischen Stadt für ganz Europa gefertigt werden.

Weniger bekannt ist TerraE: Ein Zusammenschluss von 17 Unternehmen und Forschungsinstituten, die eine Großserienfertigung für Lithium-Ionen Batteriezellen mit einer Produktionskapazität von sechs GWh jährlich planen. Wann und wo diese entsteht, ist aber noch offen. Zurzeit werden die Prozesse für eine Groß-Serienfertigung erforscht und entwickelt. Das Projekt mit einem Umfang von 12,1 Millionen Euro wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 5,5 Millionen Euro gefördert.

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