Warum das Projekt "Velogut" den Schornsteinfeger aufs Lastenrad setzt

Warum das Projekt "Velogut" den Schornsteinfeger aufs Lastenrad setzt

Viele Kleintransporter verstopfen die Straßen deutscher Städte. In Berlin will das Projekt "Velogut" Unternehmen ermuntern, ihre Mitarbeiter mit Lastenrädern herumkurven zu lassen, statt mit dem Van im Stau zu stehen.

Fahrrad | Von Marius Hasenheit

Alle wollen nach Berlin. Vom Studenten bis zum Start-up-Gründer: Die Hauptstadt zieht Menschen aus ganz Europa an. Doch nicht nur Berlin, auch andere Großstädte müssen mit immer mehr Einwohnern umgehen - und mit dem dadurch wachsenden Verkehrsaufkommen. Mit den Zuzüglern steigt nicht nur der Individualverkehr, es gibt auch mehr Gewerbetreibende in den Städten und ihm Umland. Die meisten von ihnen setzen auf Kleintransporter, um ihre Aufträge zu erledigen, zum Kunden zu kommen oder Lieferungen auszufahren.

Elektrifizierte Lastenräder können viele dieser Fahrten übernehmen. Das reduziert die Feinstaub-Emissionen und schont die Nerven – schließlich ist es für die wenigsten Autofahrer ein Genuss, sich unter Zeitdruck durch Großstädte zu manövrieren. Das Radeln hingegen macht den Mitarbeitern und ihren Chefs Spaß, sie sind entspannter unterwegs, halten sich fit und werden im Schnitt seltener krank als ihre Kollegen in den Autos.

Um in Berlin den Umstieg von Kleintransporter auf ein Lastenrad zu vereinfachen, stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit 150 Unternehmen 30 Lastenräder zur Erprobung zur Verfügung. In dem Modellprojekt "Velogut – Lasten auf Leihrädern" können sie verschiedene Fahrräder mit unterschiedlichem Aufbau und Antrieb ausprobieren. Die Hälfte der Räder ist elektrifiziert.

180 Kilo einschließlich Fahrer transportiert das Rad

Je nach Anforderung dürfen sich die Unternehmen ein Lastenrad zwischen einem und drei Monaten ausleihen. Da Bäcker, Schornsteinfeger, Personaltrainer und Imkereien nicht nur unterschiedliche Ansprüche an das Rad haben, sondern auch auf ihr Unternehmen aufmerksam machen wollen, wird nicht nur der Aufbau, sondern auch die Optik der Räder angepasst: Das jeweilige Firmenlogo ziert prominent die Lastenräder - meist auffälliger als auf einem durchschnittlichen Transporter.

Die Lastenräder sind nicht nur für kleine Einkäufe oder Auslieferungen geeignet. Immerhin 180 Kilogramm können sie – einschließlich Fahrer -  bewegen. Damit lassen sich selbstverständlich keine großen Lasten transportieren, doch für das Werkzeug eines Handwerkers, die Auslieferung einer Imkerei oder das Verteilen von Tierfutter im Berliner Tierpark reicht es allemal.

Ärzte und Hausmeister treten in die Pedale

Noch wurden die Erfahrungen der Gewerbetreibenden nicht ausgewertet. Nennenswerte Kritik gab es allerdings bisher nicht. Was bereits jetzt deutlich wird: Probieren geht über studieren. Wer bei dem Projekt einmal auf einem E-Lastenrad saß, neigt eher dazu, sich anschließend auch eines zu kaufen, als jemand der sich bloß im Internet über die technischen Details informiert hat. Erstaunlich ist dabei die Bandbreite der Unternehmen, die auf ein Lastenrad umschwenkten: Von einem Tischler über einen Getränkehersteller, Gas- und Wasser-Installateur, bis hin zu diversen Ärzten und Hausmeistern – sie alle radeln nun durch Berlin.

Wer in der Hauptstadt tätig ist und ebenfalls ein Lastenrad ausprobieren will, kann sich auch jetzt noch beim Projekt anmelden. Da bereits einige Berufe ihre "Lastenradtauglichkeit" bewiesen haben, können sich nun auch Pflegedienste, aber auch technische Berufe und Handwerksbetriebe Hoffnung machen, in das Projekt aufgenommen zu werden.

Insgesamt ist das Velogut-Team mit dem Projekt zufrieden. Bisher gab es keine Diebstähle oder Schäden – einzig die Rückgabedisziplin lässt manchmal zu wünschen übrig. Viele Unternehmen wollen das Rad anscheinend gleich behalten.

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