VW und Ford: Allianz für Roboterautos?

VW und Ford: Allianz für Roboterautos?

Einem Bericht zufolge sprechen VW und Ford über eine umfassendere Allianz als bislang bekannt. Diese könnte auch eine gemeinsame Produktion umfassen – und die Entwicklung von autonomen Autos und Elektroautos.

Autonomes Fahren | Von Reuters |

Volkswagen und Ford steuern offenbar auf eine weitaus umfassendere Allianz zu als bisher bekannt. Über die im Sommer angekündigte Kooperation bei leichten Nutzfahrzeugen hinaus loten die beiden Großkonzerne Insidern zufolge inzwischen auch eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von autonomen Autos und batteriegetriebenen Wagen aus. Ziel sei es, die milliardenschweren Kosten beim Umbau zu Mobilitätsanbietern zu teilen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen zu Reuters. "Die Gespräche mit Ford sind weit fortgeschritten und können viele Bereiche umfassen", erläuterte ein VW-Manager am Donnerstag.

Bereits am 16. November solle Volkswagen-Chef Herbert Diess seine Pläne im Aufsichtsrat präsentieren. Das "Handelsblatt" berichtete darüber hinaus, Ford wolle den Wolfsburgern voraussichtlich Zugang zu seiner Motorentechnologie und den Pick-up-Plattformen geben. Im Gegenzug könnte VW seine Elektroplattform MEB für den US-Konzern öffnen.

Ähnlich äußerten sich Insider gegenüber Reuters. Volkswagen denkt offenbar darüber nach, auch anderen Herstellern Zugang zu seinem Modularen Elektrobaukasten (MEB) zu geben. Damit sollen die Stückzahlen über den konzerneigenen Absatz hinaus gesteigert werden, um die Kosten je Fahrzeug zu senken. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass Elektroautos im Vergleich zu Dieselfahrzeugen konkurrenzfähig werden.

Volkswagen fährt einen besonders aggressiven Kurs beim Umsteuern in die Elektromobilität, um die schärferen Vorgaben zur Senkung des Klimagifts Kohlendioxid zu erfüllen. Der weltgrößte Autobauer investiert bis 2022 mehr als 34 Milliarden Euro in neue Elektroautos, autonomes Fahren und die Digitalisierung. Bis 2025 sollen die Konzernmarken nach früheren Angaben mehr als 80 neue Elektromodelle auf den Markt bringen, darunter 50 rein batteriegetriebene Fahrzeuge und 30 Plug-in-Hybride. Um den Bedarf an Batteriezellen zu decken, der mit dem ehrgeizigen Programm verbunden ist, hat Volkswagen weltweit ein Beschaffungsvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro ausgeschrieben. Insidern zufolge bereitet der Konzern zudem den Einstieg in die Produktion von Batteriezellen vor und plant dazu eine milliardenschwere Kooperation mit dem koreanischen Hersteller SK Innovation.

Finanzvorstand Frank Witter hatte bereits deutlich gemacht, dass der Konzern offen für Partnerschaften sei und dies auch für die Entwicklung selbstfahrender Autos gelte. "Es ist kein Geheimnis, dass das eine sehr teure Geschichte ist, das zu entwickeln und dass es schon den ein oder anderen gibt, der weit fortgeschritten ist", sagte Witter am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen des Konzerns. Als Beispiel nannte er die Google-Tochter Waymo, die autonome Autos bereits testet. Insofern mache sich Volkswagen Gedanken, wie man "die Lücke und den zeitlichen Abstand schließen" könne, indem man auf Vorhandenes aufsetze.

Audi verliert an Einfluss

Sollte es zu einer groß angelegten Kooperation mit Ford bei selbstfahrenden Autos kommen, würde die VW-Tochter Audi nach Meinung Unternehmenskennern an Einfluss im Konzern verlieren. Dem Ingolstädter Oberklassehersteller war als Technologieträger vor einigen Jahren die Aufgabe übertragen worden, Roboterautos federführend für den Konzern zu entwickeln. Inzwischen wird in Wolfsburg moniert, dass Audi bei komplett autonom fahrenden Fahrzeugen keine Fortschritte vorweisen könne. "Die haben das nicht hingekriegt", kritisierte ein Insider. Audi selbst pocht auf eine angebliche Zusage von Konzernchef Diess, dass die Marke mit den vier Ringen "technologische Speerspitze" des Konzerns bleiben solle. Es gebe definitiv keine Entscheidung, dass die Verantwortung für das hochautomatisierte und autonome Fahren nach Wolfsburg verlagert werden solle, erklärte ein Sprecher.

Eine andere Person mit Kenntnis der Situation wies darauf hin, dass Audi durch den Dieselskandal "in einer schwierigen Lage" sei. "Die haben eine ganze Menge an Hausaufgaben, um die sie sich vornehmlich kümmern dürfen." Seit der Aufdeckung der Dieselmanipulation vor gut drei Jahren mussten mehrere Entwicklungschefs von Audi ihren Hut nehmen. Ex-Audi-Chef Rupert Stadler saß vier Monate in Untersuchungshaft, weil die Staatsanwaltschaft München ihn verdächtigte, die Ermittlungen zu behindern und Zeugen zu beeinflussen. Stadler selbst hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Am Dienstag teilte das Oberlandesgericht München mit, der Manager komme gegen Kaution frei.

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