Virtual Reality: Autobau in der digitalen Fabrik

Virtual Reality: Autobau in der digitalen Fabrik

In großen Fabriken müssen alle Abläufe auf das Feinste miteinander abgestimmt sein. Das Start-up Innoactive will mit seiner VR-Software dabei helfen.

Digitalisierung | Von Susanne Frank

Wenn in einer Autofabrik ein neues Modell in Planung ist, wird es häufig wieder ganz altmodisch: Da kramen Ingenieure und Logistiker Pappe und Klebeband heraus, um mit ihnen künftige Arbeitsplätze zu simulieren: Wo steht welche Maschine, welche Hilfsmittel sind an welcher Stelle nötig, wie bewegt sich der Monteur in dieser Umgebung? Diese manuelle Tüftelei kostet Zeit und erst ganz am Ende entsteht der Arbeitsplatz dann "in echt".

Das Münchener Start-up Innoactive will die Papp-Basteleien überflüssig machen. Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen werden aufwendige Planungen von Menschen an ganz unterschiedlichen Orten möglich. So entsteht etwa ein virtueller Arbeitsplatz, an dem auch die Monteure ihre neuen Abläufe schon vor dem Ernstfall einüben können. Die Belegschaft trainiert also virtuell in einer Fabrik, die im Extremfall noch gar nicht steht.

Kein Wunder, dass gerade Autohersteller sich für das Thema interessieren. Deren Fabriken gehören zu den kompliziertesten, die es überhaupt gibt. Durch die VR-Technik können Autos und Produktionsstätten schneller entwickelt werden. Und Geschwindigkeit ist genau das, was die Industrie gerade dringend nötig hat. Die Branche ist mitten im Umbruch. Elektroautos und autonome Fahrzeuge sollen möglichst rasch auf den Markt kommen. Gleichzeitig sind Entwicklung und Training der Mitarbeiter besonders aufwendig, da es um völlig neue Technologien geht.

Als einer der ersten Kunden wird Volkswagen in diesem Jahr 10.000 Konzern-Mitarbeiter mit VR-Brillen auf die neuen Zeiten vorbereiten. Der Hersteller aus Wolfsburg will im Jahr 2020 mit der Massenproduktion von E-Autos starten. Dafür muss die Belegschaft nun sehr schnell fit gemacht werden.

Mitarbeiter werden in Firmenanteilen bezahlt

Die Software aus München erlaubt es Ingenieuren auch, sich in einem virtuellen Konferenzraum zu treffen. Die Teilnehmer sind dort in Form von Avataren anwesend und arbeiten gemeinsam an 3D-Modellen von Autos oder Produktionsanlagen. Jeder Fortschritt wird sofort abgespeichert und ist für alle sichtbar. Auch das ist ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Simulationen: Für die Mitarbeiter im Training aktualisiert sich die Umgebung jeweils entsprechend dem Planungsfortschritt. Bislang werden neue Designs meist erst ganz am Ende der Entwicklung in die Trainingsgeräte eingespielt. Bis dahin sind diese womöglich schon wieder veraltet.

Innoactive ist eine Ausgründung der TU München. Gründer Daniel Seidl hatte dort 2012 seinen Master gemacht. Heute beschäftigt seine Firma 30 Mitarbeiter. Der 34-jährige Chef bindet seine Leute am liebsten mit einer Beteiligung an der Firma, denn die hohen Gehälter etablierter High-Tech-Firmen kann er nicht zahlen. Er hofft, dass sich seine Mitarbeiter von den Zukunftsaussichten der Firma überzeugen lassen. Im Idealfall werden ihre Anteile irgendwann deutlich mehr wert sein als heute.

Die Zeiten seien "aufregend", beschreibt Seidl das aktuelle Wachstum. Das liegt vielleicht auch am ungewöhnlichen Geschäftsmodell: Innoactive verschenkt seine Software. "Geld verdienen wir mit dem Service", sagt Seidl. Eine interessierte Firma kann auf diese Weise zuerst einmal testen, ob das Angebot für sie sinnvoll ist. Erst dann vereinbart sie mit Innoactive einen individuellen Service-Plan. Das soll besonders die hart kalkulierenden Einkaufsabteilungen überzeugen. Diese müssen schließlich das Geld erst dann lockermachen, wenn die Vorteile der neuen Software schon in Geldwert belegt werden können. Bei den meisten anderen Programm-Anbietern fallen bereits Lizenzgebühren an, bevor überhaupt eine Ersparnis ist Sicht ist.

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