Trotz Millionen-Verlust: Trendwende bei Tesla?

Trotz Millionen-Verlust: Trendwende bei Tesla?

Die Zahlen für das zweite Quartal sind bei Tesla immer noch tiefrot. Dennoch kann Elon Musk die Investoren wieder überzeugen – doch ganz anders als zuvor.

Unternehmen | Von Sebastian Schaal |

Im Grunde genommen war es wie immer - wenn Tesla Quartalszahlen verkündet, steigt der Umsatz, aber auch der Verlust. Und dennoch sind die Investoren euphorisch. So auch dieses Mal: Im zweiten Quartal musste der Elektroautobauer einen Rekordverlust von 718 Millionen Dollar, umgerechnet rund 615 Millionen Euro, verzeichnen. Im Vorjahr waren es "nur" 336 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg aber überraschend stark um mehr als 40 Prozent, auf nun 4,0 Milliarden Dollar.

Die Euphorie der Investoren – die Aktie legte in der Folge um bis zu elf Prozent zu – begründete sich jedoch nicht in neuen, astronomisch hohen Produktionszielen für den Hoffnungsträger Model 3, sondern genau im Gegenteil. Bei der obligatorischen Telefonkonferenz nach der Vorlage des Quartalsberichts gab Tesla-Chef Elon Musk einen gedämpften Ausblick auf das nächste Quartal – wohl auch einen realistischeren. Bis Ende August soll die Fertigungsrate des Model 3 auf 6000 Autos pro Woche steigen. Ab einer Rate von 7000 Stück meint Musk, dauerhaft profitabel wirtschaften zu können – diese wichtige Schwelle kommt also immer näher.

Im dritten Quartal will Tesla insgesamt 50.000 bis 55.000 Model 3 produzieren. Auf diesen Wert kam das Unternehmen im zweiten Quartal nur mit allen drei Baureihen: Tesla produzierte insgesamt 53.339 Fahrzeuge, ausgeliefert wurden 40.768. Auf das Model 3 entfielen davon nach Unternehmensangaben 18.449 Stück.

Bei Analysten kam das gut an: "Wir mögen den zurückhaltenden Ton im Ausblick des Unternehmens, vor allem, dass unnötige überzogene neue Ziele fehlen", sagte CFRA-Analyst Efraim Levy. "Vielleicht spiegelt das einen vorsichtigeren Elon Musk wieder."

Musk gibt sich demütig

Die Anleger nahmen auch die Art des Auftritts erleichtert zur Kenntnis. Bei der Telefonkonferenz für das erste Quartal hatte der schillernde Tech-Milliardär noch Fragen von Analysten und Journalisten als "trocken", "langweilig" und "nicht cool" abgelehnt. Dieses Mal war Musk merklich um Harmonie bemüht, zeigte sich von seiner höflichen Seite und entschuldigte sich für seinen als arrogant empfundenen Auftritt von vor drei Monaten.

Angesichts der anhaltenden Verluste ist Überzeugungsarbeit bei den Investoren durchaus angebracht. Einer Kapitalerhöhung, über die in Medien aufgrund der enormen Investitionen mehrmals spekuliert wurde, erteilte Musk erneut eine Absage. Tesla beendete das Vierteljahr mit 2,2 Milliarden Dollar an Barmitteln. Der Bilanz des Unternehmens kommen Hunderttausende Model-3-Vorbestellungen zugute, für die Anzahlungen geleistet werden mussten. Teslas Ausgaben übersteigen die Einnahmen zwar weiter deutlich, aber der Abfluss von liquiden Mitteln war nicht so stark wie von Experten befürchtet.

Angesichts etlicher Mammut-Projekte, die sich der Tesla-Chef vorgenommen hat, wären Kapitalerhöhungen indes nicht verwunderlich. So will Musk etwa riesige Batterie- und Autofabriken in Asien und Europa hochziehen. Für das erste ausländische Werk in China will Tesla fünf Milliarden Dollar in die Hand nehmen, wie der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf einen Insider berichtete. Musk sagte in der Telefonkonferenz lediglich, dass die Kosten weniger als halb so hoch sein dürften wie bei der ersten "Gigafactory" in Nevada.

Auch ein Standort in Deutschland steht zur Diskussion. Politiker hierzulande sind bereits vom Tesla-Fieber befallen. Nachdem Musk Deutschland im Juni als "bevorzugte Wahl für Europa" bezeichnete, bringen sich derzeit verschiedene Bundesländer für Tesla-Standorte ins Spiel. Das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bekundeten bereits Interesse, jetzt zog auch Bayern nach. Als möglichen Sitz für ein Tesla-Werk nannte Landeswirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) in der "Süddeutschen Zeitung" die Region Hof in Nordostbayern. Es gebe bereits Kontakte, "der Freistaat bietet für eine Ansiedlung exzellente Voraussetzungen".

Mit Material von dpa.

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