Studie: Klimaziele nur mit E-Autos erreichbar

Studie: Klimaziele nur mit E-Autos erreichbar

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat berechnet, dass in Europa schon in den 20ern keine Verbrenner mehr verkauft werden dürfen, um die Klimaziele zu erreichen. Und selbst das könnte nicht schnell genug sein.

Klima | Von Peter Vollmer |

Kein Klimaschutz ohne alternative Antriebe - zu diesem Schluss kommen Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einer neuen Studie. Ab 2025 dürfte Europa demnach keine reinen Benzin- oder Dieselfahrzeuge mehr zulassen. Und selbst Hybridfahrzeuge müssten in spätestens zehn Jahren abverkauft sein: Ab 2028 dürften nur noch emissionsfreie Fahrzeuge über die Ladentheke rollen.

Klingt radikal. Aber das ist bereits nötig, um "die globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent unter der Marke von 1,5 Grad Celsius zu halten." Hundertprozentige Wahrscheinlichkeiten sind bereits mehr oder weniger utopisch. Und wenn wir ehrlich sind: Auch ein Verkaufsstopp für Verbrennungsmotoren scheint aus deutscher Sicht sehr unwahrscheinlich.

Andererseits: Die Forscher gehen davon aus, dass Verbrenner noch bis in die 40er-Jahre hinein auf den Straßen unterwegs sein werden. Denn - das wird viele besorgte Autofahrer freuen - ihr Modell kommt ohne Verbote aus.

"Mithilfe einer am DLR entwickelten Simulationssoftware können wir beschreiben, wie sich der Automarkt entwickeln muss, um bestimmte Ziele zu erreichen. In unserer aktuellen Studie ist das die Wahrscheinlichkeit, mit der die globale Erwärmung unter der 1,5-Grad-Marke bleibt", erklärt DLR-Forscher Bent van den Adel, der die Studie federführend betreut hat.

Schwieriges 1,5-Grad-Ziel

Warum 1,5 Grad? Nun, das hat die Weltgemeinschaft auf dem Klimagipfel von Paris beschlossen. Allerdings ohne jedem Land ein eigenes Ziel zuzuordnen. Deshalb greift die Politik gerne ein rhetorisches Stilmittel der Industrielobby auf und sagt: Land XY stößt mehr aus - wenn wir nicht ebenfalls mehr ausstoßen, leidet unsere Wirtschaft. (Die SZ hat dazu kürzlich ein aufschlussreiches Lobby-Papier veröffentlicht.)

Deshalb haben die DLR-Experten die jeweiligen Länderanteile (und Verkehrsanteile) selbst berechnet. Sie betrachten zudem nur die Treibhausgas-Emissionen beim Fahren und lassen außen vor, dass auch bei der Stromproduktion für E-Autos oder der Herstellung synthetischer Treibstoffe Treibhausgase entstehen könnten. (Das wiederum hat EDISON an dieser Stelle berechnet.)

Die von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie hat auch ein zweites Szenario berechnet, das den europäischen Staaten einen um 66 Prozent höheren CO2-Ausstoß zugesteht. Die Verkaufsstopp-Jahre für Verbrenner und Hybride wären dann 2030 und 2037. Dafür sinkt die Wahrscheinlichkeit, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, auf 50 Prozent. Beide Szenarien basieren auf Zahlen des Intergovernmental Panel on Climate Change.

Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan sieht in den Ergebnissen der Studie einen "klaren Auftrag" für Verkehrsminister Andreas Scheuer. Der schnelle Umstieg von Diesel und Benzinern auf saubere Antriebe müsse rasch organisiert werden, sagte er. Und Forscher van den Adel ergänzt: "Beide Szenarien machen die zeitliche Brisanz des Themas deutlich und die Notwendigkeit, alle verfügbaren Handlungsoptionen möglichst schnell in Betracht zu ziehen und umzusetzen."

Und die beiden stehen mit ihren Forderungen nicht alleine da: Schon im vergangenen Monat hatte der Think Tank Agora Verkehrswende ebenfalls einen politischen Eingriff in das Verkehrssystem gefordert: Egal, ob die Autofahrer auf die Bahn, E-Autos oder synthetische Kraftstoffe ausweichen würden - die CO2-Emissionen müssten schnell und rapide sinken. Alle Infos zu dieser Studie finden Sie hier:

Mit Material der DPA.

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