Strom tanken ohne App und Karte

Strom tanken ohne App und Karte

Das E-Auto einfach an eine Ladesäule anschließen und ohne Anmeldung losladen. Was bei Tesla schon lange funktioniert, soll bald auch bei anderen Herstellern klappen. Zulieferer ZF schmiedet dafür eine Allianz mit Charge Point.

Laden | Von Manuel Berkel

In Foren für Elektroauto-Besitzer ist es eine beliebte Frage: Welche Plastikkarten braucht man, um an den Ladestationen möglichst vieler Anbieter die Batterien wieder zu befüllen? An den Säulen identifizieren sich die Fahrer mit solchen RFID-Karten oder Apps und dem Scannen eines Codes. Jedem Stromtanken geht die gleiche Prozedur voraus. Ebenso unbequem: Trotz Roaming-Anbietern wie Ladenetz und Plugsurfing verstopfen meist mehrere Karten und Apps die Geldbörsen und Smartphone-Bildschirme der Nutzer. Ab 2018 könnte damit Schluss sein.

Auf der IAA zeigt der Zulieferer ZF Friedrichshafen in diesen Tagen ein Versuchsfahrzeug, das sich an Stromtankstellen automatisch identifizieren kann. Das Einstecken des Ladekabels reicht. Elektronik samt Zähler stecken in einem Bauteil, das die Friedrichshafener Car eWallet nennen. Der Begriff ist der Bitcoin-Sphäre entlehnt, in solchen elektronischen Geldbörsen lassen sich virtuelle Währungen speichern.

Schon 2018 werde das Car eWallet marktreif sein, sagt Projektleiter Alexander Graf gegenüber EDISON. Die Elektronik soll auch in fertig entwickelten E-Autos nachgerüstet werden können. Für das erste Quartal ist zunächst ein Feldtest geplant.

Charge Point ersetzt Innogy

Angekündigt hatte ZF die Entwicklung Anfang 2017, zusammen mit der Schweizer Großbank UBS und dem Innovation Hub des RWE-Ablegers Innogy. Für den Stromkonzern sollte die Machine Economy ein neues Wachstumsfeld sein. Doch inzwischen sind die Essener, die auch einer der größten Betreiber von Ladesäulen in Deutschland sind, nicht mehr dabei. ZF hingegen hängt das Thema nun noch ein paar Nummern höher.

Auf der IAA stellten die Friedrichshafener den Software-Riesen IBM als neuen Entwicklungspartner vor. Für die Ladesäulen sicherte sich ZF eine Kooperation mit dem Start-up Charge Point aus dem Silicon Valley. Die Amerikaner bezeichnen sich mit über 40.000 Ladepunkten inzwischen als größtes Ladenetzwerk der Welt. Ihre Stationen und Abrechnungsdienste verkaufen sie an Supermärkte, Restaurantketten und nicht zuletzt Autokonzerne.

Daimler hat im März 82 Millionen Dollar in Charge Point investiert, auch BMW und Siemens haben sich beteiligt. Mit VW arbeiten die Amerikaner ebenfalls zusammen. Die Autokonzerne brauchen dringend ein attraktives Netzwerk von Ladesäulen, um für ihre Neuentwicklungen Käufer zu finden. Komfortables Laden ohne unterschiedliche Anmeldeverfahren kann dabei ein Verkaufsargument sein. Die Rennschlitten von Tesla identifizieren sich an den selbst entwickelten Superchargern seit jeher automatisch.

Autohersteller werden zu Stromversorgern

Über das eWallet wollen ZF und seine Partner aber nicht nur das Laden vereinfachen, sondern eine ganze Reihe von Zahlungsdiensten und Services rund um vernetzte Fahrzeuge möglich machen. Das Verleihen des Fahrzeugs in Sharing-Modellen etwa oder das Bezahlen von Maut und Parkgebühren. Zur IAA wurde der Stuttgarter Parkhausdienstleister Apcoa als weiterer Partner präsentiert. Mit 1,4 Millionen Stellplätzen bezeichnet sich das Unternehmen als Marktführer in Europa.

Für Automobilkonzerne bieten sich noch weitere Erlösmöglichkeiten, glaubt Niklas Schirmer, Leiter Energiewirtschaft bei Ubitricity. Das Berliner Unternehmen wurde mit einem Kabel bekannt, das den Ladestrom eines Versorgers einem E-Auto auch dann zuordnen kann, wenn es an beliebige Steckdosen angeschlossen wird. Das Unternehmen arbeitet aber daran, das smarte Kabel überflüssig zu machen und die Elektronik wie ZF direkt in den Fahrzeugen unterzubringen.

„Erst mit eigener Abrechnungselektronik wird das Elektroauto selbst Teil der Energiewirtschaft“, sagt Schirmer. So ließe sich beispielsweise die Flexibilität der Batterie vermarkten, indem sie dann lädt, wenn viel Ökostrom im Netz ist. Für die Automobilkonzerne werde es außerdem einfacher, ihren Kunden Stromlieferverträge anzubieten. Schirmer ist überzeugt: „Alle Hersteller suchen die lebenslange Bindung zum Kunden und heute ist überhaupt noch nicht klar, wer zukünftig das Feld besetzt, wenn es um die Stromlieferung fürs Auto geht.“

Hinweis: ZF und Innogy sind Partner von Edison. Dieser Text ist nicht im Rahmen dieser Kooperation, sondern redaktionell unabhängig entstanden. 

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