Starthilfe für Elektroautos: So geht’s

Starthilfe für Elektroautos: So geht’s

Ja, es kann auch mit einem Elektroauto passieren: Man drückt den Start-Knopf und nichts tut sich. Aber funktioniert die Starthilfe auch beim E-Auto?

E-Mobilität | Von Sebastian Schaal |

Sobald die Temperaturen auf null Grad oder tiefer fallen, können nicht nur Glatteis und Schnee zum Problem werden. Kälte killt Autobatterien, so manch Fahrzeug springt nach einer oder mehreren kalten Nächten einfach nicht mehr an. Da hilft nur noch Starthilfe oder der Pannendienst. Aber nicht bei einem Elektroauto, schließlich hat das doch eine große Batterie an Bord – oder?

Das stimmt nur zum Teil. Denn ein Elektroauto hat nicht nur eine Hochvolt-Batterie mit derzeit bis zu 400 Volt, in der der Fahrstrom gespeichert wird. Wie bei jedem Verbrenner-Auto ist in einem E-Auto auch eine 12-Volt-Batterie verbaut. Diese versorgt Systeme wie die Scheinwerfer, Sicherheitssysteme (Warnblinker, Innenraumbeleuchtung, Notruf, …), aber auch die Steuergeräte mit Strom. "Sie dient beim E-Antrieb dazu, die so genannten Hochvolt-Schütze zu schließen", sagt Hermann-Josef Stappen, Diplom-Ingenieur und Technik-Experte bei Porsche. "Diese schalten die Komponenten des Hochvolt-Antriebs zusammen und stellen damit die Fahrbereitschaft her."

Geladen wird sie während der Fahrt von der Hochvolt-Batterie, sie kann aber im Stand leergezogen werden – etwa, weil der Fahrer die Beleuchtung im Innenraum angelassen hat. Oder eben bei der Kälte. Wenn die Starterbatterie leer ist, geht auch beim E-Auto nichts.

Aber wie bekomme ich das liegen gebliebene Elektroauto wieder in Gang? "Wenn es tatsächlich nur um Starthilfe geht und nicht um eine leere Hochvolt-Fahrbatterie, kann man das Auto überbrücken", sagt Stappen. "Man kann tatsächlich wie bei einem konventionellen Auto mit Verbrennungsmotor ein Überbrückungs-Kabel anschließen und Starthilfe geben."

"Bei den 12-Volt-Bordnetzbatterien der Elektrofahrzeuge besteht kein Unterschied zu den konventionellen Fahrzeugen", sagt auch Marcus Schulte, Experte für Werkstattqualität bei der ADAC SE. Zugleich weist er darauf hin: "Selbstverständlich müssen bei der Starthilfe die Hinweise des jeweiligen Herstellers beachtet werden. Dies betrifft auch das Fahrzeug welches Starthilfe gibt."

Anders sieht es aus, wenn die 12-Volt-Batterie nicht entladen, sondern defekt ist. Zwar ist es möglich, selbst die Batterie zu tauschen, aber nicht empfehlenswert. "Der Austausch sollte aufgrund von Fehlermeldungen in einer Fachwerkstatt stattfinden", so ein Sprecher des TÜV Rheinland.

Kann ein Elektroauto Starthilfe geben?

Sollte wirklich die große Hochvolt-Batterie entladen sein, ist es ähnlich wie bei einem leeren Tank: Hier hilft nur noch das Abschleppen, nur eben zur nächsten Ladestation. Dort kann man das Auto anschließen und laden. Elektroautos entladen die Hochvolt-Batterie nie vollständig, sondern lassen einige Kilowattstunden im Speicher, die der Antrieb nicht abrufen kann – so werden die Zellen vor Schäden durch eine Tiefenentladung geschützt. Sollte der Ladevorgang dennoch nicht starten, muss der Fachmann gerufen werden.

Wie sieht es aber aus, wenn ich mit meinem Elektroauto einem liegen gebliebenen Verbrenner Starthilfe geben möchte? Grundsätzlich geht das, sagen die Experten des ADAC e.V., allerdings mit einer praktischen Einschränkung: "Die 12-Volt-Batterien eines Elektroautos sind im Regelfall kleiner und können keine so hohen Ströme abgeben wie Batterien aus Verbrennerfahrzeugen", schreiben die Pannenhelfer. "Insbesondere Starthilfe für große Motoren oder Diesel könnte gegebenenfalls je nach Batteriezustand des Empfängerfahrzeuges schwierig werden." Es sei stets die Bedienungsanleitung des Fahrzeuges ausschlaggebend.

Die geringeren Ströme einer 12-Volt-Batterie im Elektroauto sind einfach erklärt: Beim "Anlassen" müssen lediglich die Steuergeräte hochgefahren und die Hochvolt-Schütze geschlossen werden – und kein großer V6-Diesel innerhalb weniger Sekunden vorgeglüht werden. Das heißt aber auch, dass sie bei der Starthilfe in der Regel nur einen geringen Input von außen benötigen. So können auch mobile Starterbatterien (auch Starthilfe-Booster genannt) eine Option werden.

Solche Geräte funktionieren grundsätzlich bei jedem Auto. Jene Exemplare, die auch einen großen Diesel bei tiefentladener Batterie starten können, sind aber meist so groß und schwer, dass sie nicht gerade mobil sind. Bei E-Autos reichen auch kleinere Varianten, die ins Handschuhfach oder wenn vorhanden den Frunk passen.

Aber auch hier ist Vorsicht beziehungsweise Rücksicht geboten: Kälte killt nicht nur Autobatterien, sondern auch die Akkus in den Starthilfe-Boostern. Zwar versprechen die Hersteller, dass die Geräte bei Temperaturen von bis zu -18 Grad funktionieren. In einem Test des ADAC aus dem Jahr 2016 hat aber keines der Geräte die Herstellerangaben bei so tiefen Temperaturen erfüllt. Sprich: Wenn die Starthilfe-Batterie auch im kalten Auto gelagert wird, kann sie ebenso versagen wie die 12-Volt-Batterie im Auto. Also lieber zu Hause im Keller oder der Wohnung lagern.

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