Smarte Lampe: Laden an der Straßenlaterne

Smarte Lampe: Laden an der Straßenlaterne

Noch fehlt es an Ladestationen für E-Autos. Warum also nicht die Stromanschlüsse von Straßenlaternen anzapfen? Ein Berliner Unternehmen rüstet bereits ganze Stadtteile mit Ladelampen aus - in London. In Aachen feilen die Stadtwerke noch an einem Pilotprojekt.

Laden | Von Angela Schmid

Einfach an den Straßenrand fahren, aussteigen, Kabel rausholen und in eine Straßenlaterne einstöpseln. So einfach könnte das Aufladen von Elektroauto sein. Straßenlampen sind als Ladestationen eigentlich ideal. Sie bieten auch Autofahrern ohne Garage und eigene Steckdose fürs Auto die Möglichkeit, auf einen Stromer umzusteigen. Bisher fristen Laternen als Ladepunkt allerdings ein Nischendasein. Kaum eine Stadt investiert in die Technologie. In Aachen soll sich das mit einem Pilotprojekt jetzt ändern.

Die Test-Ladelampe steht am Aachener Blücherplatz und hat eine Leistung von 11 Kilowatt. Eine Stunde dauert es, ein E-Auto mit Energie für 100 Kilometer Fahrstrecke aufzuladen. Schnell ist das nicht. Die Leistung üblicher Ladestationen ist mit 22 Kilowatt doppelt so hoch, Schnellladestationen haben sogar 53 und mehr Kilowatt Leistung. Bezahlen kann der Kunde an der Lampe mit einer Ladekarte der Aachener Stadtwerke STAWAG oder des Stadtwerkeverbunds Ladenetz. "Die Technologie lässt sich relativ kostengünstig im Vergleich zu anderer Ladeinfrastruktur realisieren", erklärt Eva Wußing, Sprecherin von STAWAG, den Vorteil.

Ausschließlich grüner Strom aus der Lampe

Das Umrüsten zur Ladestation funktioniert aber nicht bei jeder Straßenleuchte. Sie muss digital steuerbar und flexibel schaltbar sein, damit sie auch tagsüber Strom für den Ladevorgang abgeben. Außerdem muss ausreichend Netzkapazität vorhanden sein und die Lampe direkt an einem Parkplatz liegen, damit Elektroautobesitzer dort auch eine Stunde stehen können.

Der städtische Energieversorger betreibt ein Ladenetz mit 32 Ladesäulen und über 60 Ladepunkten. Bis Ende des nächsten Jahres sollen 13 weitere Ladesäulen dazukommen. „Damit der ökologische Vorteil der Elektromobilität voll zum Tragen kommt, liefern wir an unseren Ladesäulen ausschließlich grünen Strom“, sagt STAWAG-Vorstand Peter Asmuth.

Aachen hat die Elektromobilität schon lange im Fokus. Die Forschungsprojekte der Stadt reichen von Batterietechnik und moderner Netzinfrastruktur bis hin zur Entwicklung und Produktion von E-PKW und elektrischen Nutzfahrzeugen. Außerdem testet der öffentliche Personennahverkehr E-Busse.

Berliner Start-up rüstet Londons Lampen um

Vorgemacht hat das Laden an der Straßenleuchte das Berliner Unternehmen Ubitricity. Die Firma baut schon seit Jahren Straßenlaternen um und entwickelte dafür ein smartes Kabel, über das gleichzeitig geladen und abgerechnet wird. Es schaltet Ladevorgänge automatisch frei, erfasst die Verbrauchsdaten fahrzeuggenau und sendet diese zur Abrechnung an eine Datenplattform. Basis hierfür ist ein Stromvertrag, der für das Kabel abgeschlossen wird.

Bisher war das Interesse noch noch gering. Jetzt hat das 2008 gegründete Unternehmen allerdings einen Großauftrag erhalten: In sechs Londoner Stadtteile soll es die Laternen umrüsten und so 2000 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge schaffen. Die Metropole will damit gegen die starke Luftverschmutzung vorgehen. 18 Millionen Pfund plant London auszugeben, um die Elektromobilität in der britischen Hauptstadt voranzubringen und damit Schadstoffe zu verringern. Großbritannien will ab 2040 sogar den Verkauf von Dieselfahrzeugen und Benzinern komplett verbieten - bis 2050 sollen sie alle von den britischen Straßen verschwunden sein.

Siemens zeigt Interesse

Die Installation der Ubitricity-Technik in die Straßenlampe soll nur 30 Minuten dauern und gut 1000 Euro kosten, weil ein Teil der Technik, die üblicherweise in Ladesäulen eingebaut ist, bereits im Ladekabel integriert ist. Das Kabel muss der Autobauer allerdings erst kaufen. Über den integrierten mobilen Stromzähler können Ladevorgänge gezielt gesteuert werden, um Fahrzeuge je nach Auslastung der Stromnetze zu laden. In Zukunft soll diese Technologie dazu beitragen, Elektrofahrzeuge als steuerbare Speicher in das Smart Grid, die klugen Energienetze der Zukunft, zu integrieren. Geladen wird aber auch bei Ubitricitiy im Schneckentempo. Nur 4,6 bis maximal elf Kilowatt gibt die Lade-Lampe her. "Das ist für uns nicht dramatisch – die meisten Autos können nicht schneller laden", erklärt Pressesprecherin Alexa Thiele.

Interesse am Laden an der Lampe zeigt auch  der Elektrokonzern Siemens, der mit einer Minderheitsbeteiligung bei Ubitricity eingestiegen ist, um gemeinsam neue Produkte und Geschäftsmodelle für Smart Cities, Flottenbetreiber, Parkhäuser und die Immobilienwirtschaft zu entwickeln. "Die komplementäre Ubitricity-Technologie hat uns überzeugt", so Moritz Ingerfeld, Leiter Business Development eCharging bei Siemens Energy Management. Sie nutze gezielt die Digitalisierung im Energiebereich und ermögliche neue Geschäftsmodelle im Zukunftsmarkt der Energiedienstleistungen für die Elektromobilität. 

Die Lade-Lampe als Teil der vernetzten Stadt

Der Karlsruher Energieversorger EnBW geht noch einen Schritt weiter als Ubitricity: EnBW hat die Straßenleuchte nicht nur zur Ladestation umgerüstet. Sie ist auch noch mit etlichen Sensoren zum Erfassen der Staubbelastung, Temperatur, Luftfeuchte und von Lärm sowie mit WLAN ausgestattet und wurde jetzt vom VDE-Institut zertifiziert.  Die Daten lassen sich aufzeichnen und automatisch übers Internet direkt ins Rathaus versenden, wo sie beispielsweise zur Kontrolle der Feinstaubbelastung dienen. Smart City Light (oder "Smight") nennt EnBW das Konzept einer vernetzten Straßeninfrastruktur. Ein erster Baustein, mit dem der Energieversorger bisher getrennte Bereiche städtischer und kommunaler Infrastruktur wie Verkehr, Umwelt, Energie vernetzen und steuerbar machen will. 

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