Renault Zoe: in Frankreich verschollen

Renault Zoe: in Frankreich verschollen

Eine neue Batteriegeneration sollte die Reichweite der Renault Zoe erhöhen - und machte erst einmal Ärger: Bei Tausenden Exemplaren des Typs Z.E. 40 musste inzwischen der Akku in einer mehrmonatigen Aktion repariert werden. Die Batteriemiete lief derweil weiter.

Elektroautos | Von Franz W. Rother |

Kurt Enzingmüller aus Ansbach in der Nähe von Nürnberg ist 80 Jahre alt, fährt aber immer noch begeistert Auto. Elektroauto. Noch genauer gesagt: eine Renault Zoe. "Es fährt sich so herrlich einfach und leise und passt perfekt zu uns", erzählt er. Zwei Jahre lang bewegte das Ehepaar Enzigmüller ihren Zoe Z.E. 40 Intense problemlos durch die Oberpfalz, zum Einkaufen, auf Ausflügen in die Umgebung oder zu Arztbesuchen in der Stadt.

Doch dann begannen die Probleme. Der Bordcomputer warf Fehlermeldungen aus, Warnleuchten gingen an. Eines Tages ließ sich der Akku nicht mehr laden und die Bremsen weigerten sich, die Energie beim Bremsen zu rekuperieren. Also ab in die Werkstatt. Das war im Januar. Enzingmüller bekam von seinem Händler sofort ein Ersatzfahrzeug vom Typ Renault Clio gestellt - aber hat seine Zoe seitdem nicht mehr wiedergesehen.

Keine Spur vom eigenen Auto

"Die Reparatur kann etwas dauern", hatte ihn sein Händler noch gewarnt. Dass aber nach mehr als neun Wochen noch immer nicht klar sein würde, wann das Auto wieder fahrbereit sein würde, war da auch dem Händler noch nicht klar. Von Enzingmüller ganz zu schweigen, der sich aufgrund einer Verletzung des linken Fußes wochenlang mit dem handgeschalteten Auto im Kurzstreckenverkehr plagen musste. So sehr, dass er einen Physiotherapeuten benötigte.

Obendrein bekam er hämische Bemerkungen von seinen Nachbarn zu hören. Und, als wäre das nicht schon genug, ärgerte er sich über die hohen Kosten für den Sprit, mit dem er den Leih-Clio auf Trab halten durfte. Die Miete für den Akku der verschollenen Zoe wurde derweil weiterhin in voller Höhe vom Girokonto abgebucht - von der Renault Bank, dem Vertragspartner für den Leih-Akku.

Ganz schön ärgerlich. Trösten kann sich Enzingmüller allenfalls damit, dass er kein Einzelfall ist. Europaweit waren bislang rund 7600 Besitzer einer Zoe Z.E. 40 betroffen. Schuld ist der Akku im Fahrzeugboden, bei dem der Zulieferer LG Chem anfangs Probleme mit den 192 Hochleistungs-Zellen hatte. Um eine größere Reichweite zu erzielen, wurde die Kapazität der Batterie zum Jahreswechsel 2016/2017 von 19 auf 41 Kilowattstunden erhöht, ohne den Platzbedarf zu verändern.

Neuwagen sollen nicht mehr betroffen sein

Die Zellen wurden einfach dichter gepackt, was anfangs einige Probleme aufwarf, wie eine Sprecherin von Renault Deutschland auf Anfrage von EDISON bestätigt. "Die Probleme sind inzwischen jedoch behoben." Heißt: Bei Fahrzeugen, die aktuell ausgeliefert werden, sollten die Probleme nicht mehr auftauchen. Dafür sind noch jede Menge Fahrzeuge aus der ersten Serie auf den Markt, bei denen die Probleme noch nicht aufgetreten sind - der Zoe Z.E. 40 ist das meistverkaufte Elektroauto in Europa und auch in Deutschland sehr populär.

Und eine Reparatur eines defekten Akkus - bei dem möglicherweise auch nur eine Zelle nicht mehr die Spannung hält - ist zeitaufwändig. Denn sie wird nicht in einem deutschen Servicebetrieb ausgeführt, sondern im fränzösischen Flins, dort, wo der Renault Zoe Seit' an Seit' mit dem Clio produziert wird. "Die Reparaturzeit beträgt 70 bis 90 Tage, einschließlich aller Prüfungen", so die Auskunft von Renault Deutschland. Dass das komplette Batteriemodul dabei ausgetauscht wird, wie in einigen Foren behauptet, ist allerdings eine Mär: "Die Batterien werden repariert" - und sollen anschließend wieder problemlos arbeiten.

Enzingmüller ist gespannt. Nach den Angaben von Renault müsste er rein rechnerisch seinen Zoe irgendwann Anfang Mai wiedersehen. Puh. Immerhin aber fährt er inzwischen wieder elektrisch: Sein Händler hat den Clio wegen der Beinbeschwerden seines Kunden vergangene Woche endlich gegen eine Zoe aus dem Bestand seiner Vorführwagen getauscht. Zumindest die Benzinrechnungen kann sich der Rentner jetzt wieder sparen.

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