PPA: So verdienen Windanlagen künftig Geld

PPA: So verdienen Windanlagen künftig Geld

Die Förderung für Windanlagen läuft aus – mit sogenannten Power Purchase Agreements lohnt sich der Weiterbetrieb. Die ersten Unternehmen wollen Windstrom direkt vom Hersteller beziehen. Eine Studie bescheinigt dem Markt nun großes Potenzial.

Windenergie | Von Angela Schmid |

Die Goldgräberstimmung in der Windbranche nähert sich langsam dem Ende. In zwei Jahren läuft für Windenergieanlagen (kurz WEA) der ersten Stunde der lukrative Geldsegen aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (kurz EEG) aus. 20 Jahre gibt es eine sichere Förderung vom Staat. Dann müssen Windkraftbetreiber alleine am Strommarkt überleben. Laut einer Studie des Bundesverbandes Windenergie erhalten ab 2021 etwa 6000 Anlagen mit einer Leistung von gut 4000 Megawatt (MW) keine EEG-Zuschüsse mehr. Bis zum Jahr 2025 kommen jährlich 2400 MW hinzu.

Eine Möglichkeit, die Anlagen weiter betreiben zu können, sind sogenannte Power Purchase Agreements (PPA). Vor dem Hintergrund der auslaufenden EEG-Förderung gewinnen diese Verträge zunehmend an Bedeutung. Bei einem Power Purchase Agreement einigen sich Windanlagenbetreiber und Stromabnehmer auf einen Festpreis, der beiden Seiten langfristig Planungssicherheit verschafft. "Die PPA werden sich etablieren", so Lars Quandel, Leiter Energie & Infrastruktur der HSH Nordbank, die in der Branchenstudie "Corporate PPA – Going Green" einen genauen Blick auf das Instrument wirft.

Für Neuanlagen lohnen sich diese Vereinbarungen in Deutschland noch nicht. Die Erlöse aus den Ausschreibungen liegen bei sechs bis sieben Cent je Kilowattstunde (kWh). Wer das Geld nimmt, muss aber am Markt handeln. PPA-Verträge laufen aber über kleinere, eben marktnahe Summen. Interessant werden PPA deshalb erst, wenn die Preise auf das Großhandelsniveau von drei bis vier Cent/ kWh sinken.

Der Energieexperte der HSH-Nordbank rechnet damit, dass sich das Blatt etwa in zehn Jahren wendet. Der Übergang zu PPA passiere aber jetzt. Quandel: "Es ist ein Thema, mit dem sich jeder im Moment auseinandersetzt und auseinandersetzen muss."

Ökostromanbieter wollen Herkunftsnachweise

Stromabnehmer sind vor allem große Firmen aus dem IT-Sektor. Langsam kommen auch Industriekunden hinzu, die ihren grünen Fußabdruck verbessern wollen. Auch Ökostrom-Anbieter Greenpeace-Energie ist an Windstrom aus Altanlagen interessiert und hat sich die Energie aus dem Windpark Ellhöft in Schleswig-Holstein gesichert.

"Mit den alten Windenergieanlagen gibt es jetzt zum ersten Mal in Deutschland die Möglichkeit, größere Mengen an Grünstrom vor Ort mit Herkunftsnachweis zu kaufen", erklärt innogy-Energieexperte David Willemsen. Mit der EEG-Förderung ist das nicht möglich. In den Niederlanden ist das ganz anders und PPA daher auch bei Neuanlagen beliebt. "Wir haben in den Niederlanden bereits Verträge über 15 Jahre abgeschlossen", so Willemsen. "Es gibt einen regelrechten Run darauf."

Statkraft hat mit sechs Bürgerwindparks (insgesamt 31 Turbinen) aus Niedersachsen die ersten PPA-Verträge in Deutschland geschlossen. Die Anlagen mit einer installierten Leistung von 46 MW sind 1999 und 2001 in Betrieb gegangen und erzeugen jährlich 74 GWh Strom.

Niedersachsen führt mit großem Abstand mit rund 3500 Altanlagen und einer Gesamtleistung von 4,3 Gigawatt (GW) vor Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen mit jeweils über zwei GW die Liste der Länder an, in denen PPA jetzt interessant werden: "Wenn marktorientiertes Handeln, eine gezielte Vermarktung und ein effizienter Anlagenbetrieb zusammenkommen, ist in vielen Fällen ein Betrieb ohne Förderung möglich", erklärt Carsten Poppinga, Geschäftsführer von Statkraft in Deutschland. Schließlich haben diese bereits die Investitionskosten eingespielt, der Betrieb ist deutlich preiswerter. Statkraft plant ein großes Geschäft mit Mercedes-Benz.

Schweden führend bei Power Purchase Agreements

Vorreiter bei PPA-Deals in Europa sind allerdings Norwegen und Schweden. Nach Angaben des Verbands Windpower Europe, die bereits von einer PPA-Revolution, sprechen, wurden in der ersten Hälfte des Jahres 2018 in den beiden nordischen Ländern Wind-PPAs für Unternehmen in Höhe von fast 1,4 Gigawatt unterzeichnet. So viel wie im gesamten restlichen Europa. Abnehmer sind vor allem Betreiber von Rechenzentren wie Facebook oder Google. "Wir werden in immer mehr Ländern die Situation haben, dass ein Verkauf am freien Strommarkt sinnvoller als eine Förderung ist", ist Quandel überzeugt. Künftig dürfte ein wesentlicher Teil des Windstroms über PPA verkauft werden.

Das weltweit bislang größte PPA wurde ebenfalls in Schweden geschlossen. Den Strom aus dem Onshore-Windpark "Markbygden" mit einer Leistung von 650 MW hat sich für 19 Jahre der Aluminiumhersteller Norsk Hydro gesichert. In Spanien schloss Projektentwickler GE zusammen mit Energieversorger Engie das erste PPA für den 300 MW-Windpark Goya in der Provinz Zaragoza über eine Laufzeit von zwölf Jahren ab.

"Ein wesentlicher Punkt für PPAs ist, dass sie als ein sehr gutes Instrument zur Risikoabsicherung und mithin zur Finanzierung zukünftiger erneuerbarer Projekte dienen", erklärt Vattenfall-Sprecher Lutz Wiese. In Holland hat der schwedische Energieversorger PPAs mit Microsoft für die Belieferung ihres Rechenzentrums nördlich von Amsterdam geschlossen. Der Strom kommt direkt aus dem Onshore-Windpark Wieringermeer. In Dänemark liefert Vattenfall grünen Storm aus dem derzeit größtem Offshore-Windprojekt Kriegers Flak, der 2021 in der Ostsee in Betrieb geht, an die Biotechnologieunternehmen Novozymes und Novo Nordisk. Vattenfall-Vice President Branislav Slavic: "Wir erwarten eine weiter steigende Nachfrage der Industrie, die ihren Bedarf künftig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken wollen."

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