Plastikmüll: Kampf den Kaffeebechern

Plastikmüll: Kampf den Kaffeebechern

5300 Einwegbecher verbrauchen die Deutschen - pro Minute. Jetzt will Bundesumweltministerin Svenja Schulze etwas gegen die Abfallflut tun. Aber vor einem Pfand schreckt sie noch zurück.

Umweltschutz | Von DPA |

Kaufen, austrinken, wegwerfen: Der schnelle Kaffee auf die Hand ist aus dem Stadtleben gar nicht mehr wegzudenken. Er ist aber auch ein Problem, wenn er aus den üblichen Pappbechern mit Plastik-Beschichtung getrunken wird, im schlimmsten Fall auch noch mit Plastikdeckel. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will daher die Hersteller von Einwegbechern zur Kasse bitten und den Handel dazu bringen, Mehrweg-Alternativen zum Standard zu machen. Denkbar sei ein Fonds, in den sie einzahlen und der den Kommunen das teure Aufsammeln der herumliegenden Becher mitfinanziert, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin.

Anlass war eine neue Studie des Umweltbundesamts (UBA), die sich mit Umweltfolgen der Einwegbecher-Schwemme beschäftigt - und darauf schaut, ob und wann Alternativen sinnvoll sind. Denn dazu müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Ein Überblick:

DIE ZAHLEN: 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke kamen im Jahr 2016 in den Umlauf, 34 pro Kopf und Jahr, dazu 1,3 Milliarden Plastikdeckel. 60 Prozent der Becher waren aus beschichteter Pappe, 40 Prozent aus Plastik, etwa aus Getränkeautomaten. So entstanden 28.000 Tonnen Abfall. Und der nimmt viel Platz ein: Die Becher füllten rechnerisch acht Millionen Mal einen typischen öffentlichen Mülleimer, der 50 Liter fasst. Das UBA empfiehlt als Ziel, binnen zwei bis drei Jahren die Zahl der Becher um die Hälfte zu drücken.

DAS PROBLEM: Die meisten Becher landen „über kurz oder lang“ in einer „Verwertung“, schreibt das UBA. Aber viele müssen erst von der Straße und aus Parks eingesammelt werden, was kostet. Zudem sind sie kaum recycelbar, wie Abfall-Experte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erklärt - sie müssen verbrannt werden. Und es werden Ressourcen wie Holz und Erdöl eingesetzt, aber nur sehr kurz verwendet - 10 bis 15 Minuten, das war's. Die Herstellung braucht zusätzlich Energie und Wasser, Chemikalien kommen auch zum Einsatz.

DIE ALTERNATIVEN: Viele Cafés befüllen mitgebrachte Becher, manchmal ist der Kaffee dann sogar etwas billiger. Für Kunden komfortabler sind Mehrwegbecher, die sie vor Ort gegen Pfand bekommen und entweder im gleichen Café oder - noch einfacher - an vielen Orten, die miteinander kooperieren, zurückgeben. Es gibt schon einige Anbieter, etwa ReCup überregional, Better World Cup in Berlin oder Hannocino in Hannover, die Liste ließe sich fortsetzen. FairCup erhielt am Dienstag als erstes Mehrwegbecher-System das Umweltsiegel „Blauer Engel“.

DER VERGLEICH: Ist Mehrweg wirklich immer ökologischer? Ein paar Bedingungen müssen laut UBA erfüllt sein - mindestens zehnmal, besser häufiger, müssen die Becher wiederverwendet werden. Für den Klimaschutz sollten es sogar mehr als fünfzigmal sein. Einen Einweg-Deckel dürfen sie nicht haben, das verdirbt die Bilanz. Und die Spülmaschinen sollten mit Ökostrom betrieben werden.

WAS TUN? Um den Wechsel von Einweg- zu Mehrwegbechern zu schaffen, will Umweltministerin Schulze bei den Herstellern ansetzen. Die sollen sich an den anfallenden Müll-Kosten beteiligen, was die Becher teurer machen soll - wie genau, ist noch unklar. Zudem strebt sie eine Vereinbarung mit der Gastrobranche an, Mehrweg zum Standard zu machen und Einweg zur Ausnahme. Wenn das nicht klappe, müsse man über andere Maßnahmen nachdenken. Verboten werden sollen nur Becher aus aufgeschäumtem Plastik - das schreibt eine EU-Richtlinie von 2021 an vor.

Das UBA empfiehlt ein Pfand, die DUH fordert es

Das Umweltbundesamt hat auf Basis seiner Studie weitere Empfehlungen erarbeitet. Dazu gehören etwa der Fonds zur Abfall-Beseitigung, aber auch, dass es Deckel nur auf Nachfrage geben sollte, Einweg-Becher deutlich teurer sein sollten und das Mehrweg-Pfand nicht zu niedrig, damit die Leute ihre Becher auch zurückbringen. Falls sanfter Druck nichts bringt, schlägt das Amt eine Obergrenze für Einwegbecher vor, Abgaben auf Deckel und Becher und ein Pfand auch auf Einwegbecher.

All das ist aber nicht in Sicht. Die DUH fordert daher deutlich mehr Engagement: etwa eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einwegbecher, 10 Cent auf Einwegdeckel und die Einführung eines verpflichtenden Reduktionsziels von 70 Prozent bis 2022 im Vergleich zu 2016. An freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft glaubt die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz nicht: "Selbstverpflichtungen haben bisher noch kein Umweltproblem nachhaltig gelöst."

Allerdings können die Kaffeetrinker selbst dazu beitragen, dass weniger Becher im Müll landen. DUH-Experte Fischer formuliert es so: „Wenn man die Möglichkeit hat, sich mal hinzusetzen, sollte man vielleicht auch mal durchschnaufen und den Kaffee aus der Tasse trinken.“

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