Nikola bringt Wasserstoff-LKW nach Europa

Nikola bringt Wasserstoff-LKW nach Europa

Mit Brennstoffzelle als Energielieferant und komplett autonom: Der Tre-Lkw von Hersteller Nikola soll in einigen Jahren auch auf den europäischen Markt kommen.

Wasserstoff | Von Susanne Frank |

Bis zu 1200 Kilometer weit elektrisch Waren auf der Straße transportieren und das ganz ohne Fahrer: Das verspricht der US-Hersteller Nikola mit seinem Wasserstoff-Lkw. Bislang war ein solcher Truck nur für die USA angekündigt, jetzt nimmt Nikola auch Bestellungen für eine europäische Version an. Bis etwa 2023 soll die Produktion des Modells Nikola Tre starten, ordern können es Spediteure bereits heute. Einen Prototyp will der Produzent allerdings erst im kommenden April auf seiner Hausmesse in Phoenix zeigen.

"Dieser Truck wird ein Hammer. Er ist überfällig in Europa", tönt Trevor Milton, Chef und Gründer von Nikola. Das Modell Tre soll mit einer 120 Kilowatt-Brennstoffzelle geliefert werden. Die Leistung der Elektromotoren wird mit circa 370 bis 740 kW angegeben. Der sechsachsige Schwerlaster soll zudem voll autonom unterwegs sein können, also völlig ohne Fahrer. Dazu will Nikola sämtliche Systeme redundant auslegen. Damit wäre der Truck auch dann noch sicher unterwegs, wenn Bremsen, Lenkung, Brennstoffzelle oder Batterie ausfielen. "Wir bieten alle Voraussetzungen, die für Autonomie auf Level 5 notwendig sind", sagt Firmenchef Milton.

Flächendeckendes Tankstellen-Netz in Europa bis 2030

Wo der emissionsfreie Lkw produziert wird, ist noch offen. Noch sei man in Vorverhandlungen über einen europäischen Standort, heißt es. Die Fahrzeugtests jedenfalls sollen ab 2020 in Norwegen beginnen. Dort sitzt auch der Nikola-Partner Nel Hydrogen. Das Unternehmen aus Oslo baut aktuell in den USA und Kanada ein Netz von Wasserstoff-Tankstellen auf. Bis zum Jahr 2028 sollen etwa 700 Stationen stehen. Nikola will dort täglich jeweils zwischen 2000 und 8000 Kilogramm Wasserstoff verkaufen.

Auch bei der Wachstumsstrategie in Europa werde Nel eine wichtige Rolle für Nikola spielen, sagt Finanzchef Kim Brady. Das bedeute, dass auch auf dem alten Kontinent ein Netz von Tankstellen aufgebaut wird. Dazu soll 2022 der Startschuss fallen, bis 2030 wolle man Europa größtenteils erschlossen haben.

Nikola ist nicht das einzige Unternehmen, das den Markt für E-Lkw erobern will. Das sind die Konkurrenten des Herstellers:

Spezielle Anforderungen auf dem europäischen Markt

Wenn der Prototyp des Nikola Tre im Frühjahr in Phoenix enthüllt wird, wird die Branche erstmals auch den Serientyp des Nikola Two in Fahrt erleben. Dieser Truck wurde für den US-Markt entwickelt. Firmenangaben zufolge liegen für ihn bereits Vorbestellungen in Höhe von elf Milliarden Dollar vor. Auch seine Auslieferung dürfte aber noch bis mindestens 2022 auf sich warten lassen.

Anders als für Pkw gelten für Lastwagen in den USA und Europa völlig unterschiedliche gesetzliche Auflagen bei Größe und Gewicht. Sie müssen daher von den Herstellern ganz auf die jeweiligen Märkte zugeschnitten werden. In Europa ist beispielsweise die Länge des Fahrzeugs ab dem Kühlergrill entscheidend. Daher werden Lastwagen hier mit einer möglichst kurzen Schnauze gebaut. In den USA hingegen werden Lkw anders eingeteilt und sind deshalb mit einer charakteristischen, langen Kühlerhaube üblich. Weil Elektro-Trucks ohne Verbrenner und damit Kühler auskommen, dürfte sich das allmählich ändern. Bislang ist es für Hersteller unmöglich, dasselbe Truck-Modell auf beiden Kontinenten zu verkaufen. Bei Personenwagen ist dies deutlich einfacher.

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