Nachhaltiger Konsum: Alle wollen, keiner macht's

Nachhaltiger Konsum: Alle wollen, keiner macht's

Klimafreundlich reisen, biologisch ernähren und auf umweltfreundliche Materialien setzen - das wollen viele. Der Alltag sieht aber oft anders aus, zeigen zwei neue Studien.

Ernährung | Von Veronika Fritz

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das zeigen Studien der Buchungsplattform Booking.com und der Unternehmensberatung AlixPartners. Trotzdem handeln viele Menschen im entscheidenden Moment ganz anders. Zwischen der theoretischen Absicht und dem praktischen Tun klafft eine große Lücke.

Besonders deutlich wird dies im Tourismus: Booking.com hat bei einer Onlinebefragung im März mehr als 12.000 Kunden weltweit zum Thema Nachhaltigkeit befragt. Dieses Jahr beabsichtigen fast neun von zehn Menschen nachhaltig zu reisen, im Jahr davor waren es nur sechs von zehn.

Trotzdem reisen nur knapp vier von zehn nach eigenen Angaben tatsächlich nachhaltig. Hartmut Rein, Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, schätzt die Zahl noch einmal weit geringer ein: "Es machen sich zwar immer mehr Menschen Gedanken um die Zukunft, auch wegen des Klimawandels", so der Tourismusexperte. Aber das Problem sei, dass viele Menschen sagten, sie würden nachhaltig reisen, es aber nur sehr wenige in die Tat umsetzen.

Fehlende Transparenz

Er macht dafür vor allem hartnäckige Gewohnheiten und fehlende Information verantwortlich: "Es gibt zu wenig erkennbar nachhaltige Produkte und diese sind oft schwer zu finden". Wenn es sehr aufwendig ist, eine die Umwelt schonende Unterkunft zu buchen, wählen die meisten doch mit wenigen Klicks das gewohnte Hotel. Eine einheitliche Kennzeichnung vorbildlicher Angebote wäre ein wichtiger Schritt, um nachhaltigen Tourismus einfacher und bequemer zu machen.

Eine große Verunsicherung der Verbraucher beim Thema Nachhaltigkeit und Gesundheit spiegelt sich auch in der Studie von AlixPartners wider: 40 Prozent der Deutschen geben an, dass sie nicht wissen, welche Nahrungsmittel gut für sie sind. Das ist in den fünf befragten Ländern der Höchstwert. Die Autoren der Studie führen diese hohe Zahl auf widersprüchliche Forschungsergebnisse und die regelmäßigen Lebensmittelskandale zurück.

Peter Heckmann, Konsumgüterexperte bei AlixPartners, empfiehlt: "Nahrungsmittelhersteller müssen künftig noch stärker auf Transparenz und Aufklärung setzen." Denn auch bei der Ernährung zeigt sich der Wunsch nach gesundem und nachhaltigen Konsum deutlich: Gut 80 Prozent der knapp 800 Befragten in Deutschland geben an, besonderen Wert auf gesunde und nachhaltige Produkte zu legen.

Kosten nicht der wichtigste Faktor

In beiden Studien geben die Befragten zwar an, höhere Kosten seien ein Hindernis für gesundes und nachhaltiges Verhalten (Ernährung: 52%; Tourismus: 38%). Trotzdem sind laut Booking.com zwei Drittel der Befragten bereit, etwas mehr Geld für eine umweltfreundliche Reise auszugeben.

Bei der Urlaubsplanung sollten die Verbraucher aber nicht vergessen: Eine umweltfreundliche Unterkunft ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Das eigentliche Problem ist aber das Reisen an sich. Laut Umweltbundesamt produziert es mehr als 70 Prozent des CO¬2-Ausstoßes im Tourismus. Davon entfällt noch einmal mehr als die Hälfte auf das Fliegen. Auch beim Reisen sollten sich die Konsumenten also von Gewohnheiten lösen, um wirklich nachhaltig zu handeln. Das UBA gibt den Tipp: "Je näher das Urlaubsziel, desto besser ist es für die Umwelt."

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