Mit dem E-Bike ist man immer schneller da

Mit dem E-Bike ist man immer schneller da

E-Biken ist wie Radfahren – nur besser. Zehn Argumente, die für eine elektrische Trittunterstützung sprechen – und Kritikern zum Schweigen bringen sollten.

Fahrrad | Von H. David Koßmann und Franz W. Rother |

Die Verkaufszahlen von E-Bikes explodieren – knapp ein Viertel der 2018 in Deutschland verkauften Fahrräder verfügte bereits über einen Elektromotor für die Trittunterstützung an der Steigung oder gegen den Wind. Und ein Ende der Entwicklung ist noch nicht abzusehen: Das Angebot der Zweiradindustrie in dem Segment wächst trotz weiterhin hoher Preise zwischen knapp 3000 und über 8000 Euro pro Rad weiterhin stetig. Ein Grund: Während bei den allein muskelbetriebenen "Bio-Bikes" der Fortschritt nur noch in Trippelschritten erfolgt, erleben wir bei den so genannten Pedelecs Innovations-Sprünge. Neue Motoren, leistungsstärkere Batterie und gänzlich neue Fahrzeuggattungen drängen auf den Markt und locken die Konsumenten.

"Der E-Bike-Boom treibt die gesamte Fahrradbranche", sagt Arne Sudhoff von Derby Cycle aus Cloppenburg, der mit den Marken Focus, Kalkhoff, Raleigh und Univega zu einem der größten Anbieter in Europa zählt. Und dennoch: Die Vorurteile gegen die so genannten Pedelecs noch immer groß. Die einen sagen: „Das ist doch kein Radfahren mehr“. Die anderen lästern: "Ich bin noch nicht so alt, ich kann noch selbst treten." Ein Großteil der Kritiker und Skeptiker saß allerdings noch nie auf einem Pedelec. Wer ein E-Bike in der Stadt, bei Überlandfahrten oder im Gebirge schon einmal selbst erlebt hat, mag den künstlichen Rückenwind meist nicht mehr missen. Für die Vertreter der Zweiradbranche halten viele Vorurteile gegen E-Bikes einer näheren Betrachtung nicht stand. Hier ihre zehn wichtigsten Argumente, mit denen Besitzer von E-Bikes Lästermäuler zum Schweigen bringen sollten.

1. Das E-Bike fährt sich nicht von allein

Das am weitesten verbreitete (ca. 99 %) E-Bike ist das Pedelec: Man muss auch hier in die Pedale treten, um voranzukommen. Nur dann unterstützt der Motor den Fahrer. „Das E-Bike ist kein E-Mofa, sondern ein echter Hybrid. Man fährt das E-Bike also mit weniger Anstrengung im selben Tempo wie ein Fahrrad oder mit derselben Anstrengung und höherem Tempo“, erklärt Anja Knaus vom schweizerischen Hersteller Flyer. Wobei das Durchschnittstempo der E-Bikes nur etwa 2,5 km/h höher liegt als das des Fahrrads. „Mit dem E-Bike erlebe ich meine Umwelt mit den gleichen Sinneseindrücken wie mit dem herkömmlichen Rad. Je nach Unterstützungsstufe kann ich das sogar länger haben“, so Knaus weiter.

2. Mehr Menschen fahren so öfter mit dem Rad

Ein E-Bike fühlt sich an wie sehr fitte Beine – das macht einfach Lust aufs Pedalieren. „Mit einem E-Bike verschiebt sich der Grundgedanke bei manchen Radfahrern von "Irgendwohin fahren müssen" zu "Wo könnte ich denn mal noch hinradeln?‘“, berichtet Volker Dohrmann vom Hamburger Hersteller Stevens. Zudem fährt man mit einem neuen Rad erfahrungsgemäß lieber und öfter als mit einem alten und behäbigen Drahtesel. Die stark gestiegenen Verkaufszahlen der letzten fünf oder sechs Jahre summieren sich zu einer großen Anzahl von Öfterfahrern - und Umsteigern vom Auto aufs Rad.

3. Der Aktionsradius wächst

Ob als Pendlerfahrzeug, als Sportgerät oder als Familientransporter: Das E-Bike macht Ziele schneller und bequemer erreichbar. Daraus resultiert auch, dass E-Radler im Schnitt deutlich weitere Strecken zurücklegen als unmotorisierte Radfahrer (E-Bike: 8 Kilometer pro Tag, Fahrrad: 5,3 Kilometer pro Tag, lt. PASTAStudie). „Wir sind uns sicher, dass da noch eine Menge Luft nach oben ist“, erklärt Heiko Müller vom Hersteller Riese & Müller. „Wenn der öffentliche Raum entsprechend dem erkennbaren Potenzial umgestaltet wird, werden beide Nutzungskennziffern steigen, zum Wohle der Gesellschaft.“ Und wenn es nach ihm ginge, würde dabei auch das Tempolimit von 25 km/h fallen, das derzeit noch Pedelecs von den bis zu 45 km/h schnellen S-Pedelecs unterscheidet.

4. E-Bikes und Fahrräder sind Bausteine der Verkehrswende

Jedes genutzte Rad oder E-Bike in der Stadt bedeutet für die anderen Verkehrsteilnehmer: „Weniger überfüllte Städte, weniger Staus, bessere Luft und Bewegungsfreiheit für jeden“, ist Christian Witscher von Winora überzeugt. Für Fußgänger ist jeder Radfahrer mehr ein potenzielles Auto weniger, das immerhin die größte Gefahrenquelle im Straßenverkehr ist. Und dann reden wir noch vom stehenden Verkehr:

5. E- oder Bio-Bikes haben den gleichen Flächenverbrauch

Auf der Fläche eines Autos können ganz bequem acht Fahrräder stehen. Das muss man eigentlich nicht ausführen, oder?“, fragt Andreas Hombach vom Stadtmöblierer WSM. Schneller, entspannter und schlauer vorankommen und dabei nicht mehr Platz verbrauchen als jeder andere Radfahrer! Okay, die immer beliebter werdenden Transporträder brauchen etwas mehr Platz – eine gut funktionierende Radverkehrsinfrastruktur bietet aber auch ihnen den nötigen Raum.

6. Keine Umgewöhnung in der Stadt nötig

Da das E-Bike beim Treten unterstützt, ist das Fahren mit den Rädern (zumindest jüngerer Baujahre) absolut intuitiv. „Etwaig anderes Kurvenverhalten durch höheres Gewicht oder leicht längere Bremswege sind versierten Fahrern im Handumdrehen vertraut“, weiß Matthias Rückerl von Haibike. Vorausgesetzt natürlich, man ist den modernen Stand der Bremsen, Schaltung und Federung gewohnt. Ein wichtiger Grund dafür ist auch:

7. Das Tempo steigt nur leicht

Unterm Strich sind E-Bikes gerade einmal 2,5 km/h schneller unterwegs als Räder ohne Motor. Der Tempounterschied zwischen Fahrrad und E-Bike ist also geringer als die Tempodifferenz der heterogenen Gruppe der Radfahrer.

8. Das E-Bike treibt die Qualität

Das E-Bike hat der Fahrradindustrie einen systemischen Evolutionsschub beschert. Nicht nur müssen Hersteller unter dem thematischen Dach der Maschinenrichtlinie für E-Bikes ganz andere Fertigungsprotokolle beachten –
durch den deutlich höheren finanziellen Aufwand bekamen Qualitätsmanagement und internes Controlling einen zentraleren Stellenwert in der Zweiradindustrie. Davon profitiert natürlich auch die Herstellungsgüte der unmotorisierten
Räder.


9. E-Bike-fahren ist gesünder als Radfahren

Nur noch Uninformierte halten dem E-Rad vor, es sei ein Vehikel der Faulheit. Denn: „Selbst Sportler nutzen das E-Bike gezielt fürs Training“, macht Philipp Martin von Cannondale deutlich. Der Grund: Der Belastungsbereich beim Sport
lässt sich so präzise steuern. Denn natürlich ist Bewegung grundsätzlich wichtig, aber die falsche Ertüchtigung kann auch schaden.

10. Das Beste zum Schluss: Es macht Spaß

Das Fahrrad ist der Deutschen liebstes Freizeitgefährt, denn Radfahren macht einfach Spaß. Der Verführung des Fahrtwinds und der extrem effizienten Art der Fortbewegung kann sich kaum einer entziehen. „Das E-Bike nimmt, wenn man so
will, dem Radfahren das Unangenehme: Berge und Gegenwind lassen sich nun per Knopfdruck entschärfen“, beschreibt Sebastian Marten vom schweizerischen Hersteller MTB Cycletech. Fahrradhändler Ronny Deutscher aus Leipzig erlebt das beste Argument für das E-Bike tagtäglich: „Viele Kunden sind erst mal skeptisch. Die schicke ich ohne viele Worte auf eine Runde um den Block. Kein einziger kommt zurück, ohne über beide Ohren zu strahlen. Das sagt doch alles, oder?“

Das Fazit: Rad plus E = Rad plus

Das E-Bike hat alle Vorteile des Radfahrens und verstärkt diese zum Teil noch: Radfahren beugt Krankheiten vor, es schont Gelenke und Rücken, es ist gut für die Psyche, es schont die Umwelt und es ist günstig – und, wie heißt es in der Radler-Hyme "Ich fahr so gerne Rad von Sänger Max Raabe doch so schön, "Radler sind gerade in der Stadt immer zuerst da".

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