Lithium: Die Umweltgefahren des weißen Goldes

Lithium: Die Umweltgefahren des weißen Goldes

Alle sprechen über Lithium. Doch während Bergbaufirmen und Investoren feiern, leidet die Umwelt. Denn der Abbau greift massiv in die Ökosysteme ein. 

Rohstoffe | Von Matthias Lauerer |

Gleißend hell zeichnet sich das Weiß der 10.000 Quadratkilometer großen Salzwüste "Salar de Uyuni" gegen das Knallblau des Himmels ab. Dann streicht ein leichter Windhauch über die im Boden liegende Energiequelle. Hier, in Bolivien, schlummert der Schlüsselrohstoff, der unseren Energiebedarf stillen soll: Lithiumcarbonat. Zwischen 5,4 und 10 Millionen Tonnen Lithium sollen unterschiedlichen Schätzungen zufolge in der weiten Ebene vorkommen, die durch das Austrocknen eines Sees entstanden ist.

Doch nicht nur der Salar de Uyuni: die ganze Region ist reich an Lithium. Tausende Kilometer von Deutschland entfernt befindet sich das "Lithiumdreieck". Im bettelarmen Bolivien, dem aufstrebenden Chile und dem strauchelnden Argentinien werden über 55 Prozent aller Vorräte vermutet.

Über die Abbaubaubedingungen und die Reaktion der Bevölkerung in den Ländern sagt die deutsche Wissenschaftlerin Juliane Ströbele-Gregor: "Die Umweltbelastungen durch Staub und die Wasserentnahme sind enorm. In Chile gibt es örtlichen Bürgerwiderstand. Die lokalen Reaktionen reichen von Zustimmung und Forderung nach Beteiligung an den Einnahmen, bis hin zu lokaler Ablehnung und Widerstand. In Argentinien wird gemeinsam mit Toyota produziert." Ströbele-Gregor forscht an der Freien Universität Berlin am Lateinamerika-Institut zum Thema.

Essenzieller Rohstoff für Elektronik-Gadgets

Der Abbau des Rohstoffs ist eine Wette auf die Zukunft. Ohne den Stoff gäbe es keine Lithiumbatterien. Diese sind leichter und halten länger als andere Batterietechnologien und lassen sich ohne "Memoryeffekt" wieder und wieder aufladen. Denn: Bei Nickel-Kadmium oder Nickel-Metall-Hybrid-Batterien merkt sich die Batterie stets ihren letzten Füllstand – und verliert so ein paar Prozent der Kapazität. In unseren Notebooks und Handys werkeln Lithium-Ionen-Akkus und treiben so die digitale Gesellschaft an. In einem Smartphone finden sich wenige Gramm der Substanz. In einem Laptop sind es 200 Gramm. Und in einem Pkw mit Batterie sind es stolze 22 Kilogramm. Der Rohstoff ist begehrt und entsprechend teuer.

Bergbauriesen wie Albemarle, SQM oder FMC bauen das uralte Mineral ab. Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur nennt das Leichtmetall einen "Schlüsselrohstoff der kommenden Jahrzehnte". Denn neben der E-Mobilität wird das Thema der Speicherung regenerativer Energiequellen immer wichtiger. Das Bergen des Lithiums aus den südamerikanischen Böden ist ein sehr lukratives Geschäft. Bisher holte man auf dem fernen Kontinent etwa 300.000 Tonnen Lithiumcarbonat aus dem Boden. Seit 2015 hat sich der Preis für den Rohstoff verdreifacht. Für eine Tonne bezahlten Käufer im Juni 2015 noch 7.000 Euro. Bis Ende 2016 stieg der Preis auf 18.000 Euro. Legt man die heutigen Preise der weißen Ware zugrunde, so lag der Ertrag bislang bei drei Milliarden US-Dollar.

Millionen Liter Wasser für eine Tonne Lithiumsalz

Über die Probleme des Abbaus von Kobalt, das ebenfalls für Batterien notwendig ist, berichtete EDISON bereits in einer Serie. Aber auch die Lithiumgewinnung bringt Schwierigkeiten mit sich. Zwar freuen sich die Anleger, für die vom Abbau betroffenen Regionen ist sie aber ein ökologisches Desaster. Denn will man die Substanz aus mindestens 40 Zentimetern Tiefe hervorholen, verschlingt das gigantische Wassermengen. Für die Herstellung von einer Tonne Lithiumsalz werden zwei Millionen Liter Wasser benötigt. Und das in einer der trockensten Gegenden der Erde.

Das Problem: Das Lithium findet sich nicht direkt auf der Oberfläche, sondern in unterirdischen Wasserläufen. Ist das Material freigelegt (meist per Sprengung), wird es abtransportiert und weiterverarbeitet: Einige Millionen Kubikmeter salz- und lithiumhaltige Lösung werden in riesige Becken geleitet und mit Frischwasser angereichert. Durch die intensive Sonneneinstrahlung verdunstet das Wasser. Die so gewonnene Flüssigkeit hat einen Lithiumanteil von fünf Prozent. Danach trennt man das Magnesium heraus.

Wer am Salar de Uyuni genau hinschaut, sieht Andenflamingos, die nur dort heimisch sind. Die vom Aussterben bedrohte, grazile Tierart arrangiert sich mit dem Verlust des einst unberührten Lebensraums. Geht der Lithiumraubbau so weiter, ziehen die seltenen Tiere weiter. Bis ihnen eines Tages auch der letzte verbliebene Ruheort von den Baggern der Rohstoffkonzerne genommen wird. Lithium: ein uralter Stoff, um den neuer Streit entbrennt. 

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