Grün gründen: "Die Bedeutung von Social Entrepreneurship wächst"

Grün gründen: "Die Bedeutung von Social Entrepreneurship wächst"

Professor Klaus Fichter gilt als Koryphäe auf dem Gebiet des grünen Unternehmertums. Er beobachtet, dass immer mehr Hochschulen ihren Studenten entsprechende Inhalte vermitteln - und sie auch beim Selber-Gründen unterstützen.

Unternehmen | Von Marlene Thiele |

Die Temperatur steigt, die Wälder verschwinden, in den Meeren gibt es riesige Müllstrudel – es muss sich etwas ändern im Umgang mit der Umwelt. Eco-Entrepreneurship bezeichnet eine Form des Unternehmertums, bei dem Wertschöpfung aus ökologieorientierten Innovationen entsteht. Der Unternehmer arbeitet - ja, das Wort ist schon etwas abgegriffen - nachhaltig.

Noch ist Eco-Entrepreneurship eine Nische, sagt Professor Klaus Fichter, einer der wichtigsten Forscher in dem Bereich. An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lehrt er Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit, darüber hinaus leitet er das Borderstep Institut für nachhaltiges Wirtschaften und den Arbeitskreis "Sustainable Entrepreneurship" im Verein Förderkreis Gründungsforschung. Wir haben ihn gefragt, wie es aus der Nische herauskommt.

Edison: Herr Fichter, was unterscheidet Eco-Entrepreneurship von Umweltmanagement?
Fichter: Das klassische, betriebliche Umweltmanagement ist ein Teilbereich herkömmlicher, unternehmerischer Tätigkeit. Man schaut zum Beispiel, dass nicht zu viel Dreck in die Kanalisation läuft oder, dass man den Abfall sauber trennt. Das ist auch wichtig, berührt aber nicht den eigentlichen Kern der Wertschöpfung. Beim Eco-Entrepreneurship geht es darum, dass meine Hauptprodukte und -dienstleistungen etwas zur Nachhaltigkeit beitragen.

Wie viele grüne Gründungen gibt es?
Derzeit sind 16 Prozent aller Gründungen in Deutschland grün, das heißt sie tragen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei. Mit Blick auf die Herausforderungen, vor denen wir stehen, müsste man diese Zahl mindestens verdoppeln, wenn nicht verdreifachen. Die Tatsache, dass dieser Anteil momentan stagniert, führe ich auf eine mangelnde Signalsetzung aus der Politik zurück.

Was meinen Sie?
Die Innovationsförderung basiert noch immer auf rein betriebswirtschaftlichen Kriterien. Wir schütten sehr viel Geld an Gründer aus - da müssen wir den Anspruch stellen, dass es am Ende nicht nur wirtschaftlich funktioniert, sondern auch zu den politisch definierten Nachhaltigkeitszielen beiträgt – zum Klimaschutz, zur Ressourcenschonung, zur Kreislaufwirtschaft und so weiter. Diese Ziele gibt es schon. Die Politik muss sich nur selber ernst nehmen.

Wie verbreitet ist Eco-Entrepreneurship in der universitären Lehre?
Ich kenne keine Studie dazu, aber ich vermute, dass Nachhaltigkeitsaspekte vielleicht in 10 bis 15 Prozent der Studiengänge integriert ist. Wir bewegen uns da noch in einem frühen Stadium.

Wie vermittelt man diese Inhalte?
An der Uni Oldenburg haben wir zum Beispiel spezialisierte Studiengänge wie Sustainability, Economics und Management oder Module zum Thema Nachhaltigkeit in den regulären Wirtschaftswissenschaften. Beim Modul Eco-Venturing beispielsweise verbinden wir Wissensvermittlung mit Projektarbeit. Im Vorfeld der Veranstaltung suchen wir interessante grüne Gründungsideen im Umfeld von Oldenburg und bringen das Gründungsteam dann ein halbes Jahr mit einem Studierendenteam zusammen. Die Studierenden schlüpfen in eine Beraterrolle – sie helfen mit einer Markt- und Wettbewerberanalyse und machen eine ökologische Bewertung – sodass am Ende auch ein praktischer Nutzen für den Praxispartner herauskommt.

Wie wird Angebot wahrgenommen?
Sehr gut. Da könnten wir noch wesentlich mehr anbieten, das schaffen wir gar nicht alles. Aber wenn wir über das Thema Gründung reden geht es aber nicht nur um Lehrveranstaltungen sondern auch um konkrete Gründungsunterstützung, die erst mal nichts mit Lehre zu tun hat.

Wie viele Universitäten unterstützen grüne Gründungen?
Es gibt inzwischen eine Reihe von Hochschulen, die in dieser Richtung sehr aktiv nach Vorne gehen: die Universität Oldenburg, die Universität Lüneburg, die TU Berlin und die Hochschule München, die einen etwas stärkeren Fokus auf Social Entrepreneurship legt. Deutschlandweit ist es mit vielleicht knapp 15 Hochschulen natürlich noch ein kleiner überschaubarer Kreis. Aber es wächst.

Wieso tut sich so wenig, obwohl der Klimawandel überall im Gespräch ist?
Da tut sich ja schon einiges. Das Thema Klimawandel ist sehr jung. Sowohl Ausbildungsgänge als auch Institution brauchen relativ lange Zeit, um neue Themen aufzugreifen und zu integrieren. Da passiert eine ganze Menge, es ist nur nicht so leicht zu sehen.

Sie waren vor 25 Jahren einer Pioniere in diesem Forschungsfeld. Wie verbreitet ist Forschung zu Eco-Entrepreneurship heute?
Es sind noch sehr wenige. Von den 500 bis 600 Wissenschaftler, die sich im deutschsprachigen Raum mit der Gründungsforschung beschäftigen, forschen vielleicht zehn Prozent zum Thema Nachhaltigkeit. Aber es werden mehr.

Das heißt, Sie sind optimistisch?
Eco-Entrepreneurship ist inzwischen ein respektiertes Teilfeld der Gründungsforschung mit wachsender Bedeutung und wachsendem Interesse. Bei einer Befragung unter Gründungsforschern war Social Entrepreneurship eines der Top Themen, die künftig an Bedeutung wachsen werden.

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