Greenpeace Energy an Braunkohle-Revier in NRW interessiert

Greenpeace Energy an Braunkohle-Revier in NRW interessiert

Erst wollte der Suchmaschinen-Anbieter Ecosia den Hambacher Forst von RWE kaufen, jetzt will Greenpeace Energy das ganze Rheinische Revier abkaufen. Werbegag oder ernst gemeinter Vorschlag?

Energiewende |

Der Energielieferant Greenpeace Energy hat Interesse an den Braunkohle-Tagebauen und -Kraftwerken des RWE-Konzerns im Rheinischen Revier. Greenpeace wolle die Anlagen von 2020 an stufenweise übernehmen und bis 2025 stilllegen, teilte die Genossenschaft am Montag in Hamburg und Berlin mit. Sollte der Plan umgesetzt werden, könnten insgesamt 441 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, rechnet Greenpeace vor.

Auf den stillgelegten Tagebauflächen sollen Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 8,2 Gigawatt entstehen, was ungefähr acht Atomkraftwerken entspricht. Vor drei Jahren hatten die Umweltschützer Interesse an der Vattenfall-Braunkohlesparte in der Lausitz gezeigt. Sie ging unter mehreren Bietern letztlich 2016 an die tschechische EPH-Gruppe.

Der Aufbau des erneuerbaren Kraftwerksparks im Revier würde den Greenpeace-Berechnungen zufolge rund sieben Milliarden Euro kosten. Für das Gelingen seien eine Einigung mit RWE sowie eine staatliche Unterstützung des Strukturwandels wichtig, berichtete Energy-Vorstand Sönke Tangermann. "Was wir vorschlagen, ist eine Riesenchance für das Rheinische Revier – und bringt uns beim Klimaschutz einen großen Schritt voran."

Der Preis allein für die Stilllegung der Tagebaue und Kraftwerksblöcke wird laut einer Greenpeace-Mitteilung mit 384 Millionen Euro angegeben. Dies ergebe sich aus den Gewinnen, die mit den Kraftwerken noch am Strommarkt erzielt werden könnten, bis sie wegen steigender CO2-Preise unrentabel würden.

Energieexperten halten diesen Punkt des Plans jedoch für unrealistisch. "2022 soll auch das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen", sagte Udo Sieverding, einem langjährigen Energieexperten der Verbraucherzentrale NRW, gegenüber "Spiegel Online". "Viele Analysten rechnen eher damit, dass die Strompreise dann steigen und den höheren CO2-Preis kompensieren." Trifft diese Einschätzung zu, würde sich die Offerte für RWE wohl nicht rechnen.

Anderer Meinung ist Experte Sieverding bei den Kosten, die Greenpeace für den Aufbau des erneuerbaren Kraftwerksparks veranschlagt. "Die Annahmen erscheinen durchaus realistisch", sagte der Kenner des Rheinischen Reviers. "Greenpeace Energy hat durchaus die Kompetenz, solche Anlagen kostengünstig zu bauen und deren Strom an den Kunden zu bringen."

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