Forschen an der perfekten Ladesäule

Forschen an der perfekten Ladesäule

Netzanschluss und Lage einer Ladesäule sind wichtig - sie soll das Stromnetz ja nicht mehr belasten als nötig. Verschiedene Forschungsprojekte testen derzeit zukunftsfähige Ladenetze.

Laden | Von Angela Schmid

Während andere noch diskutierten, hat sich Alexander Schmidt vor drei Jahren einfach ein E-Auto gekauft. Die Marke will der wissenschaftliche Mitarbeiter des Fraunhofer Institute for Industrial Engineering (IAO) öffentlich nicht nennen. Um den Verdacht, Werbung zu machen, nicht aufkommen zu lassen. Denn er ist begeistert: "Es macht Spaß, ein Elektroauto zu fahren."

Mangelnde Reichweite? "In Stuttgart komme ich überall hin", sagt er. Außerdem gebe es viele exponierte Parkplätze – ein unbezahlbar Luxus in der Stadt. "Man kann sportlich und dennoch entspannt fahren." Vor allem an die Ruhe im Auto habe sich Schmidt schnell gewöhnt.

Geladen wird sein Auto auf dem Fraunhofer-Campus an einer der größten Ladeinfrastrukturanlagen Deutschlands. "Ein lebendes Labor", so Schmidt, das 20 Elektro-Autos in Highspeed-Geschwindigkeit lädt. Es könnte die Zukunft des Ladens werden: Rein theoretisch kann das 150 kW-Gleichstromladesystem in 30 Minuten mehr als 300 Kilometer an Reichweite in die gängigen E-Autos laden. Nur sind deren Batterien noch nicht für solche Stromstärken ausgelegt.

"Die Ladegeschwindigkeit beträgt hier das Dreifache des derzeit gängigen Maximums", erklärt der Forscher. Nur ist das zügige Laden noch nicht üblich, Schnellladesäulen gibt es kaum. 63 wurden bisher der Bundesnetzagentur gemeldet - 7100 müssen es nach Schätzung der Nationalen Plattform Elektromobilität für die geplante Million E-Autos werden.

Wildwuchs bei Ladestationen vermeiden

Eine Chance, findet Stefan Ladwig, Teamleiter Mensch und Infrastruktur von der RWTH Aachen: "Der Aufbau in Deutschland müsste vollständig überplant werden, um es nutzerfreundlich zu gestalten", erklärt er. Dies sollte zentralisiert koordiniert werden, um ein homogenes Netz abzubilden. Nutzer sollten zudem stärker eingebunden werden. Ladwig kritisiert: "Das hat bisher nicht stattgefunden."

Wie das aussehen kann, zeigt SLAM. Das Projekt "Schnellladesäulen für Achsen und Metropolen" hat erste Säulen aufgebaut und ein Tool entwickelt, das die Standortsuche für Betreiber vereinfacht. Das interdisziplinäre Team - auch das IAO ist beteiligt - soll den "Wildwuchs an Ladeinfrastruktur" verhindern, so Ladwig. Stattdessen solle sie "logisch und nachfrageorientiert aufgebaut" werden.

Nachfrage alleine zählt nicht

Der Netzanschluss ist eine weitere Herausforderung, wenn mehrere Schnellladesäulen mit hoher Ladeleistung aufgebaut werden. Das ist aber notwendig. "Standorte, insbesondere an Achsen, müssen so vorbereitetet werden, dass später auch Ladestationen mit deutlich höherer Ladeleistung aufgebaut werden können", erklärt Denis Horn vom IAT der Universität Stuttgart, der ebenfalls an SLAM beteiligt ist.

Bisher sind 50 kW noch Standard. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern. "Autobauer arbeiten bereits daran, bis zu 350 kW übertragen zu können", erklärt Schmidt. "Ein Standort wird daher oft für mehrere Fahrzeuggenerationen vorbereitet", so der IAO-Forscher.

Stromversorger könnten hier einen Vorteil haben. Wie Eon, die an der A3 im bayrischen Geiselwind vier Ladesäulen mit einer Leistung von 150 kW bis 350 kW aufbauen wollen, an denen in Zukunft E-Autos in 20 Minuten Strom für 400 Kilometer laden können. Denn das Netz muss die hohen Stromstärken aushalten können.

"Customer Journey" um den Ladevorgang herum wichtig

"Sobald ein Standort attraktiv erscheint, gibt es auch Investoren", erklärt Horn. Funktionierende Geschäftsmodelle sind aber noch die Ausnahme. "Daran forschen wir noch." Allein mit dem Stromverkauf sei eine Schnellladesäule aktuell aber wirtschaftlich kaum zu betreiben. Die Zukunft sieht er eher in einer Ergänzung zum Kerngeschäft mit Mehrwertdienstleistungen, neuen digitalen Produkten, aber auch Lösungen um die gesamte Customer Journey abzudecken.

Dazu zählt alles, was zum Thema Mobilität gehört – zum Beispiel eine sinnvolle Ergänzung wie dem Verkauf einer Ladekarte oder einer App. Möglich sind auch Bundle-Angebote, bei dem die gefahrenen Kilometer des E-Autos und die geladene Energiemenge mit dem Stromvertrag abgerechnet werden. "Alles aus einer Hand - das ist die Königsdisziplin", so Horn. Für ihn aber eindeutig die Zukunft.

Artikel teilen

Kommentare

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...