Nissan geht neue Wege beim Verkauf des Leaf

Nissan geht neue Wege beim Verkauf des Leaf

In Paris hat der Elektroauto-Pionier in einem Einkaufszentrum seinen ersten City-Hub eröffnet. In aller Ruhe sollen die Menschen hier die Elektromobilität und das damit verbundene Ökosystem kennenlernen können.

E-Mobilität | Von Franz W. Rother |

Le Tanneur hat schicke Damenhandtaschen im Angebot, der Juwelier nebenan preist Armbanduhren und Goldketten an, Brioche Duvee allerlei Hefegebäck, belegt mit Käse, Wurst und bunten Salatblättern. Oder wie wäre es mit einem nagelneuen Elektroauto? Unexpected Shopping lautet das Motto des Viersterne-Einkaufszentrums Velizy 2 im Arrondissement Versailles, einige Kilometer südwestlich von Paris. Jedes Jahr bummeln beeindruckende 15 Millionen Menschen durch die riesige Mall, auf der Suche nach Schnäppchen und leckeren Häppchen, nach Unterhaltung und Inspiration.

Seit ein paar Tagen können sie sich hier auch über die Mobilität von morgen informieren – so wie sie sich ein Autohersteller vorstellt, der zu den Pionieren des Elektroantriebs zählt: Nissan hat hier seinen ersten City-Hub in Europa eröffnet, einen stylischen, mit allerlei Multimedia-Technik aufgepeppten Showroom, in dem junge Markenbotschafter neugierigen Besuchern das Ökosystem Elektromobilität erklären und – na klar – die besonderen Finessen des Nissan Leaf. Ganz ohne Stress und Verkaufsdruck, bei hippen Klängen aus dem Lautsprecher und stylischen Lichterspielen. Am lebenden Objekt und mit Blick auf hochauflösende Multimedia-Präsentationen, die bei Bedarf über großformatige Touchscreens in den Wänden eingespielt werden.

Junge Markenbotschafter im Schichtbetrieb

„Dank neuer Technologien und Tools bietet der Nissan City-Hub ein einmaliges Kundenerlebnis, das nahtlos die Online- mit der Offline-Welt verbindet“, schwärmte Vertriebsvorstand Leon Dorssers bei der Eröffnung des funkelnagelneuen Showrooms, der Vorbild sein soll für eine Reihe ähnlicher Einrichtungen in anderen europäischen Großstädten. Der nächste, erfuhr EDISON, soll noch dieses Jahr in Berlin eröffnet werden. 60 Prozent der nicht näher bezifferten Investitionskosten übernahm in Paris der Autohersteller, 40 Prozent steuerte dort die Handelsgruppe Altair bei, die in der französischen Hauptstadt insgesamt 20 Autohäuser betreibt und nun auch wenigstens fünf Jahre lang den City-Hub managen soll.

„Ein Autoverkäufer hat das Interesse, möglichst schnell viele Autos zu verkaufen. Statt einem Interessenten lang und breit die Besonderheiten eines Elektrofahrzeugs zu erklären, preist er deshalb meist lieber die Vorzüge eines Autos mit konventionellem Antrieb an. So kommt er schneller zum Abschluss“, weiß Thomas Daumont, der zusammen mit seinem Bruder Jerome die Autohaus-Kette leitet. Im City-Hub treffen die Besucher deshalb auf keine gelernten Autohändler, sondern auf technikaffine Quereinsteiger aus dem Einzelhandel, die von Nissan in zweimonatigen Kursen zu „Ambassadeurs“, zu Markenbotschaftern geschult wurden.

Sie sollen im Schichtdienst sechs Tage die Woche und im Schichtdienst zwischen 10 bis 22 Uhr  geduldig Fragen zur Antriebstechnologie und Lademöglichkeiten beantworten, bei der Konfiguration des Wunsch-Fahrzeugs helfen und bei Interesse auch schnell eine Probefahrt mit einem der in der Tiefgarage geparkten Testwagen organisieren. Bestellungen werden an den nächsten Händler weitergeleitet – mit dem dann auch um den Preis gefeilscht werden kann. Im City-Hub kann der Kunde nur online und zum Listenpreis ordern.      

Vision einer besseren Welt

Der Autohersteller will in seinem City-Hub, wie es in einer Pressemitteilung hochtrabend heißt, die reale und digitale Welt zu einem „nahtlosen Kundenerlebnis“ verschmelzen. Tatsächlich geht es aber wohl in erster Linie darum, neue Kunden für die Marke und ihre Elektromobile zu gewinnen. Autohäuser liegen meist in Gewerbegebieten am Rande der Stadt – zum Schaufensterbummelt fährt der Kunde dort normalerweise nicht so einfach hin.

Und wie Ken Ramirez einräumt, Vorstand für Sales und Marketing bei Nissan Europe, überfordert das komplexe Ökosystem Elektromobil die meisten Autoverkäufer. „Unsere Botschafter sollen die Menschen immerhin in eine bessere Welt locken“. Dazu brauche es nicht nur einen anderen Ton und ein anderes Ambiente, sondern auch eine andere Herangehensweise. Idealerweise peer-to-peer, auf gleicher Augenhöhe und mit der gleichen Lebenseinstellung.

Vier neue Stromer bis 2022

„Wir glauben an die Elektromobilität und wollen die Menschen motivieren, mit uns diesen Weg zu gehen“, erklärt Gareth Dunmore, der bei Nissan Europe das Geschäft mit den Elektroautos verantwortet. Mit großem Erfolg: Mit 40.609 Einheiten war der Leaf 2018 das meistverkaufte Elektroauto in Europa – mit kleinem Abstand vor dem Renault Zoe (38.538), aber deutlichem Vorsprung vor dem Drittplatzierten, dem BMW i3 (24.432). Zusammen mit dem Kleinlieferwagen und Minivan Nissan e-NV200 verkauft Nissan in Europa damit inzwischen fast zehn Prozent seiner Fahrzeuge mit einem Elektroantrieb. Und bis zum Jahr 2022 sollen vier weitere Elektroautos hinzukommen und der Elektroanteil auf dann 42 Prozent steigen.

„Unsere Vision geht weit über das Auto hinaus“, sagt Dunsmore: „Wir bauen rund um das Fahrzeug ein komplettes Ecosystem auf.“ Mit Photovoltaik, Heimspeichern, dem Akku des E-Mobils als Puffer und einem komplexen Energiemanagement.

Den „Ambassadeurs“ im Velizy 2, so viel steht schon am Eröffnungstag fest, dürfte der Gesprächsstoff nicht so schnell ausgehen.       

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