Dürre 2018: Doppelrekord bei Sommer- und Hitzetagen

Dürre 2018: Doppelrekord bei Sommer- und Hitzetagen

Der Sommer 2018 sorgte für fette Schlagzeilen. Mit reichlich Sonne und Freibadwetter, aber auch mit verheerender Dürre und gefährlichen Feuern. In Zeiten des Klimawandels ein Vorgeschmack auf die Zukunft?

Klima | Von DPA |

Super lang, super sonnig, super trocken: Der Sommer 2018 war ein Sommer der Superlative. Was Urlauber, Freibadbesucher und die Betreiber von Biergärten und Eisdielen freute, verursachte bei vielen Land- und Forstwirten tiefe Sorgenfalten: Dürreschäden, Ernteeinbußen und Waldbrände gehören zur Negativbilanz dieser außergewöhnlichen Jahreszeit in Deutschland. Die gleich doppelt für Rekorde sorgte: In Deutschland gab es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) im Mittelwert 75 Sommertage, an denen die Meteorologen 25 Grad oder mehr gemessen haben – davon 20,5 heiße Tage, an denen das Thermometer mehr als 30 Grad zeigte.

So eine Bilanz wurde seit Aufzeichnungsbeginn 1881 hierzulande noch nie registriert, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Zum Vergleich: Im Hitzesommer 2003, bisher die Messlatte für Sommerrekorde, waren es 62 Sommertage und 19 heiße Tage. So viel Sommer war also in den vergangenen fast 140 Jahren noch nie in Deutschland. Überhaupt purzelten zahlreiche lokale Rekorde. Und die sommerlichen Temperaturen hielten sich keineswegs an den kalendarischen Sommer. So gab es im April in Mannheim bereits sieben Sommertage, im Oktober waren es in Düsseldorf und Waltrop ebenfalls noch mal sieben.

Heiß, heißer, Bernburg an der Saale: Der Sommer 2018 war der zweitheißeste seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Nur der Rekordsommer 2003 überstieg mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad noch den Durchschnittswert von 19,3 Grad in den diesjährigen Sommermonaten Juni bis August, wie der Wetterdienst bilanziert. Ganz besonders heiß wurde es in Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt: An insgesamt zwölf Tagen zeigten die Thermometer hier Werte von mehr als 35 Grad. Am 31. Juli gab es hier zudem mit 39,5 Grad den höchsten Einzelwert des Sommers 2018 in Deutschland.

Sonne satt: Gefühlter Dauersonnenschein vom Frühling bis in den Herbst sorgte für eine Verlängerung des Sommers über die meteorologischen Sommermonate hinaus. Allein von Juni bis Ende August schien im bundesweiten Durchschnitt die Sonne rund 770 Stunden lang, 30 Prozent mehr als die sonst üblichen 604 Stunden. Auf Rügen konnten sich die Bewohner sogar über örtlich mehr als 900 Stunden Sonnenschein freuen. Der Sommer 2018 sei einer der drei sonnenscheinreichsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1951 gewesen, so der DWD.

Ein Sommer zwischen Starkregen und Dürre: Auch wenn das Wetter in Deutschland nicht mit dem in Südspanien zu vergleichen ist – in vielen Regionen warteten Bauern und Förster vergeblich auf den immer stärker herbeigesehnten Regen. Im bundesweiten Durchschnitt fiel mit 130 Litern pro Quadratmeter nur 54 Prozent des Regen-Solls – darin sind die Fälle von Starkregen eingerechnet, die örtlich für Überschwemmungen sorgten. In Thüringen fielen nur rund 95 Liter Wasser pro Quadratmeter, in Sachsen-Anhalt gerade einmal 65.

Die Folgen waren teils dramatisch je weiter der Sommer vorrückte: verdorrte Wiesen, Dürre auf den Feldern, Waldbrände vor allem in Teilen Brandenburgs. Bei einem – für deutsche Maßstäbe riesigen – Waldbrand südlich von Berlin kämpften im August mehr als 3000 Einsatzkräfte tagelang gegen die Flammen.

Wenige Gewinner, viele Verlierer

Während viele Landwirte schmerzhafte Ernteeinbußen hinnehmen mussten, gab es auch Gewinner: Viele Weinbauern freuten sich nicht nur über eine überdurchschnittliche Lese, die Trauben waren zudem von hoher Qualität. "Die Menge ist ordentlich und die Güte ist wahnsinnig gut. Ein Jahrgang für die Geschichtsbücher", sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes.

Nach Einschätzung des DWD könnte sich 2018 als eines der fünf trockensten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 140 Jahren herausstellen. Im Oktober etwa waren rund 70 Prozent der Fläche Deutschlands von extremer Trockenheit betroffen, so DWD-Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt. Als besonders problematisch betrachtet er die Kombination aus hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen.

Niedrigwasser, Fährstopp und "Atlantis": Über die eigentlichen Sommermonate hinaus und bei weiterhin häufig sommerlichen Temperaturen hatte die Trockenheit Auswirkungen bis in den kalendarischen Herbst. Die Wasserstände von Flüssen und Seen sanken. Am Loreley-Felsen etwa fiel der Niedrigwasserrekord des Rheins aus dem Jahr 2003. Mehrere Rheinfähren mussten den Betrieb vorübergehend einstellen, auch Ausflugsschiffe zwischen Köln und Mainz mussten pausieren. Am nordhessischen Edersee zeigte sich das "Edersee-Atlantis", wie es Einheimische nennen, einmal wieder: Dort waren die versunkenen Ruinen von Dörfern, die beim Bau des Stausees aufgegeben wurden, plötzlich wieder zu sehen. Fußgänger bei Bingen konnten trockenen Fußes den Mäuseturm im Rhein erreichen.

Das extreme Niedrigwasser des Rheins hatte aber auch Auswirkungen auf Autofahrer in Süd- und Westdeutschland – es führte zu Engpässen und Preisanstiegen bei vielen Tankstellen. Den Grund nannte der Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands, Alexander von Gersdorff, im Herbst: Da die Tankschiffe auf dem Weg vom Ölzentrum Rotterdam flussaufwärts nicht mehr voll laden konnten, gab es am Rhein vorübergehend leere oder nur teils gefüllte Tanklager.

In der Bodenseeregion reichten die Auswirkungen der Trockenheit bis in die Mitte des Dezembers – so lange galt das im Juli verhängte Verbot, Wasser aus Gräben, Bächen, Flüssen oder Seen zu pumpen. Ausgenommen war der Bodensee selbst, das Tränken von Vieh und das Schöpfen mit Handgefäßen immerhin war erlaubt. "Ein derart lang anhaltendes Entnahmeverbot hat es in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben", so ein Sprecher des Landratsamtes in Friedrichshafen.

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