Climeworks: Staubsauger gegen den Klimawandel

Climeworks: Staubsauger gegen den Klimawandel

Climeworks hat einen Filter für CO2 entwickelt. In Island und der Schweiz stehen bereits erste Anlagen, die das Klimagas speichern können.

Emissionen | Von Tim Kröplin |

Unser Klima gerät schneller in Bewegung als jemals zuvor – und Kohlenstoffdioxid, kurz CO2, gilt als einer der Hauptverantwortlichen für den sogenannten Treibhauseffekt. Das liegt daran, dass sich die Erdatmosphäre wie die Scheiben eines Gewächshauses verhält: Sie lässt das einfallende Sonnenlicht durch, hindert aber einen Teil der Wärme daran, wieder ins Weltall zu gelangen. Ist die Konzentration eines Gases – das kann CO2 sein, aber auch Methan oder Wasserdampf – in der Erdatmosphäre zu hoch, wird noch mehr Wärme gespeichert – das führt zur Erderwärmung.

Da wir Kohle und Öl in Massen verbrennen, um Milliarden von Menschen zu transportieren oder mit Strom und Wärme zu versorgen, kommt eine Menge zuvor gebundenes CO2 in die Atmosphäre. Die Politik will mit dem Pariser Klimavertrag gegensteuern. Das Unternehmen Climeworks geht aber noch einen Schritt weiter: "Wir haben spezielle CO2-Staubsauger entwickelt, die Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre ziehen", erklärt die Kommunikationsbeauftragte von Climeworks, Louise Charles.

"Über das Klimaziel hinaus"

Das Unternehmen wurde von Christoph Gebald und Jan Wurzbacher gegründet. Die Ingenieure lernten sich während ihres Maschinenbau-Studiums an der ETH Zürich kennen. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft und darauf die Idee, mithilfe von Staubsaugern das Klima positiv zu beeinflussen. "Wir sind der Meinung, dass wir über das Klimaziel hinaus denken sollten. Das heißt, nicht nur weniger CO2 zu verbrauchen, sondern auch das Gas aus der Atmosphäre zu entfernen", erklärt Charles. Doch wie funktioniert der Sauger?

Dafür zieht die Anlage Luft ein und filtert das Kohlenstoffdioxid mithilfe von speziellen Filtermaterialien, die das Gas aufnehmen, bis sie gesättigt sind. (Für Experten: Die Filter bestehen aus mit Aminen modifizierten porösen Granulaten.) Dann werden diese Filter auf 100 Grad Celsius erhitzt, um das Kohlendioxid in Form von konzentriertem Gas freizusetzen, während die Luft zurück in die Atmosphäre geleitet wird. Jährlich könnten ihr so etwa 900 Tonnen Kohlendioxid entzogen werden.

Bereits 2016 wurde die erste Anlage auf dem Dach einer Kehrichtverbrennanlage (Kezo) in Hinwil nahe des Zürichsees eingerichtet. Der Clou ist, dass die Abwärme der Verbrennanlage genutzt wird, um das CO2 freizusetzen – das sorgt für ein Energieersparnis. Das gespeicherte Kohlendioxid wird wiederum an einen benachbarten Gemüsebauern verkauft, welcher es als Dünger in sein Gewächshaus verwendet.

Das Kohlendioxid kann jedoch nicht nur in Gewächshäusern als Luftdünger verwendet werden, um das Pflanzenwachstum zu beschleunigen, sondern auch zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen verwendet werden. Dafür arbeitet Climeworks mit dem Dresdner Unternehmen Sunfire zusammen, welches synthetische Kraftstoffe produziert. Außerdem arbeite man seit diesem Jahr mit dem isländischen Energieversorger Reykjavík Energy zusammen.

"Im Rahmen dieser Kooperation konnten wir eine Möglichkeit finden, CO2 unter der Erde in Basaltgestein zu speichern", erklärt Charles. Dafür werde Wasser mit Kohlenstoffdioxid versetzt und etwa 700 Meter in die Tiefe gepumpt. Der Vorteil ist, dass Basalt überall auf der Erde gefunden werden kann. So positiv das Projekt auch klingt, die Kosten für das Unterhalten der Anlage sind enorm. So kostet zum Beispiel das bloße herauslösen von einer Tonne CO2 noch etwa hundert Euro pro Tonne. Mit steigenden Preisen für CO2 könnten sich die Anlagen aber dennoch schnell rentieren - aus Klimaschutzsicht lohnen sie sich schon heute.

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