Am liebsten stark und laut

Am liebsten stark und laut

Eine aktuelle Studie zeigt: Emotionen wecken bei den Deutschen immer noch PS-starke Sportwagen mit klassischem Verbrennungsmotor. Elektroautos kommen in ihren Träumen nicht vor. Das muss sich schleunigst ändern.

Umweltschutz | Von Franz W. Rother |

Beim Anblick eines BMW i8 Roadster müsste umweltbewegten jungen Menschen mit einem Faible für Autos eigentlich das Herz höher schlagen. Der Sportwagen ist futuristisch gestylt, verfügt über Flügeltüren, beschleunigt in 4,6 Sekunden auf Tempo 100. Und dank Hybridantrieb bläst die Flunder auf 100 Kilometer Fahrstrecke weniger als 50 Gramm Kohlendioxid in die Luft.

Auch das Tesla Model S ist ein faszinierendes Auto. Tempo 100 erreicht das Elektromobil in der Performance-Variante dank eines Motors mit 449 Kilowatt/611 PS in 2,6 Sekunden. Sämtliche Funktionen werden über ein riesiges Smartphone gesteuert und streckenweise fährt es außerdem noch autonom.

Doch in die Träume deutscher Autofans im Alter zwischen 16 und 29 Jahren hat es bislang weder der i8 noch das Model S geschafft, obwohl Sportwagen bei denen nach einer Social-Media-Studie der Gebrauchtwagen-Plattform hey.car angeblich weiterhin hoch im Kurs stehen. Und auch bei älteren Menschen jedweden Geschlechts stehen Elektro- wie Hybridautos weiterhin nicht auf der Wunschliste. Statt dessen träumen die Deutschen - und jetzt halten Sie sich bitte fest - von einem Ford Mustang und einem Chevrolet Camaro, zwei unter Volllast lautstark brüllenden Spritschluckern und Klimakillern aus USA. Nach der Studie stehen in den Top 10 mit den Traumwagen der Deutschen aktuell immerhin fünf Modelle deutscher Autohersteller - allesamt Verbrenner. "Auffällig ist, dass sich jüngste Zielgruppe bei beiden Geschlechtern überwiegend Sportwagen wünschen", zeigt sich auch der Verfasser der Studie überrascht. Erst mit fortschreitendem Alter rücken andere Fahrzeugkategorien in den Blickpunkt. Derzeit vor allem SUVs, ergab die Analyse des Suchverhaltens deutscher Autointeressenten mit Unterstützung der Datenanalysten von Rascasse.

Eines macht allerdings Hoffnung: Traum und Realität klaffen weit auseinander. Ford macht zwar inzwischen mit dem Mustang auch in Deutschland ganz gute Geschäfte (der Absatz in den ersten sechs Monaten des Jahres stieg um über 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2547 Einheiten. Aber gemessen an den Pkw-Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten des Jahres (1,85 Millionen Pkw) war das nur ein kleiner Klecks auf der Öko-Bilanz. Und Traum und Realität klaffen auch auf dem Automarkt immer noch weit auseinander: Gekauft wird statt eines Sportwagens ein Klein- oder Kompaktwagen - meistens deutscher Provenienz, deutlich schwächer motorisiert und praktischer. So führen die aktuelle Bestsellerliste die VW-Modelle Golf, Tiguan und Passat an. Und zwar steigen die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben auch in Deutschland stetig - um 80 Prozent allein im Juni bei den Stromern, um 69 Prozent bei Hybridautos - doch die Energiewende auf der Straße nimmt nur langsam Fahrt auf.

Die Autoindustrie wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die Auto-Träume der Deutschen in neue Bahnen zu lenken. Mit Herz und Verstand, mit Autos, die Emotionen wecken und Fahrspaß bieten. Sonst wird das nichts mit der Elektro-Offensive, mit den strengen CO2-Flottengrenzwerten und den Planzahlen der Vertriebsstrategen. Milliardeninvestitionen in Autos mit alternativen Antrieben wären für die Katz'. Vom Klima ganz zu schweigen.

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