AFC: Ladesäulen-Strom aus der Brennstoffzelle

AFC: Ladesäulen-Strom aus der Brennstoffzelle

Die britische Firma AFC entwickelt eine Ladesäule, die ihren Strom mit Wasserstoff aus einer zum System gehörenden Brennstoffzelle bezieht. Die Technik soll das Stromnetz entlasten.

Laden | Von Angela Schmid |

Nimmt die Elektromobilität an Fahrt auf, steigt auch die Belastung der Stromnetze. Hersteller wie die Österreicher Kreisel stellen deshalb beispielsweise zum Ausgleich einen Akku neben die Ladesäule. Der britische Brennstoffzellenspezialist AFC Energy verabschiedet sich sogar gleich ganz vom Netz und verwendet als weltweit erstes Unternehmen eine Wasserstoff-Ladesäule.

Der BMW i8 war das erste Auto, das mit Strom aus H2 geladen wurde. Auf dem Dunsfold Aerodrome, einem Flugplatz im englischen Surrey, zeigten die Tüftler von AFC an dem Auto aus Bayern, dass das Laden von sauberem Strom auch ohne Netz funktioniert. CH2ARGE nennen die Briten ihre Innovation, deren Entwicklung zehn Jahre dauerte. Das Ergebnis ist ein System, das aus einer Brennstoffzelle besteht, die mit einem Wechselrichter verbunden ist. Dieser überträgt die erzeugte Energie auf ein Ladegerät und schließlich steht der ursprüngliche Wasserstoff als Strom dem Elektroauto zur Verfügung. Mit dabei ist ein Wasserstoff-Vorratstank, der nach AFC-Angaben 140 volle Ladevorgänge ermöglicht. Kombiniert ist das System zudem noch mit einem 40-Kilowatt-Akku als Pufferspeicher. Puffer-Batterie, Tank und die Brennstoffzelle selbst können versteckt verbaut werden, der Kunde bekommt nur eine konventionell aussehende Ladesäule zu Gesicht.

Briten treiben die E-Mobilität voran

Die Idee, Strom aus Wasserstoff zum Laden zu verwenden, hängt auch mit der politischen Zielrichtung Großbritanniens zusammen. Die britische Regierung forciert den Ausbau der Elektromobilität massiv und steckt in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in den Ausbau. In der "Road to Zero"-Strategie haben sich die Briten das Ziel gesetzt, dass bis 2030 mindestens die Hälfte aller Neuwagen "Ultra Low Emission"-Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 75 Gramm pro Kilometer sein müssen. Läuft es gut, will man sogar 70 Prozent erreichen. Bis 2040 soll dann der Verkauf von konventionellen Benzin- und Dieselfahrzeugen komplett gestoppt sein.

Die Briten sind nicht die einzigen, die sich für eine bessere Luftqualität stark machen. Norwegen geht voran: Dort waren bereits 2017 dank massiver Förderung mehr als die Hälfte aller Neuwagen Elektro- oder Hybridautos. Ab 2025 werden ausschließlich CO2-freie Autos neu zugelassen. Ein Massenmarkt auch für die Ladeinfrastruktur und eine Herausforderung für das Stromnetz.

Mobile Ladestation im Container

Adam Bond, Chief Executive Officer von AFC Energy, schätzt, dass die Zahl der Elektroautos in Großbritannien bis 2030 stark ansteigen werden - auf bis zu neun Millionen. "Für diesen Übergang brauchen wir Ladestationen, die landesweit integriert werden und innovative Lösungen, um die starken Einschränkungen des zentral erzeugten Stroms zu überwinden", erklärt Bond.

Das Elektroauto aus München war nur ein Vorführmodell. Grundsätzlich, so verspricht Bond, sei das System mit allen Modellen und smarten Ladefunktionen kompatibel und könne ausreichend Strom liefern, um ein "durchschnittliches" Elektroauto in einer Stunde auf 80 Prozent aufzuladen. Mit genauen Leistungsangaben und Werten zum Wirkungsgrad einer solchen Anlage halten sich die Briten aber noch zurück. An jedem CH2ARGE-System sind zwei Ladesäulen vorgesehen. Zudem lässt es sich je nach Leistungsanforderung flexibel skalieren. Als mobile Ladelösung könnte es auch in einen Schiffscontainer verpackt, vorübergehend eingesetzt werden – etwa an entlegenen Orten oder bei Veranstaltungen.

Auf dem Markt ist das Wasserstoffladegerät noch nicht. Zurzeit sucht das Unternehmen Partner, um CH2ARGE zu kommerzialisieren und eine Infrastruktur aufzubauen. Bisher wird das System des Energietechnologieunternehmens in Industriegasanlagen zur Netzerzeugung eingesetzt, als Alternative zu Dieselgeneratoren für lokalisierten Strom und als Stromquelle für den lokalen Strombedarf.

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