Warum Carsharing der Elektromobilität zum Durchbruch verhilft

Warum Carsharing der Elektromobilität zum Durchbruch verhilft

Carsharing kann ein massiver Hebel für die Elektromobilität sein und das "Henne-Ei-Problem" lösen. Wie genau, erklärt DriveNow-Geschäftsführer Sebastian Hofelich in einem Gastbeitrag.

Sebastian Hofelich

... ist Geschäftsführer von DriveNow. Der studierte Wirtschaftsingenieur arbeitet seit 2002 für die BMW Group.

Die Bundesregierung hat im Jahr 2008 ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf den Straßen Deutschlands unterwegs sein. Die Realität sieht allerdings anders aus: Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden im ersten Halbjahr 2018 gerade einmal rund 17.000 E-Mobile in Deutschland zugelassen. Der Gesamtanteil, bezogen auf alle in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge, beträgt damit weniger als ein Prozent.  

Ein Aspekt für den ausbleibenden Erfolg von Elektromobilität ist die schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur. Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität werden für das Jahr 2020 allein in Deutschland 70.000 öffentliche Ladepunkte und 7100 Schnellladesäulen benötigt. Bisher, so das Ergebnis einer aktuellen PWC-Studie, gibt es in Deutschland bislang erst 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte.

Die Elektromobilität hat ein "Henne-Ei-Problem": Investoren halten sich aufgrund der niedrigen Zahl an E-Autos beim Ausbau von Ladesäulen zurück. Der Anreiz für den Kauf von Stromern ist wiederum gering, weil die Ladeinfrastruktur nur unzureichend ausgebaut ist. Was also tun?

Mehr Akzeptanz durch Carsharing

Ein Lösungsansatz für diese Herausforderung kann Carsharing sein. Es ist durch den Einsatz von E-Autos in der Lage, die Bedeutung von Elektromobilität in Städten massiv zu erhöhen und das Bewusstsein für deren Potenzial zu stärken. Die Stromer sind für die vergleichsweise kürzeren Fahrten in der Stadt optimal geeignet. Carsharing schafft für die Bewohner zudem einen leichten Zugang zur Thematik – so waren bereits über 450.000 DriveNow-Kunden elektrisch mit einem BMW i3 unterwegs.

Das sind die zehn Carsharing-Hauptstädte:

Dass Carsharing ein Hebel für Elektromobilität ist, beweist eine aktuelle Kundenumfrage von uns. Etwa drei Viertel der Kunden hatten ihre erste Berührung mit Elektromobilität über Carsharing. Die Begeisterung für E-Mobilität unter den Kunden ist so groß, dass 70 Prozent der Befragten einen Stromer gegenüber einem Verbrenner bevorzugten, selbst wenn sie dafür drei Minuten länger zum Auto laufen müssten. Und: Dank Carsharing werden Kunden zu Wiederholungstätern – 75 Prozent der Erstnutzer wiederholten ihre Fahrt im Sharing-Elektroauto.

Das schleppende Wachstum der Elektromobilität liegt also nicht an negativen Erfahrungswerten. Nutzen Kunden Elektroautos, sind sie schnell überzeugt. Wir tragen diesem Interesse der Kunden Rechnung und bauen unsere E-Flotte stetig aus. Aus anfänglich 60 elektrischen ActiveE im Jahr 2013 sind wir heute bei rund 1000 i3, was einer Flottensteigerung um das 25-fache entspricht. DriveNow weist somit aktuell einen Elektroanteil von 16 Prozent auf, während der Anteil über alle zugelassenen Autos in Deutschland nicht einmal den Wert von einem Prozent erreicht.

"Henne-Ei-Problem" mit Städten lösen

Bei jeder Steigerung der E-Flotte sind wir aber auf eine gute Ladesäuleninfrastruktur in den Städten angewiesen. Gerade für Carsharing bringen lange Ladezeiten und eine schlechte Ladeinfrastruktur einen hohen operativen Aufwand mit sich. Die Umfrage zeigt, dass das größte Hemmnis ein E-Auto zu nutzen, die unzureichende Ladesäuleninfrastruktur ist. Unter den Befragten, die noch nie einen i3 geladen haben, gaben 60 Prozent an, sie würden dies tun, wenn sie dafür keinen Umweg fahren müssten bzw. wenn es mehr freie Ladesäulen gäbe (45 Prozent).

Wie kann das Henne-Ei-Problem nun gelöst werden? Indem der Ausbau von Infrastruktur und von Elektroflotten der Carsharing-Anbieter Hand in Hand gehen.

Wie das aussehen kann, zeigt die Stadt Hamburg. Um urbaner Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen, haben die Stadt und DriveNow in einer gemeinsamen Absichtserklärung ehrgeizige Ziele formuliert. Wir planen, den elektrischen Anteil unserer dortigen Flotte bis 2019 auf bis zu 550 E-Autos zu erhöhen. Im Gegenzug will die Stadt Hamburg die Zahl der öffentlichen Ladepunkte bis 2019 schrittweise auf 1150 ausbauen.

Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Schon heute ist ein Drittel unserer Hamburger Flotte elektrisch. Die verbesserte Verfügbarkeit von Ladesäulen kommt bei den Kunden an: Seit der Erhöhung des elektrischen Flottenanteils ist die Zahl der gefahrenen Elektrokilometer um durchschnittlich 20 Prozent pro Monat gestiegen. Aber nicht nur der Anteil der Elektrofahrten hat zugenommen, auch die Zahl der Ladevorgänge durch die Kunden ist in der Elbmetropole seit Anfang des Jahres signifikant gestiegen, was den E-Flotten Betrieb erheblich erleichtert. So werden in Hamburg bereits rund 70 Prozent aller Ladevorgänge von Kunden angestoßen.

Das Potenzial ist da – nun gilt es, dieses auch zu nutzen.

Der gemeinsame Ausbau der Ladeinfrastruktur ist eine der Schlüsselfaktoren, um E-Mobilität zu fördern, damit mehr Menschen emissionsarmer fahren. Carsharing ist dabei ein entscheidender Treiber, um die Bedeutung von Elektromobilität zu erhöhen und nachhaltige Mobilität in den Städten voranzubringen. Durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Unternehmen, Städten und Kommunen kann es gelingen, das Potential von Elektromobilität im urbanen Umfeld schneller und effizienter zu entfalten, als dies bisher der Fall ist.

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