Toyota Yaris Hybrid: Ein Jahr mit dem Sparmobil

Toyota Yaris Hybrid: Ein Jahr mit dem Sparmobil

Wir haben den Toyota Yaris Hybrid ein Jahr lang auf Elektro-Herz und Benzin-Nieren geprüft. Zum Start gab es erstmal einige Missverständnisse.

Quelle: Joe McKendry
Peter Vollmer

Peter Vollmer schreibt über Energie und Umweltschutz und kümmert sich um den Online-Auftritt von edison.media.

Abholung, in einem Toyota-Autohaus im Rheinland. Ich habe den Schlüssel zwar gedreht, aber nichts passiert. Also lasse das Fenster runter und schaue den Verkäufer fragend an. Der grinst erst, und ruft mir dann zu: "Ich weiß was sie jetzt fragen, aber der Motor ist schon an."

Offensichtlich stellt sich diese Frage jedem, der zum ersten Mal in einen Hybrid steigt: Schlüssel umgedreht und trotzdem hört man nichts. Ich drücke vorsichtig aufs Pedal. Nichts passiert. Weil ich vor lauter Begeisterung über den leisen Antrieb vergessen habe, die Handbremse zu lösen. Das hole ich nach, hoffe dass der Verkäufer nichts merkt, trete erneut sanft auf das Pedal – und es bleibt still. Ich rolle vom Gelände auf eine breite, verlassene Betonpiste. Also runterdrücken, das Pedal.

Die Beschleunigung ist im Vergleich zu kleinen Benzinern ein Wahnsinn. Der Lärm aber auch: Man kann sich in 15 Sekunden an die totale Ruhe gewöhnen. Springt dann der Verbrennungsmotor an, ärgert man sich regelrecht. Merke: Wer sich darüber freut, dass sein Auto so leise fährt, hat entweder einen Stromer – oder eine gute Lärmdämmung.

Zwei Herzen im Yaris Hybrid

Der Yaris Hybrid ist nicht der kleinste Kleinwagen, den Toyota anbietet, aber der kleinste "echte" Hybrid. Im Gegensatz zum Plug-in-Hybrid lässt er sich nämlich nicht laden. Strom gewinnt er nur über die Rekuperation. Das heißt, wenn normale Verbrenner Wärme erzeugen, etwa beim Bergab-Rollen oder vor allem beim Bremsen, dann lädt der Yaris einen kleinen Speicher. Keinen Lithium-Akku, sondern einen Nickel-Metallhydrid-Speicher. Die sollen etwas empfindlicher sein, wenn sie nicht intelligent gesteuert werden – aber das macht der Yaris.

Eine knappe Kilowattstunde geht in den Akku, was nicht viel ist. Wäre der Yaris ein reines E-Auto, wäre auch bei zurückhaltender Fahrweise nach rund vier Kilometern Schluss. Da der Elektromotor (45 Kilowatt Leistung, umgerechnet 60 PS) aber mit einem Verbrenner verknüpft ist (74 PS Leistung), kann der Kleine auch mal mit 140 über die Autobahn ziehen, ohne dass man sich als Fahrer Sorgen machen muss. Wer sparsam fährt, soll 3,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, das schaffe ich aber bei der Testfahrt noch nicht. Später wird mein Top-Wert bei 3,1 Litern liegen, realistischer sind 4,1 (Sommer) bis 5,0 Liter (Winter).

Die erste Fahrt ist ansonsten ereignislos. Schöner Wagen. Spritzig bis etwa 80 Sachen, dann wird es zäher. Ein leichtes Pfeifen bei 100 km/h. Ab 150 lässt der Fahrspaß deutlich nach, 165 zu fahren zieht wegen des kleinen Motors auch den Verbrauch auf neun Liter. Das ist aber gerade nicht Sinn der Sache in einem Kleinwagen, sondern das schöne Gleiten im dichten Verkehr und ein wirklich entspanntes Stop-and-Go im Stau, den ich mindestens zweimal die Woche mitnehmen muss.

Kein Stadtauto

Der Yaris ist als Stadtauto beworben, aber das ist Quatsch, denn in Städten braucht man kein Auto. Ein Stau-Auto mit Allrounder-Qualitäten ist er schon. Das merke ich schon bei der Testfahrt – auf der Landstraße kann der Yaris gut mithalten, die Bordanzeige hält einige Kennzahlen wie den Verbrauch pro Minute oder eine bunte Stromfluss-Anzeige bereit. Die Drehzahl sieht man im Display nicht mehr, sondern Energieverbrauch- und Gewinnung. Das macht anfangs Spaß, man will ja möglichst viel Strom rein holen und Benzin sparen. Und das war ja auch ein Grund für mich, den Yaris Hybrid zu testen – wenn schon Auto, dann umweltfreundlich. Mit (kleinem) Akku und einem Benzinmotor mit Saugrohr-Einspritzung. Noch emissionsärmer geht es nur vollelektrisch.

Auf der Autobahn kann man dafür in alter Verbrenner-Manier Gas geben. Auch bei 130 km/h klingen die Lautsprecher noch gut, der Wagen flattert nicht, beim Beschleunigen von 110 auf die linke Spur und damit 140 röhrt der Motor aber schon so sehr, dass ich wenige Kilometer später wieder nach rechts zurückkehre, auch wenn der Verkehr dort zäher fließt. Dafür spare ich eben wieder Benzin. Man hört ja oft, Hybrid sei eine Brückentechnologie. Stimmt schon.

Zuhause parke ich schneller ein als sonst: Kleines Modell mit Rückfahrkamera, das macht es einfach. Schnell noch auf die Verbrauchsanzeige geschaut: 5,4 Liter. Im Rückblick ein ganz schwacher Wert, aber weil ich ja vom reinen Verbrenner kam, fand ich das schon ok, besser als im Nicht-Hybrid-Yaris. Ein paar Wochen später werde ich mich das erste Mal über die 3,9 in der Anzeige freuen. 5,4 Liter schaffe ich nur noch einmal, mit E10 im Tank, im Winter und auf der freien Autobahn. Bei den aktuellen Benzinpreisen gewöhnt man sich das aber schnell wieder ab.

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