Model-3-Tagebuch: So funktioniert Teslas Service

Model-3-Tagebuch: So funktioniert Teslas Service

Ein Riss in der Scheibe, und der Tesla Model 3 muss in die Werkstatt. Da läuft nicht alles reibungslos, aber man sieht dennoch: Den Service lässt sich Tesla was kosten.

Matthias Hohensee Quelle: Joe McKendry
Matthias Hohensee

Matthias Hohensee arbeitet seit fast 20 Jahren im Silicon Valley als Tech-‧Korrespondent. In dieser Zeit hat er Apple-Legende Steve Jobs genauso getroffen wie Tesla-Boss Elon Musk.

Anruf von Tesla aus Seaside bei Monterey: Die Austauschscheibe fürs Panaromadach ist da. Zwei Wochen hat es gedauert. Mein Betreuer macht kurzfristig einen Termin möglich, damit sie noch vor einem Geschäftstermin, bei dem ich den Tesla 3 brauche, eingesetzt wird. Dauert etwa einen halben Tag, verspricht er.

Mein Tesla-Servicezentrum ist ungefähr 35 Autominuten von meinem Haus entfernt. Nicht gerade um die Ecke. Aber in Monterey und Carmel, wo die Millionärsdichte  besonders hoch ist, haben sich die ganzen hochwertigen Automarken wie BMW, Porsche, Mercedes und Lexus niedergelassen.

Tesla hat sich bei der Wahl seiner Service-Standorte an der Kaufkraft orientiert und die Region gleich mit zwei Supercharger-Stationen versorgt, während es an meinem Wohnort in Santa Cruz immer noch keine einzige gibt.

Erinnerungen an BMW

Mein ehemaliger BMW-Händler befindet sich gleich gegenüber von Tesla in Seaside. Das weckt schlechte Erinnerungen. Die Besuche dort liefen immer nach dem gleichen Schema ab. Ein Betreuer, der mich immer erst seitenweise Papiere ausfüllen und unterschreiben ließ. Einen Leihwagen für die Dauer der Reparatur gab es nie: "Das muss 14 Tage vorher angemeldet werden." Und zum Schluß bettelte er, ihm ja zehn Punkte bei der Service-Umfrage zu geben, weil er sonst seinen Job verlieren und seine Kinder nicht mehr ernähren könne.

Um fair zu sein – das ist fünf Jahre her. Denn sofort nach Ablauf meiner Hersteller-Garantie bin ich zu einem unabhängigen Monteur gewechselt, dem ich vertraue. Vielleicht ist der Service inzwischen besser. Ich kenne auch den Kostendruck nicht, unter dem der Händler stand. Und ich muss auch erwähnen, dass meine Besuche dort sehr selten waren. Der BMW Z4 hatte in den vergangenen neun Jahren nur kleine Macken, ist eins der zuverlässigsten Autos, das ich je gefahren habe. Er wurde im Juli 2008 gebaut und war das letzte Modelljahr mit dem Stoff-Faltdach. Der Tesla 3 hingegen ist "first production" – erste Produktion. Überraschungen sind damit quasi Programm.

Service statt Papierkrieg

Angekommen bei Tesla in Seaside: Es gibt keinen Papierkrieg. Mein Betreuer zieht alle nötigen Angaben über die Fahrzeugnummer aus dem Computer. Dann schiebt er mir noch ein Blatt Papier herüber. Es ist der Versicherungsvertrag für den Leihwagen, der ungefragt offeriert wird – ein schwarzes Model S85. Die Reparatur soll maximal fünf Stunden dauern, die meiste Zeit davon ist für das Trocknen des Klebers eingeplant.

Ich nutze die Zeit für einen Ausflug über die Küstenstrasse 1 in den Nationalpark Big Sur und zum Ventana Inn, das über ein sehr empfehlenswertes Restaurant mit einem traumhaften Blick über den Pazifik verfügt und seinen Parkplatz gleich mit zwei Tesla-Chargern ausgestattet hat. Der S85 fährt sich gut und gleicht wegen seiner guten Federung einem rollenden Wohnzimmer. Aber ich stelle schnell fest, dass ich den Tesla 3 bevorzuge. Er ist kleiner, wendiger und beschleunigt auch wegen seines geringen Gewichts bei niedrigen Geschwindigkeiten schneller.  

Wie versprochen ist mein Wagen nach fünf Stunden fertig. Er ist nicht nur frisch gewaschen worden, sondern auch noch gleich gratis "aufgetankt". Der Betreuer hilft sogar beim Umladen der Einkäufe und verabschiedet sich per Handschlag.

Die große Frage ist, ob Tesla mit steigender Zahl seiner Kunden diesen Service halten und vor allem finanzieren kann. In den Tesla-Foren häufen sich die Beschwerden von Kunden, die "nur" einen ICE – Internal Combustion Engine, englisch für Verbrenner – als Leihwagen bekommen, weil Tesla momentan in einigen Servicezentren nicht genügend eigene Fahrzeuge hat.

Dank des guten Services waren viele Tesla Kunden in der Vergangenheit auch sehr nachsichtig. Ein Bekannter aus dem Silicon Valley hatte einmal seinen Tesla S fast drei Wochen in der Werkstatt. Es dauerte so lange, weil damals das Model X eingeführt wurde und es einen Ansturm von Reparaturen wegen erratisch schließender Flügeltüren und unzuverlässigen Rückfahrkameras gab. Die Model X Kunden hatten Priorität.

Beschwert hat er sich trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: Tesla stattete ihn mit einem brandneuen Model S P100 aus, das er am liebsten behalten hätte. Kulant, aber auch teuer.

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